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Zittau zeigt seine Waffen

Museumschef Peter Knüvener macht die Rüstkammer auf und gestaltet mit Morgensternen und Kanonen eine Ausstellung. Wer will, darf selber fechten.

Zittaus Museumschef Peter Knüvener zeigt ein über 200 Jahre altes Gewehr. Das und viele andere Waffen, sind ab Sonnabend in der neuen Dauerausstellung zu sehen.
Zittaus Museumschef Peter Knüvener zeigt ein über 200 Jahre altes Gewehr. Das und viele andere Waffen, sind ab Sonnabend in der neuen Dauerausstellung zu sehen. © Rafael Sampedro/foto-sampedro.de

Der Sechs-Städte-Bund kannte keine Gnade: Raubritter, die ihre Straßen und damit den Handel unsicher machten, wurden im späten Mittelalter gnadenlos verfolgt, ihre "Nester" zerstört. In fast 500 Jahren haben die Oberlausitzer Bürger fast 30 Burgen wie die auf dem Oybin dem Erdboden gleich gemacht - so dass es im Gegensatz zu anderen Landstrichen heute zwischen Kamenz und Lauban, zwischen Zittau und Bautzen kaum noch welche gibt.

Viele der mittelalterlichen Waffen mit denen die Zittauer gegen die Raubritter in Kriegen und bei anderen Auseinandersetzungen kämpften, sind ab Sonnabend im ersten Teil einer neu gestalteten Dauerausstellung in den Städtischen Museen zu sehen - das erste Mal seit über 50 Jahren. Die Ausstellung beschreibt laut Angaben des Museums "etwa 400 Jahre Zittauer Geschichte und ist somit Quelle für Kultur- und Militärgeschichte sowie Handwerkskunst".  Neben Schutzwaffen wie Helmen, Harnischen, Handschuhen und Schilden werden Angriffs-, Schlag-, Stangen- und Fernwaffen gezeigt, teilte das Museum mit. 

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Konkret sind das unter anderem große, schwere Wallbüchsen, mit denen gegnerische Soldaten am Aufstellen von Kanonen vor den Mauern der Stadt gehindert werden sollten, eine rund 600 Jahre alte Hakenbüchse, Schwerter, Säbel, Degen und Dolche, Armbrüste, frühe Pistolen, Morgensterne, Hellebarden und Spieße. Außerdem werden Aquarelle der Zittauer Stadtmauer - die als Schutz vor Angriffen erbaut wurde - zu bewundern sein. 

Für die Ausstellung kann das Museum auf einen Fundus mit mehreren Hundert historischen Waffen zurückgreifen. Sie alle gehören zu einem lange im Verborgenen gehüteten Schatz, den Museumschef Peter Knüvener und seine Mitstreiter nun ans Tageslicht holen: zu "einer umfangreichen historischen Militariasammlung, vermutlich der größten der Oberlausitz." Sie speist sich aus privaten Stücken, dem Besitz des ehemaligen Infanterieregiments 102, aber vor allem aus der städtischen Rüstkammer, die sich ursprünglich wohl im Rathaus, später im Marstall - dem heutigen Salzhaus auf der Neustadt - befand. Dort lagerten die Waffen und Rüstungen für die Verteidigung der Stadt, aber auch für Feldzüge oder "Polizei"einsätze. Teils in der Region gefertigt, teils erbeutet.

Genutzt wurden sie von Bürgern. Bis vor reichlich 200 Jahren waren die Männer vom Bauern bis zum Bürgermeister verpflichtet, ihre Stadt zu verteidigen. Ausnahmen gab es laut Museumschef Knüvener nur für Ärzte, Apotheker und ähnlich wichtige Berufsgruppen. Organisiert wurden die Kämpfer nach Stadtvierteln, in denen berufene Hauptleute das Kommando hatten. Musterungen und Übungen in Schießhäusern waren an der Tagesordnung. "Die Kampftauglichkeit wurde bei Schützenfesten erprobt und gefeiert", so das Museumsteam.

Als das Militär im 19. Jahrhundert professioneller wurde und die Bürger ihre Städte nicht mehr selbst verteidigen mussten, wurden die Rüstkammern aufgelöst. Da Zittau im Gegensatz zu den meisten anderen Städten damals schon ein Museum hatte, wurden viele der mittelalterlichen Waffen dorthin gebracht. Auch der zweite Weltkrieg dünnte die Sammlungen anderenorts aus:  Viele Museen mussten ihre Waffen abgeben. In Zittau aber wurden die Schusswaffen laut Museum nur unbrauchbar gemacht. So bliebt der Fundus erhalten.

Auf die Idee für die neue Dauerausstellung sind die Museumsleute bei einer einmaligen Besichtigungsaktion der Waffen gekommen - weil das Interesse so groß war. Im kommenden Jahr soll der zweite Abschnitt gestaltet und eröffnet werden.

Ablauf der Eröffnung der Dauerausstellung zur Rüstkammer am 26. September im Museum: 

  • 13 Uhr & 15 Uhr: Führung
  • 14 Uhr: Fechtschule für Groß & Klein mit Sven Richter (maximal 20 Personen, mit Anmeldung): An der Fechtstation können die Teilnehmer die Fechtweise mit dem Hofdegen, mit dem zur Zeit des Barocks gefochten wurde, ausprobieren. Sie erlernen die Grundlagen der Beinarbeit und die Handhabung der Waffe. Die Teilnehmer können anschließend das Hieb- und das Stoßfechten in kleinen vorgegebenen Übungen ausprobieren. Als Höhepunkte üben die Teilnehmer eine Finte und eine Entwaffnung. Um Verletzungen auszuschließen, benutzen alle Fechtinteressierten nur Waffen aus Plastik.
  • Eine Teilnahme an Fechtschule und Führung ist nur nach vorheriger Anmeldung möglich.

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