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Zwillinge in Weiß

Zabeltitz rüstet sich im Palais für die traditionelle Hochzeitsmesse. Mit dabei zwei Bräute, die keine sind.

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© Klaus-Dieter Brühl

Zabeltitz. Die beiden sind Profis. Mit einem strahlenden Lächeln kommen Anne und Maria Gruner durch die Tür des Brautmodengeschäfts „White Dreams“ in Zabeltitz gerauscht. Absatzschuhe, Ketten und Haarnadeln – sie haben alles dabei. Dass die 25-jährigen Frauen Zwillinge sind, sieht man ihnen nicht unbedingt an. Aber das sie als durchaus eingespieltes Team agieren, weiß Auftraggeberin Maria Schönfelder seit sechs Jahren an den gebürtigen Priestewitzerinnen zu schätzen.

Maria Schönfelder hilft den Models beim Ankleiden (oben).
Maria Schönfelder hilft den Models beim Ankleiden (oben). © Klaus-Dieter Brühl

Die gelernte Damenmaßschneiderin steht an diesem Abend gewissermaßen in einem wirklich gewordenen Traum aus Weiß und Creme. Auf den Kleiderstangen links und rechts von Maria Schönfelder hängen die neuesten Kollektionen: große Roben in verschiedenen Längen, aufwendig verziert oder ganz schlicht, mit Spitze und Reifröcken. Ohne Zweifel, die Braut hat hier die Qual der Wahl. Allerdings: Damit es all jenen, die in den kommenden Monaten beabsichtigen zu heiraten, nicht ganz so schwer fällt, veranstaltet das Kulturzentrum Großenhain am 31. Oktober seine traditionelle Hochzeitsmesse.

Verschiedene Aussteller aus der Region werden wieder im frisch sanierten Palais und im Alten Schloss Zabeltitz über Trends für den romantischen Tag informieren, Tricks verraten oder ganz einfach nur Anregungen vermitteln. Mehr als 20 Aussteller – vom Fotogeschäft über eine Konditorei bis hin zum professionellen Hochzeitsplaner, Feuerwerker und Juwelier – werden vor Ort sein. Und natürlich auch sie. Maria Schönfelder, die seit 2008 mit ihrem Laden für unvergessliche Stunden sorgt.

Um genau eben nichts zu vergessen und perfekt auf die zwei Modenschauen vorbereitet zu sein, trifft sich die Expertin an diesem Abend bereits mit ihren Models. Insgesamt 14 Frauen und Männer werden zeigen, was Heiratswillige modisch erwartet. Dabei ganz aktuell: ein kurzes Kleid, welches es Maria auch sofort angetan hat. Die Mitarbeiterin in der Stadtverwaltung Coswig genießt es sichtlich, in die Robe im 50er-Jahre-Stil zu schlüpfen. „Ich fühle mich wirklich gleich wie eine Prinzessin“, bekennt sie lachend und lässt sich das dazu passende weiße Cape für kühlere Temperaturen umlegen. Schwester Anne greift dagegen spontan zum mit edler Spitze verziertem bodenlangen Kleid. Die Studentin der Gesundheitsförderung, die gerade ihre Bachelorarbeit schreibt, ist extra aus Ravensburg angereist. Der Termin für die Zabeltitzer Hochzeitsmesse stehe immer unverrückbar im Kalender. Und verpasst werde keiner der Schauen. Dafür mache es den Zwillingen viel zu viel Spaß, perfekt eingekleidet, aufwendig frisiert und geschminkt über den Laufsteg zu gehen.

Doch noch ist es nicht so weit. Jede der jungen Frauen wird insgesamt ein bis zwei Abendroben – immerhin sollen die potenziellen Hochzeitsgäste auch Anregungen mit nach Hause nehmen dürfen – und drei Brautkleider vorführen. Eindeutiger Trend: Die Dame trägt vorzugsweise creme. „Diese Farbe hat sich mittlerweile wirklich durchgesetzt. Vielleicht auch, weil hiesige Bräute ja eher doch eine helle Gesichtsfarbe haben und dadurch in Weiß zu bleich wirken“, vermutet Maria Schönfelder. Zahlreiche namhafte Hersteller würden gerade in dieser Saison das eine oder andere Modell nicht mehr im traditionellen Ton anbieten. Vorbei die Zeiten also, als Schmusesänger Roy Black noch „Ganz in Weiß“ schmetterte? Nicht ganz. Wer sich den besungenen Jungmädchentraum erfüllen wolle, werde auf jeden Fall bei ihr fündig, versichert Maria Schönfelder. Auch wer sich vorgenommen hat, in einem Kleid im Stil von Mama zu heiraten, sei bei ihr richtig. „Vintage ist momentan sehr beliebt, und die Kundinnen sind sichtlich davon begeistert, wieder schlicht oder aber auch in ganz viel Spitze gehüllt zu heiraten.“

Heiratswillige Herren scheinen es indes etwas einfacher zu haben. Ein klassischer schwarzer Anzug liege noch immer ebenso im Trend wie ein Modell in hellem Eisblau bis Mitternachtsblau. Wem das nicht gefällt, der könne sich für Grau oder Anthrazit entscheiden. Frauen und Männer, die noch keine konkrete Vorstellung davon haben, was sie am Tag ihrer Hochzeit tragen wollen, müssen keineswegs verzagen. „Wir können auf der Messe gern einen Beratungstermin vereinbaren und dabei ganz in Ruhe über die Möglichkeiten sprechen“, beruhigt Maria Schönfelder. Dass manche Bräute erst nach dem zehnten Kleid wissen, was sie tragen möchten, versetzt die 28-Jährige keineswegs in Panik. Ganz im Gegenteil. Immerhin gehe man ja optimistisch davon aus, dass nur einmal im Leben geheiratet wird, und für dieses Ereignis sollte sich auch in der Vorbereitung Zeit genommen werden. Eine besondere Zeit, die Anne und Maria Gruner ebenfalls noch vor sich haben. Wie viele Brautkleider sie inzwischen auf all den Messen vorgeführt haben, wissen sie nicht. Die Freude aufs Eigene ist ihnen jedoch geblieben. „Das wird dann wieder so wie das erste Mal. Da bin ich mir ganz sicher“, sagt Maria und lacht.

Die Hochzeitsmesse Zabeltitz findet am 31. Oktober zwischen 10 und 17 Uhr im Palais und Alten Schloss statt.