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Michael Rösch will nicht mehr Biathlon-Trainer sein

Nur knapp ein Jahr arbeitete der Staffel-Olympiasieger am Stützpunkt in Altenberg, dabei hatte seine Einstellung für Wirbel gesorgt. Ein Nachfolger wird gesucht.

Michael Rösch will sich im Herbst selbstständig machen.
Michael Rösch will sich im Herbst selbstständig machen. © Egbert Kamprath

Altenberg. Es hätte ein charmantes Bild geben können. Andreas Birnbacher, Peter Sendel und Michael Rösch nebeneinander hinterm Fernrohr am Schießstand. Drei einst erfolgreiche Biathleten, die nun als Trainer ihre Talente betreuen – Birnbacher die aus Bayern, Sendel die aus Thüringen und Rösch die aus Sachsen. Doch dieses Bild gab es nicht am Wochenende bei den deutschen Meisterschaften in Altenberg. Einer fehlte. Michael Rösch.

Er war zwar im Stadion, stand aber nicht hinterm Schießstand, sondern als Privatperson mit seiner Familie auf der Tribüne. Trainer am Bundesstützpunkt in Altenberg ist er nicht mehr. Das bestätigt Heiko Krause, Präsident des Skiverbandes Sachsen (SVS), am Rande der Meisterschaften. „Das hat nicht geklappt“, sagt er. Warum nicht? „An uns hat es nicht gelegen“, antwortet Krause kurz, um dann doch eine mögliche Erklärung zu liefern. „Als Athlet ist man nur für sich selbst verantwortlich, als Trainer für eine ganze Gruppe. Da muss man sich auch viel um Organisatorisches kümmern, ums Finanzielle – das war vielleicht zu viel für ihn“, mutmaßt er.

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Ähnlich hatte sich Rösch selbst geäußert. „Ich bin ehrlich gesagt noch ein wenig mit dem ganzen Drumherum überfordert, mit dem Planen und Organisieren“, sagte er im Februar am Rande der WM in Antholz in einem Facebook-Auftritt für die ARD. Damals sprach der 37-Jährige auch von Problemen, die ihn zu einer mehrwöchigen Pause gezwungen hätten. „Ich merke, dass ich gesundheitlich am Limit bin. Das macht mir gerade einen Strich durch die Rechnung. Manche reden von Burn-out. Auf jeden Fall ist mir das Sportler-Nachleben zum Verhängnis geworden.“

Im Januar 2019 hatte Rösch in Ruhpolding sein letztes Rennen im Weltcup bestritten, im Mai begann er in seinem Heimatort als Trainer am Stützpunkt, betreute eine siebenköpfige Juniorengruppe von 18- bis 20-Jährigen. „Im Nachhinein betrachtet wäre es besser gewesen, wenn ich ein Jahr Pause eingelegt hätte. Aber ich dachte damals, dass ich gleich Geld verdienen und meine Familie ernähren muss“, sagte Rösch. Ende März 2019 war er zum ersten Mal Vater geworden, mit Sohn Levi, Freundin Hanna und einer älteren Tochter lebt er in der Dresdner Neustadt.

Vor einem halben Jahr, als der Staffel-Olympiasieger von 2006 aus gesundheitlichen Gründen pausierte, hatte Jakob Winkler, als Bundesstützpunktleiter in Sachsen für den Biathlon-Standort Altenberg zuständig, in einem SZ-Interview erklärt: „Wir würden gerne mit ihm weitermachen – in welcher Form, werden wir jetzt mit ihm besprechen. Es gibt zum Beispiel auch Modelle mit größeren Gruppen und zwei Trainern.“ Daraus wurde nichts.

„Er ist jetzt in Elternzeit und will ab Oktober oder November als Selbstständiger im Bereich Biathlon und Nachwuchs wieder arbeiten“, erklärt SVS-Präsident Krause nun. Für den Verband könnte er auf Honorarbasis für Projekte eingebunden werden. „Genaueres müssen wir noch prüfen und auch mit ihm besprechen.“

Um langfristig als Trainer am Bundesstützpunkt arbeiten zu können, brauchte Rösch eine Ausbildung. Nebenbei sollte er deshalb ein Trainer-Fernstudium absolvieren, der Kurs begann im Oktober 2019. Der Deutsche Skiverband (DSV) hatte ihm „diese Möglichkeit eröffnet“, so Krause. Das Studium hat Rösch jedoch nicht begonnen. Es wurde „zurückgestellt“, wie es Winkler Ende März formulierte. Eine Doppelbelastung sollte so vermieden werden. Nun hat es sich wohl ganz erledigt.

Bei Röschs Einstellung im Frühjahr 2019 hatte es einige Aufregung gegeben. Peter Bachmann, fünf Jahre leitender Stützpunkttrainer in Altenberg, musste gehen, außergerichtlich einigten sich Verband und der Vater der Staffel-Weltmeisterin Tina Bachmann auf eine Abfindung. Er erklärte damals der SZ, dass er bei seinem Entlassungsgespräch auf die Frage nach den Gründen die Antwort erhielt: „Wir haben die einmalige Chance, Micha herzuholen, brauchen ihn als Zugpferd für den Aufbau einer Spitzengruppe.“

Am Ziel, dass Altenberg nicht mehr weiter nur als Talentezulieferer für Oberhof und Ruhpolding fungiert, wird festgehalten, so Krause. Langfristig sollen im Osterzgebirge wieder Weltcup-Starter trainieren. Eine wichtige Voraussetzung dafür wurde erfüllt. „Der Deutsche Olympische Sportbund hat den Status als Bundesstützpunkt bis 2022 anerkannt“, erklärt der DSV-Vizepräsident. Ein Trainer oder eine Trainerin wird bereits gesucht, die Ausschreibung läuft.

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Und Rösch? Bei der vergangenen WM hatte er als Experte für Sky gearbeitet. Möglich, dass der Bezahlsender das Engagement verlängert, wobei derzeit wegen Corona niemand sagen kann, wie die Saison aussehen wird, ob, wann oder wo es eine WM gibt. Ähnlich unklar ist die berufliche Zukunft von Michael Rösch.

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