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Abschied mit Wehmut und Vorfreude

Seit 1993 gibt es in Bad Muskau in der Schmelzstraße 4 ein Modegeschäft. Am 17. Dezember ist dort der letzte Verkaufstag.

Von Sabine Larbig
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Nach 29 Jahren Selbstständigkeit mit ihrem Geschäft „Mode-Trend“ geht Siegrid Weisheit nun in den Ruhestand und zurück in ihre Heimat Thüringen.
Nach 29 Jahren Selbstständigkeit mit ihrem Geschäft „Mode-Trend“ geht Siegrid Weisheit nun in den Ruhestand und zurück in ihre Heimat Thüringen. © Sabine Larbig

Bad Muskau. Seit November prangt in den Schaufenstern das Schild „Räumungsverkauf“. Noch ist der Kundenverkehr ungebrochen, obgleich sich das Sortiment an Bekleidung für Damen und Herren schon stark lichtete. „Das ist gut so. Wo soll ich sonst mit der Ware hin?“, meint Inhaberin Siegrid Weisheit, für die am 17. Dezember 2021, um 18 Uhr, nach 29 Jahren in der eigenen Boutique der letzte Arbeitstag ist. „30 Jahre habe ich leider nicht geschafft. Doch mit 65 ist es an der Zeit, in den Ruhestand zu gehen. Obwohl ich weiß, dass ich das Geschäft und die Kunden vermissen werde“, meint die gebürtige Thüringerin.

Wie viele Menschen der Region kam sie einst wegen der Arbeit im Kraftwerk und der zugesagten Wohnung in die Lausitz. Als mit der Wende der Arbeitsplatz wegfiel, überlegte Siegrid Weisheit, was sie tun könne. „Da ich ausgebildete Fachverkäuferin war und mich Mode schon immer interessierte, entschied ich mich für die Eröffnung eines eigenen Modeladens“, erzählt sie. Von Anfang an habe sie dabei auch an Frauen ohne Gardemaße gedacht. Jene, die „wie ich klein und dick“ seien. „Es ärgerte mich immer, dass ich selten was Schönes zum Anziehen fand. Daher nahm ich gezielt große Größen mit ins Angebot und versuchte stets, die Wünsche meiner Kundinnen zu erfüllen.“ Mit Christine Zimmer, einer Damen-Maßschneidermeisterin und somit einem Änderungsdienst im Boot, sei ihr das fast immer gelungen. „Auch bei den Kunden der Männerabteilung. Überhaupt lief der Laden gut“, sagt sie stolz.

Wohl auch, weil Sortiment, Dienstleistung und ihr Umgang mit den Kunden dafür sorgten, dass das Geschäft in Bad Muskau, Weißwasser und den Neißedörfern ebenso bekannt war wie in Döbern, Spremberg, Hoyerswerda oder den alten Bundesländern. Es habe sogar, so Siegrid Weisheit, einige Kunden gegeben, die gezielt in der Region Urlaub machten, um bei ihr einzukaufen. „Sie und meine einheimischen Kunden sind nun traurig, dass ich aufhöre“, sagt Siegrid Weisheit mit Blick auf die vielen Geschenke, Blumen, Gruß- und Dankeskarten im Laden. „Ich hatte schon Kunden da, die weinten. Und ich hab gleich mitgeheult“, bekennt die Mode-Trend-Chefin. Zeit für Nostalgie oder Traurigkeit hat sie dennoch nicht. Vor und nach den Geschäftszeiten ist sie nämlich bereits damit beschäftigt, Umzugskartons zu packen, weshalb es auch kein besinnliches Weihnachten geben wird. „Zwischen Weihnachten und Neujahr kommt das Umzugsauto. Ich ziehe nämlich zurück in meine Heimat, wo die Familie und Freunde auf mich warten und worauf ich mich auch freue“, verrät sie. Klar werde sie die Zeit und die Menschen in der Lausitz vermissen. Daher plane sie auch, als Besucherin mit ihrer Familie ab und an nach Bad Muskau zu kommen. „Da sehen wir uns das Schloss an, gehen durch den Park und ins Café König und sicher werde ich viele Bekannte treffen.“

Noch aber ist Siegrid Weisheit weiter für ihre Kunden da. Nur am letzten Tag, sagt sie, werde sie sich einen Sekt und eine kleine Auszeit gönnen, sich von Laden, Haus, Bad Muskau und er Zeit dort verabschieden „und sicher einige Tränen vergießen“, bevor sie sich weiter der Umzugsvorbereitung widmt. In diesem Sinne: „Danke, Siegried Weisheit, und alles Gute!“.

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