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Zu jung für die Arbeit?

Für die Aktion „Genial sozial“ arbeiten am Dienstag wieder Kinder für einen guten Zweck. Manche Eltern sind genervt.

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© dpa

Von Britta Veltzke

Riesa. Wo Sandra Schneider* überall angerufen hat: bei Media Markt, im Tierheim, im Kindergarten. Überall hagelte es Absagen. Auf der Suche war die Riesaerin nach einem Arbeitsplatz für ihren Sohn. Die meisten seiner Klassenkameraden einer fünften Klasse am Werner-Heisenberg-Gymnasium nehmen an der sachsenweiten Aktion „Genial sozial“ teil. Am 21. Juni, immer am letzten Dienstag vor den Sommerferien, gehen die Kinder für einen Tag arbeiten. Den Lohn spendet die Sächsische Jugendstiftung an soziale Projekte – meist kommt das Geld Kindern und Jugendlichen in anderen Ländern zugute.

Besonders bei den jüngeren Schülern kümmern sich die Eltern darum, dass ihre Schützlinge an dem Aktionstag Geld verdienen. Sandra Schneider hat immer die gleiche Absage gehört: „Entweder hatten die schon zu viele Teilnehmer an dem Tag, oder mein Sohn war ihnen einfach zu jung.“ Dafür hat die Mutter durchaus Verständnis: „Ich wüsste auch nicht, was ich auf Arbeit mit einem Zehnjährigen anfangen sollte.“ Grundsätzlich finde sie die Aktion super, ist aber dafür, die Kinder erst später daran teilnehmen zu lassen. „Auch viele andere Eltern, mit denen ich gesprochen habe, waren von der Suche genervt. Wir haben den Eindruck, dass die Schule alle Jahrgangsstufen teilnehmen lassen, damit die Lehrer an dem Tag keine Arbeit mit den Kindern haben“, so die Mutter.

Lydia Haferkorn, Programmleiterin von „Genial sozial“ in Dresden, kennt die Kritik genervter Gewerbetreibender und Eltern. „Um genau das zu vermeiden, empfehlen wir den Schulen, die Schüler erst ab Jahrgangsstufe sieben teilnehmen zu lassen.“ Sie habe allerdings den Trend beobachtet, dass immer mehr Schulen die Aktion auf alle Jahrgangsstufen ausweiten. „So war das eigentlich nicht gedacht. Aber wenn schon Schüler der Stufen fünf und sechs teilnehmen, empfehlen wir, für die jüngsten Klassen eine gemeinsame Aktion zu organisieren, an der alle Kinder beteiligt sind, zum Beispiel einen Kuchenbasar oder eine gemeinsame Aufräumaktion auf dem Spielplatz.“ Doch diese Empfehlung sei schon häufig verpufft: „Da können wir uns den Mund fusselig reden.“ Den Schulen vorschreiben, ab welchem Alter die Kinder teilnehmen sollen, will die Jugendstiftung aber auch nicht. Lydia Haferkorn ist froh über jede Einrichtung, die mitmacht. In diesem Jahr werden es 276 Schulen in ganz Sachsen sein.

Dr. Sylvia Mebus, Schulleiterin des Werner-Heisenberg-Gymnasiums, sagt, dass sie die Entscheidung über das Einstiegsalter bei „Genial sozial“ nicht gefällt habe: „Es ist auf einen demokratischen Beschluss des Schülerrates zurückzuführen, dass jeder Schüler selbst entscheiden kann, ob er teilnimmt oder nicht – unabhängig von der Jahrgangsstufe“, erklärt sie. Nur 18 von rund 470 Schülern hätten sich dagegen entschieden. Die, die nicht teilnehmen, müssen an dem Tag natürlich trotzdem in die Schule. „Aber alle anderen machen mit!“ Für die Lehrer hieße das übrigens nicht, dass sie schulfrei hätten. „Bei uns stehen am Dienstag Fachkonferenzen auf dem Programm“, so Mebus.

Auch in der Schule von Eberhard Henke, Chef des Städtischen Gymnasiums, machen die Kinder schon ab der Jahrgangsstufe fünf bei „Genial sozial“ mit. Auch er kennt die Probleme. „Es gibt aber etliche Varianten, die Frustration aller Beteiligten gering zu halten. Etwa, indem die Klassenlehrer unterer Jahrgangsstufen gemeinsame Aktionen organisieren.“ Gearbeitet werden müsse ja auch nicht unbedingt in einem klassischen Betrieb. „Man kann ja auch in der Nachbarschaft im Garten helfen“, so Henke. Trotz der Kritik ist er überzeugt von der Aktion. „Das ist eine gute Sache!“

Name von der Redaktion geändert.