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Zwischen Zweitaktsound und blauem Dunst

Der Trabi ist Kult. Das bewies einmal mehr das Fahrzeug-Treffen in Freital. Die Resonanz macht Mut zu mehr.

© Dirk Zschiedrich

Von Yvonne Popp

Freital. Der dunkelgrüne Kombi sticht hervor. Blitzblank gewienert und mit offener Motorhaube präsentiert er sich dem Publikum. Das bleibt dann auch immer wieder an dem Trabant 601 Kombi stehen und bestaunt den mit Leder ausgekleideten Motorraum, die Schalensitze oder die imposante Musikanlage im Heck. „Wird der überhaupt noch vom Motor angetrieben oder eher vom Druck der Basswellen?“, fragt ein Mann den Besitzer und lacht. Der antwortet ebenso gut gelaunt, dass sein Wagen schon noch vom traditionellen, 26 PS starken Zweitaktmotor bewegt wird. Wirklich alltagstauglich sei sein Fahrzeug aber nicht, verrät Maik Grellmann. Nur zu Autotreffen hole er es aus der Garage.

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Technik, die Fans immer wieder begeistert.
Technik, die Fans immer wieder begeistert. © Dirk Zschiedrich
Maik Grellmann kam mit seinem Kult-Auto sogar aus Meißen.
Maik Grellmann kam mit seinem Kult-Auto sogar aus Meißen. © Dirk Zschiedrich

So auch am Sonnabend. Da fand in Freital das vierte Trabant-Tagestreffen statt. Und genau wie 152 andere Trabi-Besitzer aus ganz Sachsen hatte sich der Meißner auf den Weg in die Stadt an der Weißeritz gemacht, um auf dem Areal der Papierfabrik an der Dresdner Straße sein Fahrzeug ausstellen zu können. Eingeladen waren hierzu aber nicht nur die Halter verschiedener Typen und Umbauten des kleinen DDR-Kult-Autos, sondern auch die der kompletten Fahrzeugpalette des Industrieverbandes Fahrzeugbau (IFA).

Organisiert wurde die Veranstaltung vom Trabant-Team Freital, das sich seit seiner Gründung 1997 unermüdlich für den Erhalt des technischen Kulturerbes rund um den ehemaligen Zwickauer Fahrzeughersteller Sachsenring einsetzt. Dazu hatte der Verein bereits 1999 das erste große Freitaler Trabi-Treffen (FTT) ins Leben gerufen. In den darauffolgenden zehn Jahren fand das FTT dann jeweils am zweiten Wochenende im September statt. Doch sinkende Mitgliederzahlen machten die Ausrichtung der ursprünglich dreitägigen Veranstaltung zunehmend schwierig, sodass 2009 letztmalig ein großes Treffen stattfand. Aber komplett aus seinem Programm streichen wollte es das Trabant-Team auch nicht.

Trabi-Olympiade im 20-Meter-Spurt

Gemeinsam mit der Kultur- und Tanzwerkstatt Freital organisiert es seit 2013 nun eine kleinere Version des Spektakels, die bei Ausstellern und Besuchern ebenfalls gut ankommt. So fanden sich dann am Sonnabend über 800 Besucher aller Altersklassen auf dem Veranstaltungsgelände ein. Neben teilweise wirklich ausgefallenen Fahrzeugen und interessanten Gesprächen mit deren Besitzern wurde allen Gästen auch ein abwechslungsreiches Rahmenprogramm geboten. Das bestand aus Wettbewerben für die Fahrer, Spiel und Spaß für Kinder und den Auftritten der Tanzsparte der Kultur- und Tanzwerkstatt. Besondere Höhepunkte waren die Austragung einer Trabi-Olympiade, bei der die Teilnehmer unter anderem eine Trabant-Limousine in möglichst kurzer Zeit 20 Meter weit hinter sich her ziehen mussten, und die Krönung der schönsten Fahrzeuge in sechs verschiedenen Kategorien.

Maik Grellmann hätte sicherlich in der Klasse Tuning und Umbau die größten Chancen gehabt, mit seinem Fahrzeug einen der vorderen Plätze zu belegen. Doch der 29-Jährige hatte seinen schicken Trabant-Kombi gar nicht erst zur Fahrzeugbewertung angemeldet. Er sagt, dass er schon so viele Preise mit seinem Auto gewonnen hat, dass er nun gerne anderen den Vortritt lässt. Vielleicht wird er aber in den kommenden Jahren bei diesem Wettbewerb wieder mit antreten, denn neben seinem jetzigen Ausstellungsfahrzeug, das komplett fertig ist und keiner weiteren Umbauten bedarf, besitzt er noch einen Trabant 500, der sich gerade im Aufbau befindet.

Auch die Mitglieder des Trabant-Teams Freital blicken positiv in die Zukunft. Sie feiern im nächsten Jahr ihr 20-jähriges Bestehen. Dafür arbeiten sie schon an der Planung des nächsten Trabi-Treffens. Das soll dann aber, wenn möglich, wieder über drei Tage gehen und nach alter Tradition parallel zum Windbergfest stattfinden.