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Zukunftsängste ausgeblendet

Das Fliegende Museum feiert 25. Jubiläum – aber noch immer ist nicht sicher, ob es in Großenhain bleiben kann.

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© Brühl

Von Manfred Müller

Alle wollen, dass Josef Kochs Sammlung historischer Flugzeuge in der Röderstadt bleibt. Aber niemand kann den Luftfahrt-Enthusiasten eine Garantie geben, dass ihre Maschinen in fünf oder zehn Jahren noch hier abheben. „Die Glaskugel ist schwarz“, sagt Kochs Tochter Brigitte. Will heißen: Alles Orakeln bringt nichts. Besser abwarten und – feiern. Das taten die Kochs am Samstagabend gemeinsam mit 150 Gästen. Zu feiern gab es gleich zwei denkwürdige Termine. Vor 35 Jahren hatte Josef Koch mit dem Kauf einer Harvard den Grundstein für die einmalige private Flugzeugsammlung gelegt, die seit 25 Jahren als Fliegendes Museum firmiert. Nach Stationen in Augsburg, Tannheim im Allgäu, Lahr im Schwarzwald und in England landete die Sammlung zur Jahrtausendwende auf dem Großenhainer Flugplatz. Im Frühjahr 2012 wurde der Verein Fliegendes Museum gegründet. Eine Gruppe von Piloten, die die historischen Flugzeuge schon seit Jahren fliegt, will damit das Lebenswerk von Josef Koch weiterführen. Zum Vereinskonzept gehören auch die Fliegenden Wochenenden, bei denen die Maschinen öffentlich präsentiert und für Rundflüge zur Verfügung gestellt werden.

Durch die Pläne des Freistaates Sachsen, das Flugplatz-Areal in ein Industriegebiet umzuwandeln, steht Josef Kochs Lebenswerk auf der Kippe. Der Flugzeug-Enthusiast hat an die 600 000 Euro in den Ausbau seiner Flugzeughalle investiert. So einfach weggehen funktioniert nicht, denn das Gebäude lässt sich nicht gewinnbringend weiterverkaufen. Außerdem wären an einem neuen Standort wiederum erhebliche Investitionen nötig. Die Kochs hatten das vor sechs Jahren schon einmal versucht. Weil sie sich komplett mit der Stadt und der Flugplatzbetreibergesellschaft überworfen hatten, wollten sie nach Werneuchen nördlich von Berlin übersiedeln. Das Projekt scheiterte letztlich am Geld. „An unserer Situation hat sich nichts geändert“ sagt Museumsgründer Josef Koch. „Wir brauchen hier eine Graslandebahn von 600 Meter Länge, besser wären 700 Meter.“ Dann könne das Fliegende Museum auf den Flugplatz an sich verzichten.

Aber wie soll das gehen – wenn rundherum Industriehallen hochgezogen werden? „Sicher, die Chancen sind gering“, erklärt Großenhains Baubürgermeister Tilo Hönicke. Aber immerhin bestünde die Möglichkeit, dass ein Groß-Investor an einer Landebahn interessiert sei. Hönicke verweist auf das Beispiel des baden-württembergischen Schrauben-Moguls Reinhold Würth. Der habe sich an seinem Firmensitz Künzelsau auch einen privaten Flugplatz geleistet. Käme es in Großenhain so, könnte das Fliegende Museum die Graspiste ja mit nutzen.

Mit einer solchen vagen Aussicht wollen sich die Kochs aber nicht zufrieden geben. Sie setzen ihre Hoffnungen vielmehr auf die christdemokratische Bürgermeister-Kandidatin Janet Putz, die sich schon mehrfach für den Erhalt des Fliegenden Museums ausgesprochen hat. „Ich glaube nicht, dass ein Großinvestor hierher kommen wird“, sagt sie am Rande der Jubiläumsveranstaltung. „Auf den Flugplatz-Flächen sollten wie bisher mittelständische Betriebe angesiedelt werden – und zwar so, dass Raum für eine kleine Landebahn bleibt.“ Dem Einfluss der Stadt auf die Entwicklung des Geländes sind allerdings Grenzen gesetzt – die Flugbetriebsflächen befinden sich im Eigentum des Freistaates. Und für die Dresdner Wirtschaftsbürokraten ist das Fliegende Museum – bei aller Bedeutung für die Röderstadt – eine eher marginale Größe. Da hilft es wenig, dass der Direktor des Dresdner Verkehrsmuseums die Koch'sche Sammlung historischer Flugzeuge für eine der bedeutendsten in ganz Deutschland hält. Und dass Flugzeugbegeisterte aus ganz Europa scharf auf ein paar Runden mit den restaurierten Oldies sind. Denn die Mehrzahl der seltenen Maschinen ist flugfähig und wird deshalb nicht statisch ausgestellt, sondern regelmäßig vorgeführt und geflogen. Zurzeit gehören zur Sammlung 16 für den Luftverkehr zugelassene Flugzeuge. Am Freitagabend absolvierte anlässlich der Jubiläumsfeierlichkeiten eine in jahrelanger akribischer Kleinarbeit restaurierte Morane ihren Erstflug.