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Zittauer Experten für tierische Unfallopfer

Cornelia Jungmichel und Thomas Wießner vom Tierpark pflegen derzeit Mauersegler. Sie kümmern sich aber nicht nur um Vögel.

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© Rafael Sampedro

Von Nena Bartsch

Zittau. Drei Mauersegler sind derzeit in der Obhut von Cornelia Jungmichel und Thomas Wießner im Tierpark Zittau. Die Tiere waren noch viel zu jung, um selbstständig überleben zu können, als sie gefunden wurden. „Heute sind die drei ungefähr vier Wochen alt“, schätzt Frau Jungmichel. Zwei der drei Vögel wurden aus Löbau in den Tierpark gebracht, wo der andere herkommt, wissen die beiden Zootierpfleger nicht. Mauersegler-Jungtiere sind unersättlich, mit Mehlwürmern und Grillen werden sie jetzt aller zwei Stunden gefüttert, „Pro Mahlzeit vier bis sechs Einheiten“.

Aller Anfang ist schwer – auch bei den ersten Flugversuchen der kleinen geflügelten Pflegekinder. „Einer ist noch ein bisschen benommen, er ist beim Versuch zu fliegen gegen die Gitter geknallt“, so die Tierpfleger. Es gehe ihm aber schon wieder besser. Cornelia Jungmichel pflegt mittlerweile seit 37 Jahren im Tierpark Zittau Schützlinge, Thomas Wießner seit 25 Jahren. Beide waren vorher in anderen Berufen tätig. Frau Jungmichel hat eine Lehre zur Kleidungsfacharbeiterin absolviert, ist danach aber sofort zum Tierpark Zittau gegangen. „Ich habe angefragt und eine Zusage bekommen“, sagt sie. Die Pflegerin ist außerdem für die Pinguine zuständig. Wießner war vorher bei einem Landwirtschaftsbetrieb in der Pflanzenproduktion beschäftigt. Im Tierpark ist er eine Art Springer – er ist überall dort vor Ort, wo ein Pfleger fehlt oder erkrankt ist.

Besonders gefallen den beiden Tierfreunden die Freiheit, die frische Luft und die Arbeit mit den Tieren an ihrem Beruf. „Allerdings bereitet einem die Arbeit manchmal auch schlaflose Nächte“, meint die gebürtige Großschönauerin nachdenklich. „Es gibt ja schließlich nicht nur Tiere, die es auch schaffen zu überleben.“ Tiere, ob nun Säuger oder nicht, haben Cornelia Jungmichel und Thomas Wießner während ihrer Arbeit schon viele gepflegt. Meist aber waren es eher kleinere wie Hasen, Igel, Marder, Eichhörnchen und Vögel, die in die Hände der Pfleger gegeben wurden. Mitunter kommt aber auch ein eher seltener Gast zu ihnen: Das sind zum Beispiel Fischotter oder Schlangen. Bei den Tieren, die den beiden zufallen, handelt es sich in der Regel um Unfallopfer oder kranke Tiere. „Die Verletzten stehen meist unter Schock. Wie lange dieser Zustand anhält, hängt ganz vom Tier ab“, erklärt Wießner die Hintergründe.

Die Pflegefälle werden in Quarantäne-Räumen und Gehegen untergebracht. Kurz nach ihrer Ankunft im Tierpark Zittau wird entschieden, ob jeweils ein Tierarzt hinzugezogen werden muss. Manchmal haben aber auch die Finder der Tiere bereits eine Untersuchung veranlasst. Wie lange die Tiere dann tatsächlich eine Sonderbehandlung bekommen, hängt ganz vom Tier selbst und der Art der Probleme ab. Wenn die Schützlinge wieder fit sind, entlassen die Tierpfleger sie wieder in die Freiheit. „Unsere Aufgaben fordern Geduld und Fingerspitzengefühl“, sagen beide.

Doch weitaus nicht alle Tiere dürfen und können die beiden Tierparkmitarbeiter pflegen. Wenn es um Fledermäuse oder Greifvögel, wie beispielsweise Bussarde geht, dann kommen die Tiere bei den speziellen Experten im Landkreis unter.

In anderen Fällen, wie zum Beispiel bei Schildkröten, ist die Naturschutzbehörde verantwortlich. Auch Rehe und Wildschweine dürfen sie nicht aufnehmen, denn nur nicht jagbare Wildtiere erhalten bei ihnen im Tierpark Asyl. Auch wenn es unter den eigenen Tieren im Tierpark zu gesundheitlichen Problemen kommt, bleiben sie bei ihren zuständigen Pflegern.

Die meisten Tiere werden von Leuten abgegeben, die die Tiere verletzt oder verlassen auffanden „Das birgt oft Probleme“, erklärt die 56-jährige Brünette. Bei Jungtieren trifft das oft zu. Nicht alle Vögel, die am Boden liegen, sind zudem hilfebedürftig, vielmehr haben diese einfach ihren ersten Flugversuch verpatzt. „Wenn die Jungtiere von Menschen berührt werden, können sie von dem Muttertier verstoßen werden, das liegt am fremden Geruch“, gibt der Zittauer Pfleger zu bedenken. Außerdem müsse man die Leute besser über die Lebensweisen von Tieren unterrichten, am besten wäre das schon in der Schule.

Die drei Mauersegler sollen in den nächsten Tage wieder in die Freiheit entlassen werden „Man merkt es, wenn sie bereit sind zu gehen, denn dann fressen sie weniger“, beschreibt die Pflegerin. Die Reise nach Süden, zur Überwinterung, kann also losgehen.