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Zukunft der Chor-Akademie hängt von Görlitzer Geldern ab

Auch Sachsen soll sich künftig stärker finanziell beteiligen, fordert der Bund. Die Akademie setzt ihre Arbeit zunächst fort.

Von Sebastian Beutler
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Konzert der Europa Chor Akademie im Kaufhaus Görlitz
Konzert der Europa Chor Akademie im Kaufhaus Görlitz © Archiv: Nikolai Schmidt

Die Zukunft der Europa Chor Akademie ist noch nicht geklärt. Sie wurde 1997 als gemeinsames Internationales Musikforum der Johannes Gutenberg-Universität Mainz und der Hochschule Bremen von Professor Joshard Daus gegründet und hat ihren Sitz seit 2017 in Görlitz, es gibt hier Konzerte, vor allem aber auch in Hamburg. Bund und Land haben ihre Arbeit jetzt untersucht. Der Evaluationsbericht, so heißt es aus dem Berliner Bundeskanzleramt, sei jetzt eingegangen. Die Bundesförderung wurde zunächst für den Zeitraum von zwei Jahren als Pilotprojekt ausgesprochen und läuft damit noch bis September 2019. Die Weiterführung der auf fünf Jahre angedachten Förderung hängt davon ab, dass sich neben der Stadt Görlitz auch der Freistaat Sachsen in stärkerem Umfang als bisher finanziell an der Akademie beteiligt. Die beteiligten Ministerien werden sich nun mit dem Evaluationsbericht befassen und das Gespräch mit der Europa Chor Akademie suchen. Ergebnisse sollen Anfang des kommenden Jahres vorliegen, heißt es in einer Mitteilung des Bundeskanzleramtes gegenüber der SZ.

Derweil bleibt die Akademie in Görlitz aktiv, beispielsweise an diesem Wochenende. Musik hören und verstehen – das ist das Anliegen der Europa Chor Akademie (ECA) in Görlitz, wenn sie an diesem Sonnabend zu einem Gesprächskonzert über Brahms Requiem einlädt. Damit soll bei den Besuchern ein tieferes Verständnis für die Musik geweckt werden. Das Publikum ins Gespräch über Werk und Komponist zu bringen – diesen Part übernimmt an diesem Abend der Radio-Journalist Rainer Peters, der für die öffentlich-rechtlichen Sender WDR und SWR tätig ist. Aufgeführt wird das Requiem von Solisten und Chor der Europa Chor Akademie, flankiert von Jonathan Alder und Yasuko Kagen am Klavier und Renè Münch an der Pauke. Am Pult steht Joshard Daus, der Künstlerische Leiter der ECA. „Dieses Stück begleitet mich schon mein ganzes Leben, und ich habe es etliche Male auf die Bühne gebracht, unter anderem vorbereitend für Sergiu Celibidache bei den Münchner Philharmonikern.“ Nun freue er sich, das Requiem von Brahms in der Original-Fassung für zwei Flügel und eine Pauke aufzuführen, erklärt Daus. Die Aufführung am Vorabend des Ewigkeitssonntags findet zudem ganz im Zeichen des Trostes für die Hinterbliebenen statt: Als Brahms 1861 die Arbeit an dem Requiem aufnahm, sollte sie sich über sechs Jahre erstrecken. Begonnen noch unter der Nachwirkung des Todes Robert Schumanns 1856, fortgeführt in der Erfahrung des Abschieds von seiner Mutter, deren Tod ihm ebenfalls sehr nahe ging, beendet im Sommer des darauffolgenden Jahres 1866. Das Werk für Sopran- und Baritonsolo, Chor und Orchester steht der Gattung Oratorium nahe. Doch Brahms‘ Requiem hat weder Erzähler noch Handlung. Seine musikalische Einordnung, sein theologischer und weltanschaulicher Gehalt werden ebenfalls Gegenstand dieses Konzertes sein.