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Bad Muskau fordert Verkehrslösung

Die Fürst-Pückler-Stiftung plant den Ausbau des Badeparks. Die Stadt findet die Pläne gut, fürchtet aber einen Kollaps - und stellt Bedingungen.

Tempo 30, doch Fußgänger und Radler kommen kaum schnell und sicher über die Straße zum Bad Muskauer Badepark. Gefordert werden nun Überwege und Kreisverkehr.
Tempo 30, doch Fußgänger und Radler kommen kaum schnell und sicher über die Straße zum Bad Muskauer Badepark. Gefordert werden nun Überwege und Kreisverkehr. © Rolf Ullmann (SZ-Archiv)

Bad Muskau. Als „Park im Park“ wird der Badepark weitere Besucher anlocken: Neben der Sanierung des Badepavillons, der Errichtung des Musikpavillons und einer neuen Dauerausstellung in der Pückler-Villa wird auch das Umfeld gestaltet.

Während die Orientreise des Fürsten Pückler (1834-1840) digital, unterhaltsam und mit kultureller Bildung verbunden, in der Pückler-Villa in Szene gesetzt wird, kommen ein Anbau und ein Gartenhof dazu. „Es ist ein spannendes und exotisches Feld. Denn Pückler war einst sogar Berater eines ägyptischen Staatsoberhaupts; kaufte während der Reise Machbuba auf einem Sklavenmarkt und entdeckte als Autor das Genre Reiseroman für sich“, umschreibt Parkdirektor Cord Panning die Themen der Ausstellung, deren Konzept er „beeindruckend und attraktiv“ findet. Attraktiv wird auch der orientalische Gartenbereich mit von Hecken gesäumten Wegen, Pergolen, Wasserelementen und mediterranen Pflanzen. Fertiggestellt sein soll alles möglichst 2023, wenn sich im Badepark die von Lucie und ihrem Mann Hermann Fürst von Pückler-Muskau begründete Kurtradition Bad Muskaus zum 200. Mal jährt.

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Park voller Gäste – Stadt voller Autos

Während sich der binationale Welterbepark entwickelt und immer mehr Besucher anzieht, steigt in Bad Muskau die Sorge wegen des damit verbundenen Verkehrsaufkommens. Schon jetzt ist die Kleinstadt die meisten Wochenenden im Jahr, an Feiertagen, bei Festen und Veranstaltungen im Fürst-Pückler-Park verstopft und zugeparkt. Selbst Fußgänger haben trotz Tempolimit kaum Chancen, die Straßen schnell überqueren zu können.

Das Dilemma zwischen Parkentwicklung und Verkehrschaos zeigte sich jüngst erneut im Technischen Ausschuss, als das Stiftungsprojekt „Musealer Ausbaus und Erweiterung der denkmalgeschützten Villa Pückler zum Ausstellungskomplex“ wegen der nötigen Stellungnahme der Stadt auf der Tagesordnung stand. Das Vorhaben ist nicht neu, füllt bereits dicke Projektordner. Ebenso umfangreich sind Schriftverkehre und Gespräche mit Beteiligten wie der Stadtverwaltung. „Es ist grundsätzlich ein Supervorhaben. Aber es gibt noch Klärungsbedarf“, so Bürgermeister Thomas Krahl. Denn städtische Verkehrsaspekte wurden bislang kaum oder nicht beachtet.

Veranstaltungen wie ViaThea locken Tausende zugleich in den Bad Muskauer Badepark. Mit den neuen Angeboten könnte dies täglich so sein. Die Stadt fürchtet den Verkehrskollaps. Foto: Rolf Ullmann (SZ-Archiv)
Veranstaltungen wie ViaThea locken Tausende zugleich in den Bad Muskauer Badepark. Mit den neuen Angeboten könnte dies täglich so sein. Die Stadt fürchtet den Verkehrskollaps. Foto: Rolf Ullmann (SZ-Archiv) © Rolf Ullmann (SZ-Archiv)

Bad Muskau fordert Nachbesserung

„Wir haben als Verwaltung einige Bedenken, was die Badepark-Planungen betrifft“, erklärte Christine Huschto vom Bereich Stadtplanung und Denkmalschutz der Stadtverwaltung Bad Muskau. Konkret beziehe sich dies auf die Themen Parkplätze, Fußgängerüberwege, Probleme in Kreuzungsbereichen und Parkleitsystem. Laut vorliegender Planungen, so Huschto weiter, gehe man bei der Stiftung von täglich 125 Besuchern im neuen Ausstellungskomplex aus. „Doch ein Stellplatzkonzept fehlt. Der öffentliche Verkehrsraum bietet nicht genug Parkmöglichkeiten, und einem in der Bahnhofstraße angedachtem Parkbereich stimmen wir als Stadt nicht zu.“
Auch Stadtrat Erik Schobner (CDU) fragte besorgt, wie Parken und Verkehr klappen sollen. „Schon jetzt sind alle Parkflächen in der Stadt voll, stehen Touristen die ganze Bautzener- und Bahnhofstraße entlang, ist die Stadt oft komplett dicht.“

Laut Christine Huschto habe man daher die Bedenken zusammengefasst und werde das gemeindliche Einvernehmen zum Vorhaben nur erteilen, wenn die Forderungen, Hinweise und Auflagen der Stadt eingearbeitet seien. Dazu zähle, dass der angedachte Parkplatz zwischen Bautzener Straße und Exedra-Bank, für den ein Nachweis für Stellflächen fehle, verkehrstechnisch sehr ungünstig liege. Hier sei aus Sicht der Stadt ein Kreisverkehr am Mündungsbereich Bautzener-/Görlitzer Straße zu prüfen. Empfehlenswert, so Huschto weiter, sei zudem der Bau eines Parkdecks im Bereich, wofür der motorisierte Verkehr entsprechend großräumig – über Eiland und Bendels Kreuzung Krauschwitz – umzuleiten sei, um Innenstadt und Grenzbereich nicht komplett zu verstopfen. Auch Parkflächen für Mitarbeiter und Anwohner müssten berücksichtigt werden; ebenso zwischen Badepark und Neißedamm eine Querungshilfe für Fußgänger und Radfahrer. Nicht zuletzt würden den Plänen die Ausweisung von Feuerwehrzufahrten sowie einer gesicherten Löschwasserbereitstellung fehlen.

Zustimmung nur unter Vorbehalt

Die Bedenken der Stadtverwaltung sieht auch Thomas Heisler (SPD) als gerechtfertigt. „Wenn sich die Stiftung für einen Fußgängerüberweg im Bereich Neißedamm stark macht, würde dies vieles in der Stadt erleichtern.“ Stadtrat Mirko Bartell (CDU) gab zudem den Hinweis, dass die Stadt auch während der Bauphase von Verkehr entlastet werden muss. „Vielleicht kann die Stiftung gegenüber Bund und Land ja sogar etwas für Bad Muskau bewegen. So wie ein Parkleitsystem, Verkehrsschilder, Übergänge und ein zusätzliches Parkdeck zu unserem Parkhaus.“ Denn das geplante städtische Parkhaus, auch dies ist in Bad Muskau ein offenes Geheimnis, wird die Park- und Verkehrsproblematik in der Stadt allein nicht lösen können. Zumal mit Sanierung und Wiederbelebung von Niederländischem Hof/Alter Brauerei die Kurtradition einen Aufschwung erhalten und ein Besucherzentrum für den Unesco-Geopark Muskauer Faltenbogen im Kavaliershaus entstehen soll, wodurch perspektivisch mit einer halben Million Gäste jährlich in Bad Muskau zu rechnen ist.

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