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Bald wieder Güterverkehr im Müglitztal?

In Bärenstein soll ein Verladebahnhof entstehen. Der Altenberger Stadtrat unterstützt das Vorhaben. Auch für die Deutsche Lithium wäre das interessant.

Noch gibt es vom künftigen Verladebahnhof bei Bärenstein nur Pläne, doch Hendrik Schwarz hofft, dass er bald die Genehmigung für den Bau bekommt.
Noch gibt es vom künftigen Verladebahnhof bei Bärenstein nur Pläne, doch Hendrik Schwarz hofft, dass er bald die Genehmigung für den Bau bekommt. © Egbert Kamprath

Güterzüge auf den Gleisen der Müglitztalbahn gehören schon lange der Geschichte an. Doch das könnte sich ändern, wenn es nach den Plänen von Hendrik Schwarz geht. Er will mit seiner Firma VEF, die unter anderem auch den Steinbruch Bärenstein betreibt, neben der Müglitztalstraße zwischen Bärenstein und Bärenhecke eine Verladestation für mineralische Schüttgüter errichten. Von hier soll das Material auch aus dem geplanten Lithium-Abbau in Zinnwald mit der unmittelbar vorbeiführenden Eisenbahn weitertransportiert werden. 

Über einen Vorbescheid für dieses Projekt stimmten die Altenberger Stadträte auf ihrer letzten Sitzung ab. Bei der Debatte wurde ein Punkt angesprochen, der eine weitere Nutzung dieses Gleisanschlusses in Zukunft bedeuten könnte. Der geplante Lithiumabbau in Zinnwald würde auch das Problem mit sich bringen, wie das geförderte Erz zerkleinert und zur weiteren Aufbereitung abtransportiert wird. 

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Wenn das ein Ansteigen des Lkw-Verkehrs bedeutet, ist das nur schwer mit dem Status der Stadt als Kur- und Erholungsort vereinbar. Außerdem wäre der Betrieb einer Brecheranlage auf dem Areal des Europarks sicher mit hohen Auflagen verbunden, insbesondere in Sachen Lärmschutz. 

Lkws mit Wasserstoff-Antrieb sollen helfen

Deshalb legte Hendrik Schwarz eine Idee vor, die durchaus eine Lösung sein könnte. Er schlug den Bau eines 2,3 Kilometer langen Stollens von Altenberg bis zum Steinbruch Bärenstein vor. Über Förderbänder könnte das Gestein aus dem Bergwerk hierher gebracht und abseits bewohnter Regionen zerkleinert werden. Anschließend würden mit Wasserstoff betriebene Lkws das Erz zur Verladestation bringen. 

So ist zumindest der Plan, denn diese umweltfreundliche Technologie soll in den nächsten Jahren praxistauglich verfügbar sein. Taubes Gestein aus der Grube könnte wiederum im Steinbruch zwischengelagert und später zum Verfüllen des ausgebeuteten Bergwerkes wieder verwendet werden. 

Bärensteiner Ortschaftsrat stimmt gegen das Projekt

Der Ortschaftsrat Bärenstein hatte sich aus Gründen des Hochwasser- und Naturschutzes sowie wegen möglicher Belästigung der Anwohner durch Lärm allerdings eindeutig gegen den Bau der Verladestation ausgesprochen. 

Auch die Frage nach dem Bau des geplanten Hochwasserschutzdamms im Bielatal stand im Raum. Damit sei in naher Zukunft aber nicht zu rechen. Offen blieb an dieser Stelle, inwieweit die relativ schmale Straße zwischen Steinbruch und geplantem Verladebahnhof dem Lkw-Verkehr künftig stand halten soll. 

Nach einer kurzen Diskussion teilte die Mehrheit der Stadträte die geäußerten Bedenken nicht. 14 von ihnen stimmten für einen positiven Vorbescheid, zwei dagegen und sechs enthielten sich. Diese Willensbekundung geht nun ans Landratsamt, wo das Genehmigungsverfahren für den Verladebahnhof weiterläuft.

Aus dem Osterzgebirge an die Nordsee

Die Zusammenarbeit mit der Deutschen Lithium ist für Hendrik Schwarz aber vorerst nur Zukunftsmusik. Im Moment steht für den Steinbrucheigner das aktuelle Geschäft im Vordergrund. Und das würde er gern nach Norddeutschland ausdehnen. Dort werden größere Mengen Steine für den Küstenschutz und als Wellenbrecher benötigt. „Mit dem Lkw ist das nicht machbar. Das wäre zu teuer. Deshalb brauchen wir den Verladebahnhof“, schildert Hendrik Schwarz seine Beweggründe. 

Während ein Lkw 26 Tonnen Ladung aufnehmen kann, passt in einen Eisenbahnwaggon die dreifache Menge. Bei Bärenstein sind vier Gleise geplant. Die Grundstücke dafür sind schon gekauft. Verschwinden soll dafür auch die Ruine der ehemaligen Hammermühle, die im Juli dieses Jahres teilweise abbrannte. 

Die Ruinen der teilweise abgebrannten ehemaligen Hammermühle an der Müglitztalstraße sollen im Rahmen des Projekts auch verschwinden.
Die Ruinen der teilweise abgebrannten ehemaligen Hammermühle an der Müglitztalstraße sollen im Rahmen des Projekts auch verschwinden. © Egbert Kamprath

Wegen der Streckenkapazität der Müglitztalbahn lassen sich vor Ort nur Züge von 300 Metern Länge zusammenstellen. Sie müssten bis Heidenau fahren, dort umkoppeln und mit doppelter Länge ihre Reise in den Norden fortsetzen. 

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Auch aus Umweltschutzgründen wäre es ein wichtiger Schritt, den Güterverkehr von der Straße auf die Schiene zu verlagern. Und in einer Zeit, in der aus Wirtschaftlichkeitsgründen immer wieder über die Stilllegung kleiner Bahnstrecken nachgedacht wird, wäre es zudem ein Argument, für den Erhalt der Strecke im Müglitztal.

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