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Zu viel Quecksilber in der Neiße

Alles in allem: Die Lausitzer Neiße ist kein Badegewässer. So lautet das Fazit aus der Landeshauptstadt.

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© nikolaischmidt.de

Von Matthias Klaus

Görlitz. Die Fische in der Neiße können bei der strengen Qualitätsnorm der EU in Sachen Quecksilber nicht mithalten. 20 Mikrogramm pro Kilo sind gestattet. Dieser Wert wird beim Neiße-Fisch überschritten. Das teilt das Sächsische Umweltministerium auf eine Nachfrage der SZ mit.

Dabei habe sich seit 1990 der Quecksilbergehalt stetig rückläufig entwickelt, heißt es aus der Behörde. 1995 beispielsweise wurde bei einem Probefang bei Bad Muskau noch 190 Mikrogramm Quecksilber pro Kilo Fisch festgestellt, 2011 bei Pechern noch 130 Mikrogramm. Das Quecksilber, dass heute im Neiße-Fisch gefunden wird, kommt nicht aus „aktiven“ Quellen, wie etwa Betrieben oder Ähnlichem. Vielmehr stamme es aus „historischen Kontaminationen“, die sich „weltweit im globalen Kreislauf befinden“, so das Umweltministerium. Für die Angler an der Neiße kann jedoch Entwarnung gegeben werden: Wer gelegentlich selbst gefangene Fische isst, setzt sich laut der Dresdner Behörde offenbar keinem großen gesundheitlichen Risiko aus. Dazu müssten schon höhere als die heutigen Werte überschritten werden: über 500 Mikrogramm Quecksilber pro Kilogramm Fisch.

Die Neiße entspringt im Isergebirge in Tschechien, erreicht nach 53 Kilometern die Grenze in Hartau. 125 Flusskilometer weiter verlässt sie Sachsen bei Bad Muskau. Damit auf diesem Weg die Wasserqualität besser eingeschätzt werden kann, wurde das Flussstück in mehrere Abschnitte eingeteilt. Bereits bis kurz vor Zittau habe das Wasser Belastungen, hohe hygienisch-mikrobielle, hohe Phosphor- und Ammonium-Werte. Dies könne auf Abwasser hindeuten, heißt es aus Dresden. Hinzu kommen „Defizite im chemischen Zustand“. All dies wirke sich bis etwa zum Abschnitt zwischen Hirschfelde und Hagenwerder aus. „Geringere Beeinträchtigungen der Wasserqualität auf deutscher Seite sind durch die Kläranlage beziehungsweise die Siedlungsentwässerung Görlitz gegeben“, schreibt das Umweltministerium. Analog treffe das auf Zittau zu.

Für die hohe Phosphor-Konzentration in der Neiße sei unter anderem die Mandau mit verantwortlich. Sie trifft in Zittau auf den Grenzfluss. Die Neiße-Abschnitte zwischen tschechischer Grenze und Hirschfelde werden laut EU-Wasserrichtlinie als „erheblich veränderte Wasserkörper“ eingestuft. Grund: Die Neiße ist hier stark verbaut worden. Zusammen mit der erhöhten Abwasserbelastung habe die Neiße in diesem Abschnitt ein „schlechtes ökologisches Potenzial“. Von den chemischen Verbindungen, die die Umweltqualitätsnorm-Vorgaben nicht einhalten, sieht das Ministerium vor allem die „polycyclischen aromatischen Kohlenwasserstoffe“ als problematisch. Diese, heißt es aus Dresden, entstehen bei Verbrennung und werden über die Luft in die Neiße geweht.

Alles in allem: Die Lausitzer Neiße ist kein Badegewässer. So lautet das Fazit aus der Landeshauptstadt. Neben den chemischen Schadstoffen müsse man vor allem die starke hygienisch-mikrobielle Belastung in der Nähe der Kläranlagen bedenken, heißt es.

Die gute Nachricht jedoch: Je weiter der Fluss vorankommt, umso mehr reinigt sich das Wasser selbst. Bis etwa Hagenwerder wird der ökologische Zustand der Neiße mit „unbefriedigend“ bewertet, wenn sie Görlitz erreicht und passiert hat, ist der dann immerhin schon „mäßig“.

So oder so: Noch bis Mitte der 1990er Jahre zählte die Neiße zu den stark verschmutzten Gewässern. Die Situation habe sich seither durch die Behandlung kommunaler und industrieller Abwässer deutlich verbessert, so das Umweltministerium. Die 2000 in Kraft getretene EU-Wasserrichtlinie lege allerdings nun bedeutend höhere Maßstäbe an die Wasserqualität an.

Das bekommt nicht nur die Lausitzer Neiße zu spüren. Flächendeckend, in ganz Deutschland, von Elbe über Saale bis zur Donau und den Rhein werden etwa die Quecksilberwerte im Fisch nicht eingehalten.