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Zwischen Hanf-Therapie und Rausch

Rund 400 Menschen forderten am Sonnabend am Alaunplatz die Entkriminalisierung von Marihuana. Sie erhielten ungewöhnliche Schützenhilfe.

© André Wirsig

Von Tobias Wolf

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Für die einen ist es das Recht auf freien Rausch, für manch anderen die letzte medizinische Hoffnung. Rund 400 Menschen haben am Sonnabendnachmittag am Alaunplatz gegen das Verbot von Cannabis-Drogen demonstriert. Vor allem junge Dresdner, aber auch Familien mit Kindern und Senioren verwandelten den Platz in eine friedliche Veranstaltung, die Züge eines Volksfestes annahm.

Sie forderten, den Besitz und Konsum von Marihuana nicht mehr zu kriminalisieren. Laut geltenden Gesetzen drohen mehrjährige Haftstrafen. „Ich bin hier, weil wir gerade in der Schule darüber sprechen“, sagt Abiturientin Petra Engelmann. „Ich finde nicht, dass Marihuana verteufelt werden sollte, weil Alkohol viel mehr Menschen tötet und trotzdem erlaubt ist.“ Damit werde aber viel Geld verdient.

Mitten unter den Demonstranten stehen Margot Richter und Ute Biedermann. Von Drogenpartys halten die beiden Rentnerinnen nichts. Sie sind gekommen, um ihren Enkel Stefan Richter zu unterstützen. Der 25-Jährige ist an Epilepsie erkrankt und auf Medikamente mit Cannabinoiden, den Wirkstoffen der Hanfpflanze, angewiesen. Auf der Bühne im Alaunpark berichtet er: „Mit 18 Jahren hatte ich den ersten Anfall.“ Seither sei dies immer schlimmer geworden. Herkömmliche Medikamente halfen wegen extremer Nebenwirkungen nicht, sagt er. „Es war erschreckend, das mitzuerleben“, sagt die 74-jährige Ute Biedermann. „Ich habe ihn zucken sehen und konnte nicht helfen.“ Erst nachdem Ärzte Tropfen mit Wirkstoffen verschrieben, die in Marihuana enthalten sind, sei es ihrem Enkel besser gegangen, sagt Biedermann. „Im medizinischen Bereich muss Cannabis unbedingt legalisiert werden“, fordert sie. In vielen US-Bundesstaaten ist das seit den 1990er-Jahren erlaubt. In einer Resolution an den Bundestag gehen über 120 deutsche Strafrechtsprofessoren noch einen Schritt weiter. Sie sehen das geltende Recht von der sozialen Wirklichkeit überholt. Die Drogenpolitik des Verbietens und Strafens sei „gescheitert, sozialschädlich und unökonomisch“, so die Resolution.

Die Bundesregierung sieht bislang keinen Handlungsbedarf und wird durch Umfragen bestätigt. Gegner der Marihuana-Freigabe warnen, dass der Konsum schwere Gesundheitsschäden verursachen könne. Die Aktivisten im Alaunpark, die für den freien Konsum von Cannabisprodukten eintreten, werden wohl weiterdemonstrieren müssen.