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Warum das Corona-Abi so gut ausgefallen ist

Der Abi-Jahrgang 2021 wird als einer der besten in die Schulchroniken eingehen. In der Oberlausitz schließen 58 Absolventen mit 1,0 ab: Trotz oder wegen der Pandemie?

Sie haben allen Grund zum Jubeln: Die Abiturienten des Jahrgangs 2021 - hier im Bild des Gymnasiums Seifhennersdorf - haben so gut abgeschnitten wie seit Jahren nicht. Trotz oder wegen der Pandemie?
Sie haben allen Grund zum Jubeln: Die Abiturienten des Jahrgangs 2021 - hier im Bild des Gymnasiums Seifhennersdorf - haben so gut abgeschnitten wie seit Jahren nicht. Trotz oder wegen der Pandemie? © Matthias Weber/photoweber.de

Die Abiturienten des Jahrgangs 2021 haben allen Grund zum Jubeln: Sie haben zwei Schuljahre unter Corona-Bedingungen geschafft: mit viel Stundenausfall, wochenlangen Schulschließungen, Hausunterricht, Quarantänemaßnahmen, fehlenden Klausur-Noten. Und trotz alledem haben sie bessere Zensuren auf ihren Zeugnissen stehen als die Abiturienten in den Jahren davor.

2,07 - so lautet der Gesamt-Notendurchschnitt auf den Abiturzeugnissen im Schulamtsbereich Bautzen. Das ist so niedrig wie in keinem Schuljahr zuvor. Im vorigen Jahr, das ebenfalls schon unter dem Einfluss der Corona-Pandemie stand, erreichten die Abiturienten einen Schnitt von 2,13. In den zehn Schuljahren davor lag die Durchschnittsnote nach Angaben des Kultusministeriums stets zwischen 2,2 und 2,4.

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Auch die Zahl der Abschlüsse mit Bestnoten ist laut Kultusministerium in diesem Jahr deutlich höher als in den Schuljahren zuvor. Allein in der Oberlausitz haben 58 Abiturienten mit der Traumnote 1,0 abgeschlossen. Im vergangenen Jahr gab es in den Kreisen Bautzen und Görlitz insgesamt 47 Abschlüsse mit Spitzenergebnissen. In den Schuljahren davor waren es noch weniger.

War das Corona-Abi 2021 etwa leichter? "Nein, auf keinen Fall", sagt Vincent Richter vom Landesamt für Schule und Bildung (Lasub) in Bautzen und widerspricht damit Aussagen von Lehrerkollegen, man habe es den Schülern diesmal extra leicht gemacht. Richter betont: "Die Leistungen der Absolventen sind hart erarbeitet worden und keine Corona-Geschenke." Es hätte bei der Bewertung weder „Bonuspunkte“ noch besondere Bewertungsspielräume gegeben. Auch die Prüfungsaufgaben hätten denselben hohen Anspruch und dieselbe Qualität wie in den Jahren zuvor. "Der Grund für die besonders guten Abschlüsse sind besonders gute Leistungen der Schülerinnen und Schüler und das Ergebnis der sehr engagierten Arbeit der Lehrkräfte", zitiert er Sachsens Kultusminister Christian Piwarz (CDU).

Nur die halbe Wahrheit

Das ist alles richtig, bestätigt auch ein Oberstufen-Lehrer aus der Region Löbau-Zittau. Aber es sei eben auch nur die halbe Wahrheit. "Zur Wahrheit gehört ehrlicherweise auch, dass dieses Abitur mit Rücksicht auf die coronabedingten Lernverluste geschrieben wurde", so drückt es der Kollege aus der Region Löbau-Zittau aus, der in der Abiturstufe Mathematik unterrichtet.

So hat sich der Unterricht für die Abiturienten seit Januar ausschließlich auf die Prüfungsfächer konzentriert. In diesen Fächern hatten die Abiturienten außerdem auch noch weniger Themenkomplexe zu bearbeiten. "In allen Fächern sind Teile des Lehrplans von vornherein aus den Prüfungs-Komplexen gestrichen worden", erklärt der Oberstufenlehrer. Die Schüler hätten sich also viel gezielter auf weniger Themen konzentrieren und so auch viel gezielter auf die Prüfungen vorbereiten können, als das den Abiturienten in den Jahren zuvor möglich war.

Auch für die schriftlichen Prüfungen selbst hatte das Kultusministerium Festlegungen getroffen, die den Abiturienten die "pandemiebedingten Nachteile ausgleichen und den Schülern Erleichterungen verschaffen sollten", wie es der Kultusminister selbst begründet. So war zum Beispiel die Teilnahme am Ersttermin der schriftlichen Abiturprüfungen freiwillig. Die Arbeitszeit wurde in allen schriftlichen Prüfungen um eine halbe Stunde verlängert. Ein Vorteil für eine Benotung im Sinne der Schüler war es auch, dass die Zweit- und gegebenenfalls auch Drittkorrekturen an derselben Schule stattfanden.

Zeigen die Noten das tatsächliche Leistungsniveau?

Auch die Vorzensuren, die in die Endnoten eingehen, seien in diesem Schuljahr deutlich besser gewesen, erklärt der Oberstufenlehrer. "Wir sind das gesamte Schuljahr über angehalten worden, auf die besondere Pandemiesituation Rücksicht zu nehmen - das war ja auch politisch so gewollt." So sei beispielsweise auf Klausuren verzichtet worden, für die Prüfungsvorbereitung habe es zusätzlich noch besondere Lernzeiten gegeben, bei den Punktevergaben sei stets im Sinne der Schüler abgewogen worden.

Es sei also durchaus zu hinterfragen, ob das Notenbild dieses Abiturjahrgangs das tatsächliche Leistungsvermögen der Schüler widerspiegelt, sagt der Oberstufenlehrer, der sich dennoch mit und für seine Schüler über das gute Abschneiden beim Abi 2021 freut. Es sei auch ein Kraftakt gewesen - für Lehrer und Schüler.

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