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Besitzerwechsel bei der Deutschen Lithium

Das Bergbauvorhaben in Altenberg braucht viel Kapital. Wie die Inhaber 150 Millionen auftreiben wollen.

Armin Müller ist der Geschäftsführer der Deutschen Lithium GmbH mit einem Lithiumglimmer-Bohrkern unter Tage in Zinnwald.
Armin Müller ist der Geschäftsführer der Deutschen Lithium GmbH mit einem Lithiumglimmer-Bohrkern unter Tage in Zinnwald. © kairospress

In Zinnwald-Georgenfeld liegt eins der größten Lithium-Vorkommen Europas. Seit 2008 wurde es erst von der SolarWorld Solicium GmbH, seit 2017 von der Deutschen Lithium GmbH erschlossen. Eine aktuelle Machbarkeitsstudie beziffert die Kosten für den Aufbau eines Bergwerks in dem Altenberger Ortsteil und für die zugehörige Aufbereitung mit rund 150 Millionen Euro. Um das Zinnwalder Lithium-Vorkommen tatsächlich zu fördern, braucht das Projekt noch einiges an Geld. Die Deutsche Lithium GmbH mit Sitz in Freiberg verfügt selbst nicht über das gesamte nötige Erschließungskapital. 

Lithium ist ein reaktionsfreudiges Leichtmetall, kommt auf der Erde seltener vor als Zink und bildet das Herzstück aller Elektromobilität: Mit Lithium-Ionen-Akkus betreibt beispielsweise auch Tesla seine Autos. Die Gewinnung des Elements ist allerdings aufwändig und damit teuer. In Südamerika werden Salzlagerstätten unter hohem Wasserverbrauch ausgebeutet, was den dortigen Grundwasserspiegel unwiederbringlich reduziert. Auch Transportkosten sind ein Kostenfaktor. All das macht die Lithium-Lagerstätte untertage in Zinnwald-Georgenfeld, interessant für Investoren.

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Bisher hielt der britisch-kanadische Bergbauunternehmen Bacanora Lithium AG 50 Prozent der Anteile an der Deutschen Lithium. Die anderen 50 Prozent gehören der Solarworld AG, von der seit ihrer endgültigen Insolvenz im Jahr 2018 keine Investitionen mehr zu erwarten sind. 

Für Bacanora bedeutete das, alle weiteren Erschließungskosten allein tragen zu müssen. Doch Bacanora treibt momentan ein anderes Lithiumprojekt in Mexiko voran und konzentriert seine Mittel dort. Das nötige Kapital muss aus anderen Quellen fließen. Vergangenen Mittwoch meldete der Bergbauunternehmer dann auch in einer Pressemitteilung, dass er seinen Anteil an das ebenfalls britisch-kanadische Unternehmen Erris Resources weitergeben möchte. Das ist auf die Finanzierung von Rohstoff-Erschließungen in Europa spezialisiert. Bacanora stellt Erris sogar noch 1,35 Millionen Euro als finazielle Barmittel zur Verfügung, hält aber im Gegenzug 70 Prozent der Anteile an Erris, erhält eine Gewinngebühr und kann zwei der sechs Aufsichtsratsposten von Erris nach eigenem Ermessen besetzen. 

Zinnwald punktet mit seiner Lage

Der Plan ist, dass Erris am Aktienmarkt zusätzliche Investitionsmittel sammelt, um die weitere Entwicklung von Zinnwald zu beschleunigen: "Zinnwald liegt strategisch günstig in Deutschland mit unmittelbarem Zugang zur deutschen und europäischen Automobilindustrie und der nachgelagerten Lithiumchemieindustrie", äußert sich Peter Secker, Vorstandsmitglied der Bacanora, zu dem bevorstehenden Deal. Bacanora wolle die Deutsche Lithium ausgliedern, damit die kleinere Erris sich auf die Finanzierungs- und Erschließungsprozesse des Zinnwalder Lithiumvorkommen konzentrieren und den Prozess zur Förderung des Leichtmetalls beschleunigen zu können. "Das Management-Team von Erris ist äußerst hochkarätig", schreibt Sicker weiter: "Wir sind zuversichtlich, dass dies das beste Ergebnis für die Aktionäre von Bacanora ist, die wiederum indirekte Anteilseigner von Erris sind." Zinnwald sei ein ausgezeichnetes Projekt: "Wir freuen uns darauf, dass es unter Erris zur Produktion kommt." 

Der Geschäftsführer der Deutschen Lithium GmbH Armin Müller will derzeit als betroffene Gesellschaft nichts zu diesem Besitzerwechsel sagen - und darf es auch gar nicht, weil das den Börsenhandel beeinflussen könnte. Auf den ersten Blick bringt die Übernahme durch Erris kein neues Geld in die Unternehmenskassen der Deutschen Lithium. Aber die neue Unternehmensform kann den Einstieg von Investoren in Zinnwald erleichtern. 

Die Erris Ressources Plc ist eine Aktiengesellschaft. Und es ist das klare Ziel dieses Geschäfts, dass Erris neue Anteilseigner gewinnen soll und damit neues Eigenkapital, wie Erris in seinem aktuellen Halbjahresbericht mitteilt. Die Erris Ressources Plc ist auf die Erkundung von Rohstoffen in Europa spezialisiert, in Ländern mit stabilem Rechtssystem. Bisher hat sie vier Projekte am Laufen. In Abbeytown in Irland ein Abbauvorhaben vorwiegend für Zink, aber auch für Blei, Kupfer und Silber, in Brännberg in Schweden, in Gautelis in Norwegen und in Perthshire in Schottland Erkundungsprojekte für Goldvorkommen. Dazu soll jetzt Zinnwald kommen mit seinem Lithiumvorrat.

Die Verhandlungen sind soweit vorangeschritten, dass die Partner damit an die Öffentlichkeit gehen. Aber bevor das Geschäft tatsächlich zustande kommt, muss erst noch die Hauptversammlung von Erris ihm zustimmen. Wenn das geschieht, ist auch geplant, die „Deutsche Lithium GmbH“ umzubenennen in „Zinnwald Lithium AG“, teilt Erris weiter mit. Mit einer Aktiengesellschaft wäre es leichter, Investoren mit neuem Kapital zu gewinnen. Ein solches Unternehmen kann durch die Ausgabe neuer Aktien an der Börse Kapital einsammeln. 

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