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Ist Kennzeichen-Klau im Kommen?

Laut Automobil Club Europa haben diese Delikte Konjunktur. Betroffene müssen einiges beachten, betont ein Zittauer Anwalt, und beschreibt es an einem Fall.

Es kann schnell gehen: Ein paar geübte Handgriffe und schon ist das Kennzeichen aus der Halterung gelöst.
Es kann schnell gehen: Ein paar geübte Handgriffe und schon ist das Kennzeichen aus der Halterung gelöst. © Jan-Philipp Strobel/dpa

Bislang hat der Zittauer Rechtsanwalt Torsten Mengel den Diebstahl von Auto-Kennzeichen immer mit Autoschiebereien in Verbindung gebracht. "Da braucht ein Dieb ein anderes Nummernschild, weil er einen Wagen irgendwo in der Bundesrepublik klaut und ihn dann tarnen will", erklärt der Mann, der sich bei Verkehrsdelikten gut auskennt. Allerdings gibt es noch ganz andere, simplere Gründe, wie Mengel, der in der Region Sprecher des Automobil Club Europa (ACE) ist, inzwischen weiß: "Tankbetrug ist ein weiteres häufiges Delikt", erklärt er und fügt an: "Manche haben es aber auch auf die TÜV-Plakette abgesehen." So ärgerlich das auch ist - die Bestohlenen sollten in einem solchen Fall einiges beachten.

Mengel hat die Tücken eines solchen Delikts bei einem Fall vor einigen Wochen persönlich erlebt. "Ich wurde nach Olbersdorf gerufen, weil der Betroffene wissen wollte, wie man sich verhalten muss", erklärt Mengel. Den Diebstahl bei der Polizei anzeigen, ist in diesem Fall enorm wichtig - auch, damit nicht der eigentliche Besitzer der Kennzeichen mit möglichen Straftaten der Schilderdiebe in Verbindung gebracht wird. "Aber man darf natürlich nicht mit dem Auto ohne Kennzeichen zur Polizei fahren - das wäre eine Ordnungswidrigkeit - und hätte auch im Ausland Konsequenzen", betont der Anwalt.

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Gemeinsam mit seinem Mandanten hat Mengel noch einen weiteren Schritt unternommen: Mengel nahm an, dass Fingerabdrücke oder DNA-Spuren an der Halterung verblieben sein könnten. Vorsichtig und ohne sie groß zu berühren, hat er die Kennzeichen-Halterung daher eingetütet und der Polizei übergeben. "Kurz danach wurde ich dann gebeten, einen DNA-Abstrich zu machen, damit man meine Spuren von denen des Täters unterscheiden kann", sagt Mengel.

Um ein solches Vorgehen bittet die Polizei zwar nicht explizit. Aber auch sie fordert Betroffene auf, den Diebstahl sofort anzuzeigen, "damit die Kennzeichen in Fahndung" gesetzt werden können, erklärt Kai Siebenäuger, Sprecher der Polizeidirektion Görlitz. Auch er benennt "Tankbetrugshandlungen und zur Verschleierung des Diebstahls von Kraftfahrzeugen - insbesondere von Neufahrzeugen ohne Kennzeichen bei Autohäusern "- als die vorrangigen Motive.

Eine Häufung bei diesen Delikten ist aus der Statistik allerdings nicht abzulesen: Im Landkreis Görlitz wurden im Jahr 2019 insgesamt 174 derartige Fälle registriert, im Jahr davor waren es 205. Ein Negativrekord ist scheinbar in diesem Jahr nicht zu erwarten: 111 Fälle sind bis Anfang November verzeichnet. Ähnlich sieht die Lage in der gesamten Polizeidirektion - also mit dem Landkreis Bautzen - aus. Hier gab es im vorigen Jahr 338 Fälle, in diesem Jahr bislang 220. Lokal, so bestätigt der Polizeisprecher, gibt es aber immer Schwerpunkte: "Im Jahr 2020 war eine örtliche Häufung in den Städten Görlitz (32 Fälle), Bautzen (29), Zittau (25), Kamenz (12), Hoyerswerda (11) und Ebersbach-Neugersdorf (10) zu verzeichnen", zählt Siebenäuger auf.

Und wie kann man sich schützen? "Man kann ein Nummernschild natürlich anschrauben, dazu muss man das unter der Halterung befindliche Blech durchbohren", sagt Mengel, der solche Sicherungen schon gesehen hat. "Denn Diebe haben keine Zeit, das muss schnell gehen", betont er. Wenn man aber bestohlen wurde, bleiben unweigerlich Kosten und Rennerei: Verwaltungsgebühren, das neue Nummernschild, außerdem müssen Plaketten neu beantragt und das neue Kennzeichen in den Papieren eingetragen werden. Deshalb rät der Automobil Club Europa, die Belege aufzuheben. Wenn der Dieb gefasst wird und der Diebstahl angezeigt wurde, muss er die Kosten übernehmen.

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