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Zum Geburtstag ganz viel gelesen

Kamenz feierte das Jubiläum „350 Jahre Leihbibliothek“. Zum Beispiel mit Improvisationskunst im Ratssaal. Und mit einem besonderen Poetenbrettl.

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© Bea Walther

Von Birgit Engel

Kamenz. Bi-Bo-Buchgeschichten heißt die kleine Broschüre zum 350. Jahrestag des Kamenzer Leihbücherei-Wesens und zum 85. Geburtstag der Stadtbibliothek im Lessinghaus. Wer etwas über den „Sinn des Lesens“ in Raum und Zeit erfahren will, kann gern darin blättern. Am Sonntag wurde die jüngste Neuerscheinung der Stadtbibliothek G. E. Lessing im Ratssaal präsentiert. Und wie! Mit einer Bücherschlacht des „Panischen NOt-Theaters“ aus Dresden. Das sind der Musiker Rany Dabbagh und der Schauspieler Lutz Pannicke – zwei Meister der Improvisationskunst. Denn eine Bücherschlacht der beiden Theaterleute geht so: Das Publikum wirft zwei mitgebrachte Lieblingsbücher in den Ring, die von den Dresdnern ad hoc präsentiert werden. Lesend, singend, reimend, rappend – das Publikum im Saal hatte seine wahre Freude damit. Christian F. Schulze, Hobbyschriftsteller aus Pulsnitz: „Was die beiden spontan auf die Bühne brachten, habe ich so noch nie erlebt. Klasse!“ Nach zwei Buchvorstellungen dieser etwas anderen Art konnte das Publikum mit seinem Beifall abstimmen, welches Werk der Sieger der Bücherschlacht sein sollte. Der ganze Saal hatte viel Spaß mit diesem Battle.

Auch Oberbürgermeister Roland Dantz. Er leiste sich nach eigenem Bekunden gern die „Lust am Lesen“, auch, wenn ihm nach einem harten Arbeitstag schon mal nach zwei, drei Seiten die Augen zufallen, wie er einräumte. „Ich liebe schöne, gediegen Bücher – und ich bin mir sicher, dass die Menschen sie auch noch in weiteren 350 Jahren in den Händen halten werden.“ Und auf die Lage der Kamenzer Bibo abhebend versprach das Kamenzer Stadtoberhaupt einen „Anbau auf der grünen Wiese neben dem Lessinghaus in den nächsten zehn Jahren“. Das Projekt steht zwar noch in den Sternen wie auch die Finanzierung – aber der OB machte schon mal die „Raute drunter“: Wir schaffen das! Das nahm auch Bibo-Leiterin Marion Kutter erfreut zur Kenntnis: „Wir haben im Rathaus immer ein offenes Ohr gefunden.“

Ein besonderes Poettenbrettl

Offene Ohren waren dann auch am Montag gefragt, als es in der Pizzeria Italia in der Humboldtstraße zum Bibliotheksjubiläum ein Sonder-Poetenbrettl von und mit Wolfgang Melzer gab. Der Short-Story-Spezialist konnte bei dieser Gelegenheit sogar seinen ersten Roman „Nach der Morgenröte“ ganz druckfrisch präsentieren, der sich mit dem Leben und Wirken des Görlitzer Mystikers und Philosophen Jacob Böhme beschäftigt. Das 18. Poetenbrettl war ein etwas anderes seiner Art, weil es diesmal nicht wie sonst Spontanlesungen gab. Die Autoren der „Bi-Bo-Buchgeschichten“ waren eingeladen und konnten sich sogar etwas länger als die sonst vorgeschriebenen zehn Minuten betun. Birgit Richter und Steffen Lorenz aus Kamenz, Kerstin Fahrig aus Prietitz, Christian Friedrich Schulze aus Pulsnitz, Hans-Dietrich Förster-Haink aus Schmeckwitz und Dr. Melzer aus Steina sorgten nicht nur für regionale, sondern auch literarische Vielfalt – musikalisch unterstützt von den Liedermachern Konstanze Niemz aus Hoyerswerda und Frank Oehl aus Kamenz. Der Kulturraum der Pizzeria war gut gefüllt, die Besucher erlebten einen vergnüglichen Abend und stießen schon mal auf die nächsten 350 Jahre Kamenzer Leihbibliothek an.

Das Bi-Bo-Büchlein ist gegen eine Spende in der Stadtbibliothek G. E. Lessing in Kamenz erhältlich.