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Zittauer Rekordhalter feiert 90. Geburtstag

Heinz Ebermann blickt auf eine einmalige Karriere als Leichtathlet, Skilangläufer und Eishockeyspieler zurück. Was ihn als Sportler auszeichnet.

Drei WM-Teilnahmen in Italien, Deutschland und zuletzt in Australien sowie die Europameisterschaften in Slowenien, Spanien, Schweden, in Potsdam und Zittau stehen im Startbuch von Heinz Ebermann (hier ein Foto von 2012).
Drei WM-Teilnahmen in Italien, Deutschland und zuletzt in Australien sowie die Europameisterschaften in Slowenien, Spanien, Schweden, in Potsdam und Zittau stehen im Startbuch von Heinz Ebermann (hier ein Foto von 2012). © Thomas Eichler (Archiv)

Von Reiner Seifert

Die 22. World Masters Athletics Championships 2016 wird der Ausnahmeathlet aus der Oberlausitz wohl nie vergessen, denn der damals 85-jährige Zittauer feierte im Western Australia Athletics Stadium im australischen Perth mit zwei WM-Titeln seine wohl größten sportlichen Erfolge. Das Thermometer zeigte 33 Grad. Sieben Läufer aus vier Ländern starteten zum 1.500-Meter-Lauf. "Vom Start weg heftete ich mich an die Fersen des bekannten französischen Langstrecklers Christian Larcher. Er machte das Tempo, und ich hoffte, ihn auf der Zielgeraden zu überspurten", erzählt Ebermann, der die richtige Taktik gewählt hatte, auf den letzten 100 Metern am Franzosen vorbeizog und sich mit einem Vorsprung von 1,6 Sekunden den WM-Titel sichert. Dritter wurde mit einem Rückstand von 30 Sekunden der Chinese Gui Ben Sun.

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Knapp vier Stunden später stand das 400-Meter-Finale auf dem Programm. Die Temperatur war inzwischen auf 36 Grad im Schatten gestiegen. Heinz Ebermann übernahm nach 200 Metern die Führung und lief zu seinem zweiten WM-Titel, verwies den Griechen Chatziemmanouli und den Chinesen Gui Ben Sun auf die Plätze zwei und drei. "Zwei WM-Titel an einem Tag. Dass ich die größten Erfolge meiner sportlichen Karriere ausgerechnet in Australien erreiche, hätte ich mir nie träumen lassen", schüttelt der gebürtige Olbersdorfer noch heute den Kopf. Heinz Ebermann erkämpfte neben den zwei Gold- auch noch zwei Silbermedaillen. Über 200 Meter ließ er nur dem Franzosen Michel Claverie und im mit elf Läufern aus sieben Ländern besetzten 800 m-Rennen dem favorisierten Japaner Hiroo Tanaka den Vortritt. Mit je zwei Gold- und Silbermedaillen gehörte Ebermann zu den erfolgreichsten der rund 150 deutschen WM-Teilnehmer.

Seit der Jugend mit dem Sport verbunden

Am 16. August feiert der gebürtige Olbersdorfer seinen 90. Geburtstag. Bereits als Jugendlicher fand er zur Leichtathletik. Der Beruf als Gärtner und 23 Jahre als selbstständiger Gärtnermeister ließen später keine regelmäßigen Wettkampfteilnahmen mehr zu. Er blieb aber immer mit dem Sport verbunden, spielte zwölf Jahre in Jonsdorf aktiv Eishockey und fand Gefallen am Skilanglauf. Als es die Zeit erlaubte, kehrte er zur regelmäßigen sportlichen Betätigung zurück, traf sich mit den "alten" Jonsdorfer Eishockeycracks zum Eislaufen, begeisterte sich für den Skilanglauf-Marathon und fand 1998 durch Mario Rennen zu den Leichtathleten der HSG Turbine Zittau, um später für den SC DHfK Leipzig zu starten.

Heinz Ebermann absolvierte elf Skimarathons der Worldloppet-Serie, unter anderen in den USA, Kanada, Italien, Norwegen, Schweden und Deutschland sowie vier Wasaläufe über 90 km von Sälen nach Mora.

Nicht alltäglich sind auch seine Erfolge in der Leichtathletik. Drei WM-Teilnahmen in Italien, Deutschland und zuletzt in Australien sowie die Europameisterschaften in Slowenien, Spanien, Schweden, in Potsdam und Zittau stehen im Startbuch. Sein WM- und EM-Medaillenkonto weist dreimal Staffelgold sowie vier Gold-, sieben Silber- und drei Bronzemedaillen in Einzeldisziplinen auf. Heinz Ebermann hielt bis 2019 die deutsche Bestleistung der AK M80 über 1.000 Meter (4:09,55), lief 2012 mit der deutschen 4 x 400-Meter-Staffel zu einem neuen Europarekord (5:48,16 min) und hält noch heute die sächsischen Landesrekorde über 100, 400, 1.000 und 1.500 Meter in der AK M85. Die Medaillengewinne bei Landesmeisterschaften hat er nicht gezählt, da kommen aber wohl mindestens 100 zusammen.

Obwohl nach wie vor gut drauf, muss der Zittauer seit dem Frühjahr auf seine traditio-nellen Läufe in der Weinau und auf das Eislaufen verzichten. "Im Winter war ich fast täglich auf Skiern in Lückendorf unterwegs und absolvierte fünf, sechs Runden über drei Kilometer. Übermütig geworden, wollte ich mich abseits der Loipe beim Abfahrtslauf beweisen, bin gestürzt und zog mir eine ernsthafte Verletzung im Oberschenkel zu.

Jetzt bin ich verstärkt mit dem Rad oder im sportlichen Wanderschritt mit Stöcken im Zittauer Gebirge unterwegs, auch schon mal auf die Lausche oder den Hochwald", erzählt Ebermann, der gleich in welcher Disziplin nach wie vor eine gute Figur macht.

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