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Mit Unternehmen im Biergarten plauschen? Das ist nur eine der Ideen, die der Career Service nutzt, um Studierende zu informieren.

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Zünftiger Biergarten statt
schickes Büro: Robert
Bergmann (M.) von der
Dresdner Firma InfraTec
war einer der Unternehmensvertreter,
die 2023
bei der „Tour de Dresden“
dabei waren. Ganz ungezwungen
kam er auch mit
den Studierenden ins Gespräch.
Zünftiger Biergarten statt schickes Büro: Robert Bergmann (M.) von der Dresdner Firma InfraTec war einer der Unternehmensvertreter, die 2023 bei der „Tour de Dresden“ dabei waren. Ganz ungezwungen kam er auch mit den Studierenden ins Gespräch. © TU Dresden

Bestes Spätsommerwetter, kühle Getränke, nette Gespräche: Was klingt wie ein lockerer Abend unter Studierenden, war Anfang September eine Veranstaltung mit Zukunftsmehrwert für alle. Organisiert hatte ihn der Career Service der TU Dresden.

Das Treffen im Biergarten der Dresdner Kneipe „Paul Rackwitz“ war das Abschlussevent der diesjährigen „Tour de Dresden“. Eine Woche lang gingen Studierende vorher auf Entdeckertour durch hiesige Industrieunternehmen. Insgesamt 14 nutzten in diesem Jahr die Gelegenheit, sich innerhalb der Tour vorzustellen – um Praktikanten, Werkstudenten oder künftige Arbeitnehmer zu finden. Bis zu sieben Firmen konnten sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer im Laufe der Woche anschauen. Zum zweiten Mal hatte der Career Service die Tour ermöglicht. „Die Resonanz war super“, sagt Katharina Maier, Leiterin des Career Service. „Sowohl die Unternehmen als auch die Studierenden waren sehr zufrieden.“

Sie und ihr Team haben in den zurückliegenden Jahren ein gutes Gespür dafür entwickelt, welche Formate gut ankommen. Schon 2007 begann an der TUD der Aufbau des Career Service. Heute ist er fester Bestandteil der Unterstützungsangebote für Studierende – mit einem Rundumpaket, das die jungen Leute rege nutzen. Der Career Service hilft im Studium, bei der Berufsorientierung, bei der Suche nach Praktika und später auch beim Berufseinstieg. Er vermittelt Kontakte zu potenziellen Arbeitgebern oder gibt Tipps, wie Bewerbungsunterlagen aussehen, die wirklich Eindruck machen. „Wir veranstalten aber auch Workshops, in denen wir den Studierenden wichtige Schlüsselkompetenzen vermitteln“, fügt die Chefin hinzu. Dazu zählen Themen wie Zeit- und Projektmanagement oder wichtige Moderations-Bund Präsentationstechniken. 150 Angebote pro Semester gibt es, in Deutsch und auch in Englisch.

Cecilia Czambor kümmert sich im Team um den Kontakt zu den Unternehmen. Seit 2010 arbeitet sie beim Career Service. „Der Anfang war hart“, erinnert sie sich. „Da haben wir knallharte Akquise gemacht, um Firmen zu finden, die mit uns kooperieren.“ Viele hatten die Option noch gar nicht auf dem Schirm, durch gute Kontakte in die TUD Nachwuchs fürs Unternehmen zu finden. „Das Thema Personalmarketing steckte damals noch in den Kinderschuhen. “Heute sei das viel einfacher. Nun melden sich die Unternehmen von selbst, wollen bei Events des Career Service gern mit dabei sein. „Unsere Herausforderung ist es deshalb heute vermehrt, einen guten Mix hinzukriegen“, macht sie deutlich. Das unterstreicht auch Katharina Maier. „Wir wollen Angebote für alle Studierenden machen.“ Das hieße eben, dass es auch Formate gibt, die eher Geistes- und Sozialwissenschaftler ansprechen. Am 16.November dieses Jahres findet deshalb zum Beispiel die Veranstaltung „Karriere mit Geist“ statt, ein Berufsorientierungstag speziell für Studierende der Geistes- und Sozialwissenschaften. Informiert werden die Studierenden über die Veranstaltungen auf den verschiedensten Wegen. Zum einen nutzt der Career Service E-Mails, den Studierendennewsletter und die Kanäle der TUD in den sozialen Netzwerken. Plakate und die direkte Ansprache seien laut Cecilia Czambor aber ebenso wichtig.

Immer wieder merken die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Career Service nämlich, dass die Studierenden nicht wissen, dass sie die Angebote auch schon während des Studiums rege nutzen können. „Wir würden uns wünschen, dass sie die Möglichkeiten schon frühzeitig entdecken“, sagt Katharina Maier. Gerade die Workshops seien für den Studienalltag wertvoll.

Informieren können sich Interessierte heutzutage auch ganz bequem von zu Hause aus. Viele Weiterbildungsangebote finden online statt. Jeden Montag ist im Herbst zudem „Career Monday“. Im Live-Stream stellt sich dabei jeweils ein Unternehmen vor. „Viele Firmen nutzen unsere Events auch, um ein besseres Bild davon zubekommen, wie die jungen Leute heute ticken“, sagt Katharina Maier. Wer den Nachwuchs für sich gewinnen will, müsse eben mit der Zeit gehen. „Bei uns haben Firmenvertreter und Studierende die Chance, unkompliziert miteinander ins Gespräch zukommen.“ Ein Gewinn für beide Seiten.

Tastsinn für Maschinen: PowerON lässt Roboter mithilfe empfindlicher Sensoren fühlen

Dr. Markus Henke (links) und Fabian Finster verleihen mit ihrem Dresdner Start-up PowerON Maschinen dank einer einzigartigen Technologie Tastsinn.
Dr. Markus Henke (links) und Fabian Finster verleihen mit ihrem Dresdner Start-up PowerON Maschinen dank einer einzigartigen Technologie Tastsinn. © Thorsten Eckert

Roboter, die fühlen können – nicht mit dem Herzen, aber mit den Fingerspitzen. Das Dresdner Start-up PowerON verleiht den Maschinen dank einer einzigartigen Technologie den Tastsinn. Bisher waren Robotergreifarme, wie sie in der Industrie benutzt werden, eher grobmotorisch unterwegs. Das Dresdner Unternehmen versieht die Finger der Maschinen jedoch mit weichen Silikonkissen. Darauf befindet sich eine hauchdünne Folie mit empfindlichen, aufgedruckten Sensoren. Diese lassen die Maschine genau erkennen, was sie greift und wie stark sie deshalb zudrücken kann. Der große Vorteil daran: Bisher mussten die Robotersysteme zeitintensiv auf zu greifende Dinge trainiert werden. Mit den künstlichen Häuten werden die Maschinen flexibel. Nicht nur künstliche Haut wollen PowerON-Geschäftsführer Ernst-Friedrich Markus Henke und sein Team in Zukunft herstellen. Auch künstliche Muskeln und Neuronen sind in Planung. Mit der Idee künstlicher Muskeln beschäftigte sich Henke schon während seiner Promotion vor gut zehn Jahren an der Fakultät Elektrotechnik und Informationstechnik der TU Dresden.

Im Jahr 2015 begann sein Forschungsaufenthalt an der Universität von Auckland in Neuseeland. Mit dortigen Kollegen entwickelte er erst den Ansatz von elastischen und gleichzeitig intelligenten Materialien weiter und gründete 2019 die PowerOn Ltd. in Auckland. 2020 erfolgte mit Unterstützung eines Exist-Stipendiums auch die Gründung der PowerON GmbH in Dresden. „Die Zusammenarbeit mit dresden|exists und der TU Dresden hat uns bei der Gründungenorm geholfen“, sagt Henke. Durch einen Kooperationsvertrag mit der TUD kann das Start-up aktuell sogar Labore und Räumlichkeiten der Universität nutzen. Gerade auch die Unterstützung von Andreas Richter, Inhaber der Professur für Mikrosystemtechnik, sei sehr wertvoll. „Es ist ein sehr produktiver und fairer Austausch.“ Seit 2020 ist Henke außerdem Leiter einer Nachwuchsforschungsgruppe an der TU Dresden. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft fördert sie im Rahmen des Emmy Noether-Programms mit zwei Millionen Euro. Ziel der Wissenschaftler ist: die Erforschung von Materialien und neuer Produktionsverfahren, die flexible Robotersysteme ermöglichen.

Pilotkunden aus Deutschland, Indien, den USA und Neuseeland wollen die künstlichen Fingerspitzen nun testen. Das Team von PowerON hat die Technologie so weiterentwickelt, dass die Fingerspitzen schnell austauschbar sind und für unterschiedlichste Greifersysteme auf dem Markt funktionieren. „Wir sind sehr gespannt, was für ein Feedback die Testkunden uns geben“, sagt COO Fabian Finster, der Wirtschaftsmathematik und Wirtschaftswissenschaften an der TUD studiert hat. Bis zum serienreifen Produkt würde deshalb noch etwas Zeit vergehen. Künftig will das Start-up nur noch die Häute produzieren, dann allerdings Tausende Stück pro Tag. „Die Herstellung aller anderen Komponenten werden wir auslagern.“ Damit dieser Punkt schon bald erreicht werden kann, sucht PowerON aktuell Investoren.

Robotik-Lösungen für die Halbleiterindustrie: Fabmatics automatisiert Prozesse

Gleich zwei Fächer hat Martin Däumler an der TUD abgeschlossen: Verkehrswirtschaft und Wirtschaftsingenieurwesen. Beides kann er heute bei der Arbeit für Fabmatics gut gebrauchen.
Gleich zwei Fächer hat Martin Däumler an der TUD abgeschlossen: Verkehrswirtschaft und Wirtschaftsingenieurwesen. Beides kann er heute bei der Arbeit für Fabmatics gut gebrauchen. © Tommy Halfer

Kollege Roboter übernimmt in der Industrie immer mehr Aufgaben: um Prozesse effektiver zu machen, um Zeit beziehungsweise Kosten zu sparen. In mancher Branche wirkt der Einsatz von automatisierten Maschinen sogar dem Fachkräftemangelentgegen. Die Dresdner Firma Fabmatics unterstützt vor allem Unternehmen in der Halbleiterindustrie dabei, Automatisierungsprojekte zu realisieren. Martin Däumler steht als Abteilungsleiter Produktentwicklung und Produktsupportbei Fabmatics jederzeit eng mit den Kunden in Kontakt. Das Thema Robotik trieb ihn dabei schon als Student an der TU Dresden um.

Zuerst studierte er Verkehrswirtschaft, machte 2013 seinen Master. „Danach wollte ich noch tiefer in die Technik einsteigen“, erzählt er. Er hängt ein Studium in Wirtschaftsingenieurwesen an, das er 2016 abschließt. Als studentische Hilfskraft arbeitet er während des Studiums an der Professur für Technische Logistik. „Wir haben uns mit Materialflusssystemen und Simulationen für mobile Robotiklösungen beschäftigt“, erläutert Däumler. Im Zentrum stehen schon damals Herausforderungen in der Halbleiterbranche. Diesen widmet er sich nach dem Studium auch als Forscher an der Professur. Im Zuge dessen lernt Däumler seinen heutigen Arbeitgeberkennen, die Firma Fabmatics. Steffen Pollack, der noch zu DDR-Zeiten an der TUD im Fach Elektronik-Technologie und Feinwerktechnik studierte und promovierte, legte bereits 1991 zusammen mit seinen Mitgründern Manfred Jähnert und Lothar Andritzke den Grundstein für das Unternehmen. „Fabmatics war sehr innovationsstark und ich war von den Produkten begeistert“, erinnert sich Däumler. 2018 kommt er in die Firma.

Heute gehen er und sein Team unter anderem der Frage nach, wie sie die automatisierten Maschinen dazu bringen, miteinander und mit den Menschen gut zusammenzuarbeiten. Wenn sie beispielsweise Materialien in Industrieprozessen von A nach B transportieren. „Wir entwickeln unter anderem Software, die die Bewegungen der unterschiedlichen Fahrzeuge orchestriert“, erläutert der Ingenieur. Insgesamt280 Beschäftigte aus 14 Nationen arbeiten heute für Fabmatics. Neben dem Hauptstandort Dresden gibt es auch Außenstellen in den USA und Asien.

Mit der TUD steht Däumler, steht Fabmatics heute in gutem Kontakt. Studierende aus Elektrotechnik, Maschinenbau oder auch Informatik berät Fabmatics regelmäßig zu Karrieremöglichkeiten im Unternehmen. Verschiedene Forschungskooperationen mit der Universität gibt es außerdem, gute Kontakte zu TUD-Ausgründungen ebenfalls.„Nicht zuletzt unterstützen wir die TU Dresden Robotik AG“, erzählt Däumler. „Wir engagieren uns gern für den Nachwuchs, denn der ist auch für unsere Branche die Zukunft.“ An der TUD stünde eine Vielzahl an Vertiefungsmöglichkeiten zur Verfügung. Die Studierenden hätten die Chance, sich umfassend zu bilden. „Die Robotik bietet gerade interdisziplinär viele tolle Perspektiven fürs Berufsleben.“

© TU Dresden