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Zittauer Besonderheiten: Burgberg ohne Burg

Ein von der Mandau freigespülter „Felsen“ dominierte einst die Landschaft.

© Rafael Sampedro

In Zittau gibt es zwei Burgstraßen, eine Burgmühle und sogar einen Burgberg. Aber eine Burg gibt es nicht. Muss es aber gegeben haben. Vielleicht vor 1 000 Jahren. Historiker wie Knothe und Moschkau vermuten nämlich, dass es sich bei der „Burg“ um eine, wie man damals sagte, „Heidenschanze“ gehandelt habe. Also eine Verteidigungsanlage der schon vor der deutschen Besiedlung hier vermutlich siedelnden Slawen. Morawek vermutet, dass der Burgmühlgraben möglicherweise einst ein Nebenarm der Mandau war. Ein Hügel zwischen den beiden sumpfigen Flüssen ließ sich also vermutlich gut verteidigen. Dazu würde auch die Notiz von Zittaus erstem Stadtschreiber Guben über „drei Kretschame“ an dieser Stelle passen. Also Wirtshäuser, die im Schutz der Befestigung Durchreisenden Obdach boten.

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Vor allem wegen dieser historischen Quelle sehen eigentlich alle Stadtchronisten den im heutigen Westpark gelegenen Burgberg als Ursprung der Stadt. 1894 stellte deshalb die kurz zuvor gegründete „Gesellschaft für Zittauer Geschichte“ dort einen Gedenkstein mit der Inschrift „Hier entstand Zittau“ auf. Am Burgberg beginnend, schlängelte sich wohl einst quer durch die heutige Stadt die „Dorfstraße“ der „alten Sitte“. Bis zur Frauenkirche, die vermutlich die Dorfkirche war. Das war die „Keimzelle“ der Stadt.

Aber ist „Burgberg“ nicht etwas übertrieben? Vermutlich nicht. Und das hängt mit der Zittauer Braunkohle zusammen. Wahrscheinlich hatte sie sich in grauer Vorzeit selbst entzündet und den umgebenden Ton wie Ziegeln gebrannt. Dieser große „Felsen“ wurde später von der Mandau freigespült und dominierte die Landschaft. Er bot sich an für eine Burg. Aber nicht nachhaltig. Die Stadt entstand an anderer Stelle. Und brauchte Baustoffe. Morawek vermutete, dass schon bei der ersten Stadtmauer viel Material vom Burgberg verwendet wurde. Anfang des 19. Jahrhunderts wurde er aber auch zum Anlegen von Gärten in der Mandauniederung und zum Wegebau abgegraben. (Rß)