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Adlerschuss im Behörden-Visier

Kritiker sehen schon das Ende eines Volksgaudiums in der Lausitz. So weit wird es wohl nicht kommen.

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© Matthias Schumann

Von Frank Oehl

Das 59. Adlerschießen am Wochenende in Deutschbaselitz war eine ganz schön windige Angelegenheit gewesen. „Die drei Stangen mit den Holzadlern wogten hin und her“, berichtet SV-Aufbau-Vize Norbert Adler, dessen 83-jähriger Vater Karl-Heinz – selbst schon dreimal Schützenkönig – wieder ältester Teilnehmer gewesen ist, wie es heißt. Adlerschießen mit Armbrüsten ist halt Volksgaudium. Gerade in der Lausitz. Jetzt aber wird es erschwert. Behördlicherseits, versteht sich.

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Das weiß auch Dieter Raack aus Schwepnitz. Für den Präsidenten der Schützengesellschaft Kamenz ist dies das Ergebnis einer „Auslegungssache“. Armbrüste würden eigentlich bisher schon unter das Waffenkontrollschutzgesetz fallen. Das nun in verschärfter Form durchgesetzt wird. „Fürs Adlerschießen gelten jetzt höhere Sicherheitsstandards“, so Raack. Von denen auch das Traditionsschießen Anfang September im Ortsteil Bulleritz betroffen ist. Das Landratsamt hatte vor Kurzem auf einer Bürgermeisterkonferenz auf die entscheidende Praxis-Änderung hingewiesen: Überall dort, wo ein Adlerschießen stattfindet, muss es einen „Schießstand“ im Sinne der Waffengesetzgebung geben. Abgenommen von einem „Schießstandsachverständigen“, wie dieser Posten offiziell heißt. Dabei, so Raack, ziehe der Freistaat Sachsen eh nur nach. „In anderen Gegenden werden Volksfestschießen schon immer schärfer kontrolliert.“ Häufig sind dort auch andere Waffen im Einsatz. Unzweifelhaft aber ist es, dass gerade von schweren Armbrüsten und herumfliegenden Bolzen durchaus Gefahren ausgehen können. Die Frage ist, wie die Risiken zu bewerten und zu verringern sind.

Mit stärksten Armbrüsten getestet

Zum ersten Mal in der mehr als 60-jährigen Geschichte des Adlerschießens beim Forstfest hat es jetzt auch in Kamenz eine richtige „Schießstandabnahme“ gegeben. Der Schießstandsachverständige aus Dresden war ebenso vor Ort wie die Genehmigungsbehörde, also das Landratsamt. Ordnungsdezernentin Elvira Schirack: „Wir haben die stärksten Armbrüste testweise eingesetzt. Alles ist zur vollsten Zufriedenheit der Experten verlaufen.“ Geprüft worden seien zum Beispiel die Höhe der Adlerhorste, der Abstand der Abschussplätze und deren Überdachung sowie vor allem auch die Freifläche hinterm Sack. Natürlich kommt es immer wieder mal vor, dass ein Bolzen am eigentlichen Ziel weit vorbei fliegt und im Gelände landet. „Das Forstfestschießen am 26. August kann stattfinden“, so die Dezernentin. Alles andere wäre ja auch eine Katastrophe gewesen. Was die Abnahme des Forstfestschießplatzes kosten wird, wusste Elvira Schirack am Mittwoch noch nicht. „Wir müssen da den Kostenbescheid abwarten.“ Beim Adlerschießen im Ortsteil Deutschbaselitz wurde übrigens mit einem Betrag von 100 Euro gerechnet, wobei Ortschaftsratschef Bernd Schimera davon ausgeht, dass das Geld aus dem Stadtsäckel kommt. Ebenso wie die neuerdings fällige Haftpflichtversicherung. „Der Veranstalter muss damit für Personenschäden bis zu einer Millionen Euro haften können.“ Wie kleinere Dorfvereine wie in Bulleritz diese teure Assekuranz jährlich stemmen wollen, ist Schimera jedenfalls ein Rätsel. „Bei uns hat der Ortschaftsrat deshalb selbst als Veranstalter fungiert.“

Erlaubnis kostet 100 Euro

Das Landratsamt verwies am Mittwoch auf SZ-Nachfrage darauf, dass die sogenannte „Schießstandrichtlinie“ schon seit 2012 auch auf einen Adlerschießstand „als eine genehmigungspflichtige Anlage im Sinne des Waffengesetzes“ anzuwenden ist. Paragraf 27 dieses Gesetzes gelte auch für „das Schießen mit Schusswaffen zur Belustigung“. Auf Antrag, versteht sich. Der Veranstalter müsse neben der Haftpflichtversicherung auch die „erforderliche Zuverlässigkeit“ und die „persönliche Eignung“ nachweisen, was gewiss auslegungsbedürftig ist. Wie Landratsamtspressesprecher Gernot Schweitzer mitteilt, beträgt die Gebühr für eine zuvor beantragte Erlaubnis tatsächlich 100 Euro. „Die Kosten des Schießstandsachverständigen sind uns allerdings nicht bekannt.“ Am Mittwoch war mehrfach von 300 bis 400 Euro die Rede, aber da wollen wir vielleicht doch den ersten Kostenbescheid abwarten ...

Das windige Adlerschießen am Großteich hat jedenfalls ganz erfolgreich stattgefunden. Michael Schmidt hatte gegen 19.50 Uhr den ersten Vogel heruntergeholt, die weiteren gingen bis 22 Uhr an Felix Schütze (nomen est omen) und Janett Viehrig. Norbert Adler: „Allen Mitwirkenden und Helfern gebührt Dank. Jetzt planen wir schon für 2016!“ Auf ein Wort