merken
PLUS Dippoldiswalde

Schmalspurig durchs Müglitztal

Der Bildband zur Müglitztalbahn in ihrer Schmalspur-Zeit war lange vergriffen. Jetzt hat ihn Jörg Köhler mit vielen neuen Fotografien neu aufgelegt.

Jörg Köhler an dem Altenberger Wagen, den der Förderverein für die Müglitztalbahn e.V 2000 ankaufen konnte.
Jörg Köhler an dem Altenberger Wagen, den der Förderverein für die Müglitztalbahn e.V 2000 ankaufen konnte. © Peter Kuner

Historische Fotos sind immer spannend - sei es die veränderte Mode, sei es die veränderte Landschaft. Doch Jörg Köhler sieht mehr darin: Den offenen Personenwagen in der untersten Ecke einer Landschaftsaufnahme von Glashütte. Und noch etwas entdeckt er darin: "Die Bänke sind mittig in dem Wagen angeordnet, sodass die Passagiere raus in die Landschaft schauen konnten. Das war eine Eigenheit der Müglitztalbahn."

Vor 16 Jahren hatte Köhler schon einmal die fotografischen Schätze aus jener Zeit gehoben, in der die Müglitztalbahn noch als Schmalspurbahn verkehrte. Knapp 500 Bilder von Mügeln bis Geising, von 1881 bis 1920 hatte er für das "Schmalspur-Album Sachsen, Band IV" zusammengetragen. Der Bildband ist schon lange vergriffen, doch nun ist die neue Auflage verfügbar - mit 262 ergänzenden Fotografien der Strecke.

Die gesunde Drittelstunde
Die gesunde Drittelstunde
Die gesunde Drittelstunde

Impfen lassen? Neue Therapien? Was zahlen Kassen? Fragen rund um das Thema Gesundheit: hier gibt es Antworten. Redakteur Jens Fritzsche im Gespräch mit Experten.

Altenberger Wagen speziell für Müglitztalbahn gebaut

Als die Deutsche Bahn nach der Wende immer mehr Nebenstrecken abbaute und plötzlich auch die Müglitztalbahn im Gespräch war, wollte Jörg Köhler etwas unternehmen. Aus einer Unterschriftenaktion entwickelte sich der aktive Förderverein für die Müglitztalbahn e.V. mit ihm als Vorsitzenden. Ihm und seinen Mitstreitern gelang es sogar, einen der Altenberger Wagen aus Tschechien zurückzukaufen, die speziell für die schwierige, weil kurvige und steile Strecke entlang der Müglitz gebaut wurden.

Foto: Jörg Köhler
Foto: Jörg Köhler © Jörg Köhler
Foto: Jörg Köhler
Foto: Jörg Köhler © Jörg Köhler
Foto: Jörg Köhler
Foto: Jörg Köhler © Jörg Köhler

"Der Verein ging 2011 in die Insolvenz. Unsere vielen Projekte wurden uns zu arbeitsintensiv und konnten finanziell nicht mehr gestemmt werden. Wir haben das ja alle ehrenamtlich neben Beruf und der Familie gemacht", sagt Köhler, der mittlerweile in Leipzig lebt.

Nichtsdestotrotz blieb er der Ansprechpartner, wenn wieder irgendwo Bilder von der Müglitztalbahn auftauchten: "Der Postkartenverlag Brück & Sohn aus Meißen gab seine alten Negativplatten ins Archiv - ein riesiger Schatz! Diese Platten sind viel hochwertiger als die Postkarten."

Das Uhrenmuseum in Glashütte, das Heimatmuseum in Dohna, Schloss Lauenstein und das Stadtarchiv Altenberg sind ebenfalls kooperativ, "und es kommen immer wieder Menschen aus der Region, die alte Bilder von ihren Vorfahren gefunden haben." Wer Köhler ein Bild zur Verfügung stellt, bekommt es zusammen mit einem hochauflösenden Scan zurück: "Der kann dann herumgereicht werden. So werden die Originale geschützt."

Von Mügeln bis Geising

Die neuen Bilder in der neuen Auflage lassen sich an einem dünnen roten Bildrahmen erkennen. Geordnet sind sie zum einen nach ihrem Alter, zum anderen nach dem Verlauf der Strecke. Mügeln, das heutige Heidenau, bildet den Anfang mit Bildern vom Bau der Eisenbahnüberführung. "Ich habe aber auch Aufnahmen aus der Zeit vor dem Bahnbau dazugestellt, damit klar wird, welche Entwicklung die Ortschaften genommen haben", sagt Köhler.

Die Bewohner des Müglitztales kämpften seit 1865 um den Bau der Strecke, die 470 Höhenmeter auf einer Strecke von 36 Kilometern zu überwinden hatte. 1890 nahm die Bahn den Betrieb auf: "Auf der Strecke herrschte von Anfang an ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Personen- und Güterverkehr", sagt Köhler. Das trug zum späteren Ausbau zur Normalspurweite in den 1930er-Jahren bei - nur deshalb fährt die Bahn auch heute noch.

Im Müglitztal wuchsen alsbald die Industrie und Hotels gleichermaßen - beides befeuert von der Bahnverbindung nach Dresden. Köhler ordnet jedes Bild mit Textpassagen ein, verweist auf technische Neuerungen wie Gasbeleuchtung für die Straße oder speziellen Skihalterungen an den Wagen. "Nach über 30 Jahren habe ich tatsächlich eine Menge Wissen über die Bahn", sagt er. Über die Industrialisierungsgeschichte des Müglitztals gleich mit.

Weiterführende Artikel

Geisings Bahnhalt wird aufgehübscht

Geisings Bahnhalt wird aufgehübscht

Der Verkehrsverbund und die Deutsche Bahn wollen an zwei Stellen die Müglitztalbahn attraktiver machen. Dafür gibt es gute Gründe.

Ingo Neidhardt (Hrsg.), Falk Müller, Jörg Köhler: Schmalspur-Album Sachsen. Königlich Sächsische Staatseisenbahn 1881 - 1920. Klotzsche - Königsbrück, Müglitztal.

Erweiterte Neuauflage K.Sächs.Sts.E.B. Band III" vom Verlag SBB Medien, 48 Euro, 757 Fotos auf 248 Seiten, Format 29,7 x 24 cm, ISBN: 978-3-00-066916-3

Mehr zum Thema Dippoldiswalde