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Was diese Zittauer Villa besonders macht

In der Oberlausitz gibt es Häuser, die viele Menschen kennen – aber nicht deren Geschichte. Die SZ stellt einige in loser Folge vor wie die Villa Schneider.

Die Villa Schneider am Stadtring in Zittau.
Die Villa Schneider am Stadtring in Zittau. © Heike Schwalbe

1866 erwarb der Kaufmann Carl Heinrich Knoch ein schmales Grundstück, das zudem noch nach Nordosten abschüssig war. Hier, Am Park 22 (heute Karl-Liebknecht-Ring 22), sollte sein neues Wohnhaus entstehen. Gegenüber standen noch letzte Reste von Zittaus Stadtmauern, die man fast komplett abgetragen hatte. Nun wurde in diesem Bereich eine gepflegte Promenade mit kostbaren Gehölzen und Pflanzen angelegt. Zittauer Industrielle nutzten die Gelegenheit, sich in diesem Bereich ihre Prachthäuser zu bauen. Das Haus des Kaufmanns entstand also an prädestinierter Stelle. Der Bau erfolgte in klassizistischem Stil, mit rechteckigem Grundriss, mit Dreiecksgiebel, zweistöckig, Satteldach und seitlichem Eingang. Sogar die abschüssige Lage konnte gut genutzt werden, im Keller waren Lager- und Personalräume entstanden und Pferde und Kutschen konnten untergestellt werden.

Nach dem Tode des Besitzers verkaufte dessen Witwe 1907 das Anwesen an den Kommerzienrat Hermann Schneider. Dieser wollte das Haus in eine Villa nicht nur zum Wohnen, sondern auch zum Repräsentieren umwandeln, denn er war Fabrikdirektor der Mechanischen Weberei. Schneider kauft angrenzendes Land hinzu und für das Aussehen seines Hauses hatte er bereits gewisse Vorstellungen. Zur Verwirklichung dieser beauftragte er das in Dresden ansässige bekannte Architektenbüro Lossow & Kühne. Grundmauern und Treppen sollten erhalten bleiben, vier-fünf Wohnräume im Parterre waren geplant, im Obergeschoss die Schlafräume, Bad und Küche – mit Speisenaufzug – und im Dachgeschoss die Räume für das Dienstpersonal.

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Als tschechisches Konsulat genutzt

Der Umbau gelang vortrefflich, das Gebäude erstrahlte im neuklassizistischen Stil, gepaart mit Jugendstil. Der Grundriss wurde beibehalten, jedoch der Eingang befindet sich nun auf der rechten Frontseite. Eine großzügige Diele über zwei Etagen legte man mittig an mit drei hohen Fenstern, darüber ovalen Oberlichtern, bleigefasst mit buntem Glas, mit halbhohen Wandverkleidungen aus dunklem Holz, einem Kamin, der Haupttreppe ins Obergeschoss, grün getäfelter Decke und weitere gestalterische Feinheiten. Im Außenbereich, zur Promenade hin, ist eine ans Gebäude angefügte Terrasse mit zwei schmückenden steinernen Amphoren in Rundnischen zu sehen. An der Gartenseite befindet sich gleichfalls eine Terrasse, Treppenaufgänge vom Garten und Pflanzrabatten. Ein gewaltiges Mansarddach mit Gauben ringsum geben der Villa nach oben den Abschluss.

Blick in die Diele der Villa.
Blick in die Diele der Villa. © Heike Schwalbe

So lange es ihr möglich war, wurde dieses Gebäude von der Familie Schneider bewohnt. Eine Nutzung der Villa als tschechisches Konsulat ist für 1945 vermerkt. Volkseigentum wurde sie 1962 mit dem Zittauer Stadtrat als Eigentümer, wurde Kindergarten und Hort der Parkschule. Ab 1998 befand sich im Parterre das Zittauer Caféhaus „Wien“, die übrigen Räume dienten Wohnzwecken. Statt des Cafés zog 2002 ein Asia-Restaurant ein, es schloss Ende September 2020. Diese gastliche Stätte war ihres feinen Ambientes wegen sehr beliebt. Nun ist eine der schönsten Villen Zittaus wieder in Privathand und ein Restaurantbesuch hier liegt in weiter Ferne.

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