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Zweite Absage für Funkmast neben der Schule

Ein erneuter Versuch der Telekom, in Kurort Hartha zu bauen, scheiterte. Nun wird eine Alternative geprüft.

© Archiv/Andreas Weihs

Von Verena Schulenburg

Kurort Hartha. Ein neuer Mobilfunkmast inmitten des Kurortes wäre ideal, gleich gegenüber der Grundschule. Die Idee der Deutschen Telekom, im Kurort Hartha mit einer neuen Antenne das Mobilfunknetz zu verbessern, kommt jedoch vor Ort nicht gut an. Die Tharandter Stadträte ließen zu ihrer jüngsten Sitzung Europas größtes Telekommunikationsunternehmen abblitzen – schon wieder.

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Im Mai hatte die Deutsche Telekom einen Antrag im Tharandter Rathaus gestellt, auf dem Dach des Hauses an der Friedrich-Schiller-Straße 18 a/b im Kurort Hartha eine Anlage für das GSM- und LTE-Mobilfunknetz errichten zu können. Doch sowohl die Mitglieder des Technischen Ausschusses als auch die Stadträte lehnten das Vorhaben aus Sorge um die Gesundheit der Schüler ab. Diese Absage wollte das Unternehmen nicht hinnehmen und sandte einen Kommunalbeauftragten, der nun nochmals vorm versammelten Stadtrat das Anliegen der Telekom vortrug, in der Hoffnung, die Tharandter umzustimmen. Das Problem: Die Leistung der Telekom-Funkantenne, die sich in einem Waldstück zwischen Talmühlenstraße und Freiberger Straße in Tharandt befindet, reiche nicht über Kurort Hartha hinaus. „Wir haben bereits versucht, die Anlage um einige Grad zu drehen. Es deckt die Versorgung dennoch nicht ab“, hieß es vom Unternehmen.

Wird an der Stallanlage aufgestockt?

Ein Standort gegenüber des Schulhauses im Kurort Hartha aber würde aufgrund seiner Position eine „gute Mobilfunkversorgung für alle“ gewährleisten. Nicht nur für die Einwohner selbst sei das sinnvoll, sondern auch für die Gäste in Pensionen oder dem Parkhotel. Der Standort an der Friedrich-Schiller-Straße befinde sich laut Telekom in der Mitte des unterversorgten Bereiches. Deshalb könne gerade von dort aus die bestehende Versorgungslücke geschlossen werden. Auch hinsichtlich der Gesundheit gebe es trotz der Nähe zum Schulhaus an dem von der Telekom favorisierten Standort keine Bedenken. „Es gibt Bestimmungen, an die müssen wir uns halten“, erklärte der Telekom-Beauftragte. Außerhalb der Regelungen könne gar kein Funkmast errichtet oder betrieben werden.

Die Stadträte überzeugte die Argumentation dennoch nicht. Sie blieben beim Nein. „Ich wohne in Hartha. So schlecht ist die Verbindung dort eigentlich nicht“, sagte Robert Neumann (Freie Wählergemeinschaft). Sollte es die Telekom aber für notwendig erachten, das Funknetz zu verbessern, könne dies gern von einem Standort in Hintergersdorf aus geschehen. Diesen Vorschlag machten zuvor schon die Mitglieder des Technischen Ausschusses. Und auch im Ortschaftsrat Kurort Hartha sei man sich einig, dass die Funkposition in Hintergersdorf etwas außerhalb der Siedlung besser geeignet sei, erklärte Ortsvorsteher und Stadtrat André Kaiser.

Dort befindet sich nahe einer Rindermastanlage eine Antenne des Unternehmens Telefonica Deutschland. Das Telekommunikationsunternehmen betreut nach eigenen Angaben allein in der Mobilfunksparte mehr als 45,2 Millionen Anschlüsse und regelt die Netzabdeckung vorrangig für den Anbieter O2. Ob auch die Telekom auf den Funkmast aufspringt?

Gesundheitsrisiko bleibt bestehen

Eine erste Prüfung der Telekom habe aber ergeben, dass der Standort an der Stallanlage wegen der Überschneidung mit einem bereits im Wald vorhandenen Mast aus übertragungstechnischen Gründen nicht umsetzbar sei. Der vorhandene Funkmast müsste eventuell erhöht werden. Sollte das nicht funktionieren, wäre zu prüfen, ob ein zweiter Mast daneben möglich ist, erklärte der Telekom-Mitarbeiter. Dazu wolle das Unternehmen mit Telefonica Kontakt aufnehmen. Sollte es der Telekom nicht gelingen, sich in den Standort an der Stallanlage einzubringen, müsse Kurort Hartha unterversorgt bleiben. „Das wäre sehr schade“, sagte der Telekom-Vertreter. Immerhin sei eine gute Funkverbindung auch im Interesse der Stadt, sagte Manfred Oswald (SPD). „Grundsätzlich wollen die Menschen ein vernünftiges Funknetz.“ Es müsse aber vertretbar sein. Ob und wie gefährlich Mobilfunkmasten sind, ist unklar. Es existieren Studien, die ein erhöhtes Krebsrisiko für Menschen postulieren, die sich permanent im Umfeld der Sendemasten aufhalten. Demnach werde die Zellteilung gestört. Selbst das Bundesamt für Strahlenschutz schließt eine Gefährdung durch die Antennen, welche eine drahtlose Kommunikation mit Smartphone und Co. ermöglichen, nicht aus, zweifelt jedoch den wissenschaftlichen Wert der besagten Studien an. Andere Forscher kommen genau zum gegenteiligem Ergebnis und können keinen Effekt der Strahlung feststellen. Darauf wollen es die Tharandter nicht ankommen lassen.