Merken

800 Jahre altes Bergmannswerkzeug

Bilder des Jahres 2018: Woher kamen einst die Bergleute ins Osterzgebirge? Dieser Frage spüren die Archäologen jetzt im Labor nach.

Von Franz Herz
 3 Min.
Teilen
Folgen
Restauratorin Liane Albrecht legt die Sitzfläche eines 800 Jahre alten Hauerstühlchens aus Dippoldiswalde in die Konservierungslösung. Dort liegt es jetzt schon ein halbes Jahr und auch mindestens noch die gleiche Zeit, ehe es im Miberz-Museum in Dipps au
Restauratorin Liane Albrecht legt die Sitzfläche eines 800 Jahre alten Hauerstühlchens aus Dippoldiswalde in die Konservierungslösung. Dort liegt es jetzt schon ein halbes Jahr und auch mindestens noch die gleiche Zeit, ehe es im Miberz-Museum in Dipps au © Chr. Juppe

Sorgfältig legt Restauratorin Liane Albrecht das Holzstück mit den drei Löchern in die Konservierungslösung. Es ist so alt wie die Stadt Dippoldiswalde, rund 800 Jahre und ist unter Tage bis heute erhalten geblieben. Irgendwann um das Jahr 1200 war es ein Hauerstühlchen, vielleicht vergleichbar einem Melkschemel. Darauf saß ein Bergmann tief unten im Stollen und hat mit Hammer und Eisen das Silber aus dem Fels geschlagen.

Jetzt ist es im Zuge von Sicherungsarbeiten geborgen worden. Das Oberbergamt Freiberg hat die Bergsicherung Freital damit beauftragt, die alten Stollen zu untersuchen und schließlich zu verwahren. Dabei haben auch die Archäologen die Chance mit einzufahren und den alten Bergleuten von Dippoldiswalde nachzuspüren.

Das alte Hauerstühlchen liegt derzeit im Landesamt für Archäologie in Dresden. Es dauert über ein Jahr, bis die Konservierungslösung eingezogen ist. Ohne diese würde es an der trockenen Luft verschrumpeln. Das darf nicht passieren, denn dieses Arbeitsstühlchen, das Älteste seiner Art in Europa, soll nach der Konservierung im neuen Museum für mittelalterlichen Erzbergbau, Miberz, in Dippoldiswalde ausgestellt werden, welches dieses Jahr eröffnet worden ist.

Die Archäologen untersuchen aber das ganze Osterzgebirge und haben auch außerhalb von Dippoldiswalde spannende Funde gemacht. So hat es einmal im Grünwald zwischen dem Pöbeltal und dem Tal der Wilden Weißeritz ein Bergbaudorf gegeben, das dann wieder verschwunden ist, ohne irgendwelche Dokumente zu hinterlassen, aber Spuren im Wald sind noch zu erkennen, wenn auch nur mit modernster Technik: mit Laseraufnahmen aus dem Flugzeug. Die können die Erdoberfläche auch im Wald bis auf wenige Zentimeter genau erkennen. Und so haben sie im Grünwald eine ganze Reihe von Pingen aufgespürt und daneben kleine Kuhlen. Das sind die Überreste von sogenannten Grubenhäusern.

Auch haben sie Spuren von oberflächlichem Bergbau aus der Bronzezeit in der Nähe von Schellerhau gefunden. Bergbau im Osterzgebirge ist also über 4 000 Jahre alt. Das sind alles Ergebnisse des EU-Forschungsprojekts Archaeomontan, das inzwischen ausgelaufen ist.

Matthias Schubert (li.) und Frank Schröder suchen Bergbauspuren im Pöbeltal.  
Matthias Schubert (li.) und Frank Schröder suchen Bergbauspuren im Pöbeltal.   © Frank Baldauf

Ihm folgt aber ein anderes Forschungsvorhaben nach mit dem Titel Archivnet. In diesem Rahmen soll unter anderem erforscht werden, woher die Bergleute kamen, die im Mittelalter das Erzgebirge besiedelt haben und mit ihrer Arbeit Sachsen und seine Fürsten reich gemacht haben. Die Archäologen haben in den vergangenen Jahren Gräber in Dippoldiswalde, Freiberg und Annaberg erforscht. Aus diesen Grabungen besitzen sie Material, das ihnen helfen kann, die mittelalterlichen Wanderungen nachzuvollziehen.

Wenn ein Lebewesen aufwächst, lagert es bestimmte Isotope in seinem Körper ein, die erstens nicht mehr verloren gehen und zweitens für jede Region unterschiedlich sind. So lässt sich mit dieser Methode feststellen, woher die alten Bergleute in Dippoldiswalde gekommen sind. Es gibt ja verschiedene Möglichkeiten. Vielleicht hat sie das Berggeschrey in Sachsen aus dem Harz herbeigelockt, vielleicht auch aus dem Böhmischen.

Die Anthropologin Gisela Grupe an der Ludwig-Maximilian-Universität München beschäftigt sich mit solchen Fragestellungen. Dorthin haben die sächsischen Archäologen jetzt das Material ihrer Funde aus dem Erzgebirge geschickt, informierte Christiane Hemker, die Leiterin von Archivnet. In München arbeitet ein Doktorand daran, darauf Proben zu entnehmen, die dann zur Isotopenuntersuchung ins Labor gehen. Die Ergebnisse werden dann mit anderen bekannten Isotopenspuren verglichen, und wenn die Forscher Glück haben, können sie genau sagen, woher einst die Bergleute kamen, die Dippoldiswalde und das Osterzgebirge besiedelt haben.