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Das forderte die Neiße von Bahn-Erbauern

Am 15. Oktober 1875 fuhr die Neißetalbahn erstmals in Zittau ein. Ihr Bau war eine große Herausforderung.

Ankunft eines Zuges am Haltepunkt Rohnau (Trzciniec Zgorzelecki) im Jahr 1907. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden die Gebäude und Anlagen geplündert und verfielen. So ist die früher gern von Rosenthalern genutzte Station heute kaum noch als solche erken
Ankunft eines Zuges am Haltepunkt Rohnau (Trzciniec Zgorzelecki) im Jahr 1907. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden die Gebäude und Anlagen geplündert und verfielen. So ist die früher gern von Rosenthalern genutzte Station heute kaum noch als solche erken © Sammlung Rolf Hill

Es ist eine jahrzehntelange Selbstverständlichkeit, mit dem Zug zwischen den beiden Neißestädten Zittau und Görlitz entlang des Flusses zu reisen. Seit Ende des Zweiten Weltkrieges gibt es die Besonderheit, dass dabei mehr als einmal das Territorium des Nachbarlandes durchfahren wird. Aber das ist längst nicht das einzige, was diese Bahnverbindung bemerkenswert macht.

Erste Bemühungen für eine Eisenbahn zwischen Zittau und Görlitz gab es schon seit 1860. In jenem Jahr stellte die Stadt Görlitz eine Petition an das preußische Abgeordnetenhaus, bei der sächsischen Regierung die Genehmigung zum Bau zu erlangen. 1867 bemühte sich auch die Berlin-Görlitzer Eisenbahn um die Konzession für eine Fortführung ihrer Bahn bis Zittau, die von der preußischen Regierung jedoch abschlägig beschieden wurde. Erst im Zusammenhang mit dem geplanten Bau der Strecke Görlitz–Seidenberg (Zawidów) der Berlin-Görlitzer Eisenbahngesellschaft wurde am 13. August 1873 auch eine Zweigbahn nach Zittau konzessioniert. Ein Staatsvertrag zwischen Sachsen und Preußen regelte die Bedingungen für Bau und Betrieb.

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Nachdem das erste Teilstück am 1. Juni 1875 von Görlitz aus in Betrieb gegangen war, folgte am 15. Oktober desselben Jahres die Inbetriebnahme des Zugverkehrs auf dem letzten Abschnitt bis Zittau. Aus diesem Anlass erinnerte der Korrespondent der „Zittauer Nachrichten“ daran, dass der Bau dieser Strecke Millionen von Talern gekostet habe. Riesige Dämme, die mehrmalige Überbrückung der Neiße und eine mühsame Sprengung in den hohen und steilen Ufern des Flusses seien nötig gewesen, „ehe dem Dampfrosse die Führung von Personen- und Lastzügen von der Bahn gestattet werden konnte.“ Nach der Stadt Zittau, die diese neue Bahn als Geschenk betrachten dürfe, hätten auch Hirschfelde und Ostritz großen Grund zur Freude, aus ihrer bisherigen Abgeschiedenheit zu kommen, schrieb er.

Zahlreiche Betreiberwechsel

Dass sie das auch zu würdigen wussten, gaben die Honoratioren am Tage der Eröffnung zu erkennen. Ein Extra-Eisenbahnzug mit komfortablen Salonwagen für die Vertreter des Stadtrats und die Stadtverordneten von Zittau sowie die Görlitzer Amtspersonen stand bereit, „der in der zweiten Nachmittagsstunde abgelassen wurde“. Der Zug wurde „geführt von einer mit Fahnen, Kränzen und Guirlanden geschmückten Locomotive“. Über den Grenzort Nikrisch (Hagenwerder), von dem die Bahn in Richtung Reichenberg (Liberec) abzweigte, gelangte die Bahn nach Ostritz. Trotz des Regens hatten sich hier, genau wie wenig später in Hirschfelde, zahlreiche Einwohner im Schmuck der Fahnen eingefunden. Feuerwehren, Schützengarden und Musikcorps waren zur Begrüßung in Parade angetreten. An beiden Orten wurde die Lokomotive mit neuen Kränzen versehen. Trotz des Regens übernahmen das in Hirschfelde sechs weiß gekleidete Jungfrauen. Weiter ging es Richtung Zittau. Vom Bahnhof wurden die geladenen Gäste durch das reich beflaggte Zittau zum Rathaus gebracht, wo im Bürgersaal ein standesgemäßes Festmahl auf sie wartete.

Bei der Neißetalbahn gab es im Laufe ihrer Geschichte zahlreiche Betreiber- und Besitzerwechsel. Der entscheidende Einschnitt vollzog sich jedoch mit dem Ende des Zweiten Weltkrieges und der damit verbundenen neuen Grenzziehung. Somit gingen 1948 mehrere Streckenabschnitte an die Polnischen Staatsbahnen (PKP) über. Der deutsche Zugverkehr wird seitdem im privilegierten Durchgangsverkehr über polnisches Territorium geleitet. Ab 1950 hielten die Züge wieder im Bahnhof von Ostritz, der nun den polnischen Namen Krzewina Zgorzelecka trägt. Von dort war über eine Fußgängerbrücke, bewacht von Grenzposten, der Übergang ins deutsche Ostritz möglich. Seit 1995 ist die Neißebrücke bei Ostritz auch als Grenzübergang in Betrieb, so dass die Züge, die im Bahnhof Krzewina Zgorzelecka halten, seitdem auch von Bewohnern des Nachbarlands benutzt werden können.

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