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Allein unter Löwen

Für ein Kreischaer Ehepaar ist das Reisen seit zehn Jahren Alltag. Jetzt machen sie daheim Urlaub von Afrika.

© privat

Von Dorit Oehme

Kreischa. Schauer fallen in der Kalahari. Die Halbwüste zeigt in Botswana ihr grünes Gesicht. Marion Pötzschke, 59 Jahre alt, und ihr Mann Michael, 62 Jahre alt, sind fasziniert. Ein Jahr zuvor waren sie schon für kurze Zeit in der Gegend. Nun, Anfang 2017, fällt ihre mehrtägige Safari in die sommerliche Regenzeit. Die Kreischaer sind gerade zurück von ihrem Afrika-Abenteuer. Im heimischen Wohnzimmer erzählen sie von ihren frischen Eindrücken.

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Im Kalahari-Nationalpark kamen den Kreischaern Löwen auf der sandigen Fahrspur entgegen gelaufen.
Im Kalahari-Nationalpark kamen den Kreischaern Löwen auf der sandigen Fahrspur entgegen gelaufen. © privat
Auf drei Etappen haben die Pötzschkes Afrika mittlerweile fast komplett umrundet. Im November brechen sie wieder auf.
Auf drei Etappen haben die Pötzschkes Afrika mittlerweile fast komplett umrundet. Im November brechen sie wieder auf. © privat

In der namibischen Hauptstadt Windhoek haben sie die dritte Etappe ihrer Gesamtreise „Afrika erfahren“ begonnen. Ihr Expeditionsfahrzeug mit dem Namen Mani hatten sie dort sicher geparkt. Es sprang sofort an. Das Fahrzeug ist ein Lkw, der früher von der Feuerwehr genutzt wurde. Mit ihm sind die Abenteurer im Oktober 2014 in Kreischa aufgebrochen. In zwei großen Etappen haben sie bereits Westafrika vom Norden zum Süden erkundet.

Darauf sitzt ihre Wohnkabine, die Michael Pötzschke selbst gebaut hat. Seit zehn Jahren sind die Kreischaer als Langzeitreisende unterwegs. Mit ihrem Expeditionsfahrzeug „Knuffi“ fuhren sie von 2007 bis 2009 von Alaska bis Feuerland, von 2010 bis 2012 waren sie noch einmal in Südamerika. Nun also Afrika.

Vor tiefen Wasserlöchern während der Regenzeit wurden die Kreischaer für die Kalahari in Botswana gewarnt. Doch diese waren im Januar bereits ausgetrocknet. Das Paar konnte bald die ersten Giraffen und Löwen beobachten. Dann wurde den Abenteurern der Wüstensand zum Verhängnis. Vor einer berüchtigten Düne hatte Michael Pötzschke den Druck von den Reifen gelassen, um ihre Auflagefläche zu vergrößern. Doch Tiefsand wurde nicht das Problem. Vielmehr geriet das Fahrzeug auf der Tour am nächsten Tag plötzlich in eine bedenkliche Schieflage. Ein Reifen platzte. Pötzschke musste ihn bei 40 Grad Celsius wechseln.

Im Flieger hatten die Kreischaer ein Reifendruckkontrollsystem mitgebracht. Doch die Transportkiste war vorm Start in die Kalahari noch verschollen. „Auf der weiteren Fahrt hat uns das Warnsystem sehr geholfen, Kosten zu sparen“, sagt Pötzschke. Von Anfang Januar bis zum jetzigen Heimaturlaub legten die Abenteurer insgesamt 21 769 Kilometer im Süden Afrikas sowie in Ostafrika zurück. Sie bereisten elf Länder. Auf schmalen, baumüberwachsenen Mopedstraßen halfen ihnen auch Einheimische, voranzukommen.

Michael Pötzschke sagt: „Die Afrika-Durchquerung ist für uns nicht nur eine Erlebnis- und Entdeckungsreise zu uns völlig fremden Kulturen und eindrucksvollen Landschaften.“ Man habe vor allem Erkenntnisse und Einblicke erhalten in unser Zivilisationsmodell und die erschreckenden Auswirkungen der sogenannten Globalisierung. „Wir haben im Wortsinn Afrika erfahren.“

„Wir haben nur einen groben Plan“

Marion Pötzschke hat bis zur Wende in ihrem Beruf als Erzieherin gearbeitet. Danach war sie Sekretärin in der Tischlerei und Innenausbaufirma ihres Mannes. Er hat nach der Wende noch einen Abschluss als Betriebswirt erworben und sich selbstständig gemacht. Bis zur ersten Reise hatte Pötzschke nur noch die Innenausbaufirma. Seine Frau arbeitet zwischen den Reisen teils noch als Altenpflegehelferin.

Voraussichtlich im November wollen die Kreischaer zur letzten Tour ihrer Afrika-Reise aufbrechen. „Wir haben nur einen groben Plan und entscheiden kurzfristig, wie wir die Tour legen. Wir suchen nach mehreren Optionen, da die politische Lage in verschiedenen Ländern sehr destabilisiert wurde“, sagt Pötzschke.

Ihr Fahrzeug wartet in Kenia. Zuletzt hat das Paar dort noch die Anfänge der großen jährlichen Tierwanderungen in der Masai Mara miterlebt. Sie ist ein Teil der Serengeti und der artenschutzreichste Teil Kenias. In besonderer Erinnerung sind ihnen die Steinkreise im südlichen Afrika geblieben. „Wir haben auch Luftbilder davon gesehen. Es ist eine ungeheuer große Ansammlung“, sagt Michael Pötzschke. Sie seien miteinander verbunden und hätten keinen Eingang. „Keine der derzeit bekannten Populationen hätte den Bau über Tausende Quadratkilometer weit bewältigen können. Dort muss eine Hochkultur mit einer sehr hohen Bevölkerungsdichte gelebt haben“, so der Kreischaer.

Auf ihrer Webseite berichten die Kreischaer mit Fotos und Texten über ihre Reisen.