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Lage in den Kliniken spitzt sich zu

Immer mehr Corona-Patienten müssen ins Krankenhaus und auf Intensivstation. Allein in Zittau und Ebersbach sind es schon über 50. Wie lange geht das noch gut?

Ein Covid-19-Patient auf einer Intensivstation.
Ein Covid-19-Patient auf einer Intensivstation. © Fabian Strauch/dpa

Es ist still auf dem Hof des Zittauer Krankenhauses. Die Stille fühlt sich bedrückend an. Ein Hausmeister kehrt nasses Laub zusammen. Im Haus hinter ihm kämpfen die Ärzte auf der Intensivstation um das Leben eines Menschen. Er hängt an einem Beatmungsgerät. Die Ärzte tun alles. Und trotzdem wird sein Zustand immer schlechter.

"Das ist das Tragische an Corona", sagt eine erschöpfte Mitarbeiterin, "dass die Verläufe dieser Krankheit so unterschiedlich und auch so unberechenbar sind." Ob der Mann, der sich mit diesem Covid-19-Virus angesteckt hat, es überleben wird, das könne man jetzt  nur hoffen. "Wer Corona immer noch mit einer normalen Grippewelle vergleicht, der müsste sich das hier mal ansehen", sagt die Mitarbeiterin. "Eine Covid-19-Infektion ist keine, und schon gar keine normale Grippe. Das ist eine lebensgefährliche Erkrankung."

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Gerade hat der Rettungswagen wieder einen Patienten gebracht. Vor der Einfahrt zur Rettungswache desinfiziert die Rettungsassistentin die Liege und die Geräte für den nächsten Einsatz. Ihr Gesicht ist ernst. 

Denn es werden immer mehr Corona-Patienten in den Krankenhäusern: 24 an Covid-19 Erkrankte und fünf noch unbestätigte Verdachtsfälle liegen an diesem Dienstag im Zittauer Krankenhaus, fünf von ihnen auf der Intensivstation, in der Klinik in Ebersbach sind es 26 Patienten und ein Verdachtsfall, davon drei Patienten auf der ITS. 

Allein in den 24 Stunden vom Montagmittag bis zum Dienstagmittag haben die Krankenhäuser im Kreis Görlitz 46 neue Corona-Patienten aufgenommen. Damit ist die Zahl der stationär behandelten Menschen mit Covid-19 innerhalb eines Tages auf 105 gewachsen und hat sich gegenüber dem Vortag nahezu verdoppelt. 

Schwere Krankheitsverläufe

Die Patienten kommen mit schweren Krankheitsverläufen, zum Teil mit sehr schweren, sagt Jana-Cordelia Petzold, die Sprecherin des Klinikums Oberlausitzer Bergland. Und es sind auch nicht nur Senioren im hohen Alter, die so schwer erkranken, dass sie ins Krankenhaus müssen. Zu den am Dienstag stationär aufgenommenen Patienten aus dem Kreis Görlitz gehört auch ein 25-Jähriger. Und unter den 30 Menschen, die kreisweit im Zusammenhang mit einer Covid-19-Infektion gestorben sind, ist auch eine 47-jährige Frau.

68 Intensivbetten gibt es auf den Intensivstationen der sechs Krankenhäuser im Kreis Görlitz. 49 waren am Dienstag belegt, zwölf davon von Covid-19-Patienten. Was, wenn das jetzt so weitergeht? Wenn die Zahl der Betten und die Kraft des Personals nicht mehr ausreichen?

Jana-Cordelia Petzold blickt ernst. Darüber, wie sich die Zahl der Corona-Fälle in den nächsten Tagen und Wochen weiter entwickeln wird, werde sie nicht spekulieren, sagt sie. Nur eines könne sie definitiv sagen: "Dass Betten und Personal nicht mehr ausreichen könnten, dazu darf es nicht kommen. Und dazu wird es auch nicht kommen. Wir sind weiterhin einsatzfähig."

Für den Fall, dass die Patientenzahlen wachsen, sei das Klinikum vorbereitet, erklärt die Sprecherin. "Wir halten eine leistungsfähige Infrastruktur vor. Die Kapazitätsgrenzen der Klinik sind noch nicht erreicht, das Personal ist einsatzbereit, leistungsfähig und motiviert." Auch wenn die Daten des bundesweiten Divi-Registers - eine tägliche Statistik über die Leistungsfähigkeit der Intensivstationen - die symbolische Ampel für die ITS in Zittau am vergangenen Freitag auf "Gelb" geschaltet hat.

Gegebenenfalls werden wieder Operationen verschoben

Aber genau deswegen gebe es auch schon Notfallpläne, sagt Jana-Cordelia Petzold. Falls die Patientenzahlen in dem Maße wie bisher weiter wachsen, würden aufschiebbare, nicht lebensnotwendige Wahloperationen auf einen späteren Zeitpunkt verschoben werden. 

Draußen im Innenhof des Zittauer Krankenhauses wird es langsam dunkel. Auf der Intensivstation herrscht Stille, konzentrierte Betriebsamkeit. Die Ärzte, Schwestern und Pfleger arbeiten mit geübten Handgriffen. Die Vollschutzkleidung macht das schwieriger bei den streng abgeschirmten Corona-Patienten. 

"Diese Corona-Viren sind auch deshalb so gefährlich, weil sie sich rasant als Tröpfcheninfektion verbreiten", sagt die Mitarbeiterin. Die Viren bleiben in der Luft und werden beim Einatmen inhaliert, deswegen müssen sich alle auf der Station so gut wie möglich schützen. "Die Patienten brauchen uns", sagt die Mitarbeiterin. 

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