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Zittaus altes Gefängnis wird Soldatenknast

Derzeit laufen die Dreharbeiten zum ARD - Zweiteiler „Der Turm“. Gestern war das Drehteam in der Stadt und hat sich von Zittauern helfen lassen.

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Von Annett Weckebrod

Laute Schreie dringen auf den Hof des alten Gefängnisses, hinter dem Amtsgericht. Nein, es hat nicht wieder geöffnet. Nur für den Dreh von Szenen für den Film „Der Turm“ ist ein Team um den Berliner Regisseur Christian Schwochow gestern nach Zittau gekommen. Für die Szenen, die im Film im DDR-Militärgefängnis Schwedt spielen, haben sie sich das alte Gefängnis in Zittau ausgesucht, weil es noch gut erhalten ist und die optimale Kulisse darstellt, berichtet der Producer der team-Worx Television und Film GmbH, die den „Turm“ für einen Zweiteiler im ARD produziert.

Für die Verfilmung des preisgekrönten Romans von Uwe Tellkamp war das Filmteam bereits in Berlin, Dresden, Bad Düben und in Pilsen in Tschechien. In den kommenden zwei Wochen sind Dreharbeiten in Görlitz geplant.

In Zittau sind an diesem Tag 55 Leute vom Drehteam, 19 Komparsen und drei Darsteller dabei. Der Häftling, um den es hier hauptsächlich geht, ist Christian Hoffmann, der von dem Schauspieler Sebastian Urzendowsky dargestellt wird. Im Film lehnt sich der junge NVA-Soldat Hoffmann gegen das System auf und sitzt für zwölf Monate im Militärgefängnis ein.

Er ist der Sohn des erfolgreichen Dresdner Chirurgen Richard Hoffmann, gespielt von Jan Josef Liefers. Christian will ebenso wie sein Vater Arzt werden. Um den Studienplatz zu bekommen, muss er jedoch für drei Jahre Dienst in der Nationalen Volksarmee (NVA) der DDR leisten. Dort verliert er nach dem Tod eines Kameraden bei einer Militärübung die Nerven und beschimpft das „Scheiß-System“. Daraufhin wird ihm der Studienplatz aberkannt und er kommt ins Gefängnis.

„Achtung... Und los!“, ruft Regisseur Christian Schwochow. Vor der Zelle 214 warten die Schauspieler Sebastian Urzendowsky und Antonio Wannek auf ihren Einsatz. Der Zittauer, Philipp von Schön-Angerer, im Film ein Gefängniswärter, öffnet die Zellentür. Die Häftlinge stehen stramm. Als sich die Tür hinter dem Wärter wieder schließt, werden die Ankömmlinge erst einmal von den anderen Häftlingen verprügelt. – Diese und fünf weitere Szenen hat das Team an einem Tag gedreht. „Im Film werden das zwei Minuten sein“, sagt Aufnahmeleiter Daniel Rillmann.

Die Szene der Ankunft der beiden Neu-Häftlinge im Militärgefängnis verfolgt das Team vom Set an den Bildschirmen. Bis zur Mittagspause wird gedreht. Dann ist die Sequenz im Kasten. Immer wieder kommen Sebastian Urzendowski und Antonio Wannek in der Zelle an, wo schon die anderen acht Kameraden warten. Für die Dreharbeiten wurde die Zelle eigens hergerichtet, die kargen Doppelstockbetten, der einfache Schrank in der Ecke, die vielen Zahnbürsten im Becher in der Waschecke. Auch eine Toilette befindet sich hinter einer Trennwand. Alles sieht originalgetreu nach DDR aus. In der Toilettenecke hat sich Kameramann Frank Lamm verschanzt. Für den Nachmittag ist noch der Dreh von drei weiteren Szenen, unter anderem im Hof des Gefängnisses geplant.

Die Dreharbeiten haben bereits am 14. September in Dresden begonnen und werden bis zum 1. Dezember fortgesetzt. An insgesamt 50 Drehtagen wird der Film mit einem Budget von 6,7 Millionen Euro realisiert. Wann der Zweiteiler im ARD ausgestrahlt wird, ist noch nicht klar. Wahrscheinlich Ende des Jahres 2012, sagt Producer Matthias Adler.