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ZZ Top am Elbufer

7 500 Fans skandierten „Gimme All Your Lovin’“ und die berühmtesten Bärte der Rockmusik ließen es krachen: Das texanische Trio ZZ Top zeigte dabei auch ein Herz für Elvis.

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© Robert Michael

Dresden.Der Steppke kann den Altersdurchschnitt nicht drücken. Ein einzelner Achtjähriger auf Papas Schulter, sonst bevölkern am Samstagabend überwiegend Damen und Herren jenseits der 50 das Dresdner Filmnächtegelände.

Bilder vom Konzert

Lauter aufgekratzte Menschen, die sich vor 30 Jahren bei Songs wie „Gimme All Your Lovin’“ oder „Sharp Dressed Man“ die Seele aus dem Leib getanzt hätten. Nun sind sie dafür zu gesetzt und feiern ihre Helden von ZZ Top vergleichsweise beherrscht. Die Herren auf der Bühne treiben’s schließlich auch nicht gerade bunt.

Drummer Frank Beard huscht hinter sein üppiges Instrumentarium, steckt sich eine Zigarette an und spult für die folgenden anderthalb Stunden so unaufgeregt wie unspektakulär einen soliden Job ab. Wenn überhaupt wer Mätzchen macht, dann sind das die beiden Hutträger vor ihm. Gitarrist Billy Gibbons und Bassmann Dusty Hill kultivierten den Rauschebart zum Markenzeichen, Jahrzehnte, bevor die Hipster auf diese Idee kamen. Dazu extra dunkle Sonnenbrillen und Stetsons, und schon sind die wesentlichen visuellen Effekte der Show aufgezählt.

Wer seit 1971 in gleicher Besetzung die gleiche Musik macht und damit immer noch Tausende – in Dresden sind es offiziell 7 500 – vor die Bühne locken kann, darf sich bei der Illustration seiner Musik ruhig zurückhalten. Das machen ZZ Top. Kein Gelaber, allein Gibbons nuschelt während des gesamten Konzertes viereinhalb Sätze, keine Videospielchen, kein Pyro-Geknalle. Die Band setzt ganz auf die durchschlagende Wirkung gut abgehangener Songs.

Rockig aufgebratener Blues, kross und saftig, das bekommen die drei, die in diesem Jahr alle die 67 schaffen, noch immer mit schier verblüffender Lockerheit hin. Während der schlaksige Gibbons seinen Job mit zelebrierter Coolness macht, die Gitarre gern mal einhändig bedient und entsprechende Posen einbaut, vermag ihm sein pummeliger Kollege in dieser Disziplin nicht das Wasser zu reichen.

Auch stimmlich liegt er klar hinten. Ohnehin ist der Sound alles andere als durchschlagend, legendäre Riffs, ausgefeilte Bassläufe sind mehr zu ahnen. Immerhin spielt die Band so ziemlich alles, was der Fan hören will. Klassiker aus den Siebzigern, die größten Hits der Achtziger und das Beste, ähm, nein, nicht von heute. Denn vom letzten Album „La Futura“ aus dem Jahre 2012 schafft es nur eine Nummer ins Programm.

Dafür leihen sich die Herren Jimi Hendrix’ „Foxy Lady“ für einen Ausflug in den psychedelischen Rock. Und mit der finalen Zugabe huldigen sie einem ihrer Helden: „Jailhouse Rock“ von Elvis klingt, als wäre er einst für sie geschrieben worden.

Wer alles lieber in Ruhe genießen will, wird am 12. August bedient: Dann erscheint ein Livealbum, auf dem fast alle Songs der Show enthalten sind.