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Gesellschaftliche Verantwortung: Warum Unternehmen die liberale Demokratie schützen müssen

Markus Scholz forscht an der TU Dresden zu Wirtschaft und Ethik sowie Erfolgsfaktoren liberaler Marktwirtschaft.

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Markus Scholz ist Professor für  Betriebswirtschaft und Responsible Management an der TU Dresden.
Markus Scholz ist Professor für Betriebswirtschaft und Responsible Management an der TU Dresden. © TU Dresden

Damit ein Unternehmen erfolgreich wirtschaften kann, stellt die Gesellschaft viel zur Verfügung, in etwa Infrastruktur, Eigentumsrechte oder Patentschutz. „Im Gegenzug werden Unternehmen nicht nur als Innovationstreiber, Arbeitsplatzbeschaffer und Steuerzahler, sondern auch als Unternehmensbürger, als Corporate Citizen, mit gesellschaftlicher Verantwortung wahrgenommen“, erklärt Dr. Markus Scholz. Er ist Professor für Betriebswirtschaft und Responsible Management an der TU Dresden.

„Eine offene Gesellschaft ist attraktiv für Fachkräfte, für die Kunden und für nationale wie internationale Investoren“, schildert Scholz. „Populisten und Rechtsextreme gefährden mit ihrem antiliberalen und paranoiden Politikstil die Bedingungen des Wirtschaftens, wie wir es kennen.“ Demnach bedrohen populistische Herrschaftstechniken letztlich den gesellschaftlichen Wohlstand. Eine der zentralen Errungenschaften in Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg ist die Soziale Marktwirtschaft. Diese erfordere eine demokratische Verfassung und eine liberale Gesellschaft, wie sie umgekehrt zur freiheitlich-demokratischen Grundordnung beitrage. Deshalb sollte es im Eigeninteresse von Unternehmen liegen, gesellschaftliche Verantwortung für den Schutz der liberalen Demokratie zu übernehmen.

Wie Populisten denken

„Populisten richten in den Gesellschaften, die sie gekapert haben, langfristig Unsicherheit an.“ Denn Populisten wähnen sich von Feinden umgeben und sind von Paranoia durchdrungen. Laut Scholz sind es immer die gleichen Herrschaftstechniken, die Populisten in Regierungsverantwortung anwenden: Die Freiheit der Medien werde eingeschränkt oder vollkommen ausgeschaltet. Die Institutionen des Staates werden übernommen: Sie arbeiten dann nicht mehr im Sinne der Bürgerinnen und Bürger, sondern sind langfristig nur ein verlängerter Arm der Partei. Schließlich ersetzten Günstlingswirtschaft und Klientelpolitik den Wettbewerb. Dann reguliert politische Nähe den unternehmerischen Erfolg, nicht mehr der Markt über Qualität und Preis.

Neben dem ökonomischen Eigeninteresse habe das Eintreten von Managern und Unternehmern gegen Rechtsextreme und Populisten eine weitere Begründung. „Auch Wirtschaftsführer sind Bürger einer Republik. Sie müssen demnach den Mund aufmachen und sich positionieren im Bewusstsein des großen Privilegs, in einer offenen Gesellschaft zu leben.“ In Abwandlung der Worte Milton Friedmans könnte man es so formulieren: The business of business is not just business. Wenn die Demokratie in Gefahr gerät, braucht es viele Menschen, die für sie einstehen und Verantwortung übernehmen.

Veranstaltung mit Dr. Stefan Traeger (Jenoptik)

Wann? 29. Mai 2024, 17 Uhr

Wo? Hörsaal A251, Georg-Schumann-Bau, Münchner Platz 3, Dresden

© TU Dresden