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So feiert die Waldeisenbahn 125 Jahre

Vom 11. bis 13. September hofft die Waldeisenbahn Muskau auf viele Besucher und lockt mit Fahrzeugparade und Dampfbetrieb.

Die Gastlok „Merapi“ von der Parkeisenbahn Berlin war einst in Java im Einsatz, hat daher auch einen Büffelfänger. Am Wochenende verkehrt die Dampflok auf den WEM-Strecken.
Die Gastlok „Merapi“ von der Parkeisenbahn Berlin war einst in Java im Einsatz, hat daher auch einen Büffelfänger. Am Wochenende verkehrt die Dampflok auf den WEM-Strecken. © Joachim Rehle

Irgendwie steckt der Wurm drin im Jubiläumsjahr der Waldeisenbahner. Erst machte Corona die zweijährige Planung der Festsaison samt Höhepunkten und Volksfest zum Bahngeburtstag zunichte. Die Eisenbahner reagierten, passten Fahrpläne und Angebote den Regelungen an, krempelten die Jubiläumspläne komplett um.

„Ursprünglich übers ganze Jahr geplante Attraktionen fielen weg und somit erhoffte Fahrgastzahlen, die wegen des Jubiläums über den Werten der Vorjahre liegen sollten. Was weggebrochen ist, können wir nicht aufholen. Auch, weil Busreisen noch nicht wieder in Gang gekommen sind. Trotzdem sind wir mit dem bisher möglichen Regelbetrieb zufrieden und setzen auf viele Gäste am Festwochenende. Es bietet, trotz vieler Einschränkungen, ein tolles Programm“, so Geschäftsführer Heiko Lichnok kürzlich im Pressegespräch.

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Parade erzählt Bahngeschichte

Geboten wird zum Festwochenende eine große Fahrzeugparade, bei der die Geschichte der Waldeisenbahn Muskau (WEM) in Schaubildern dargestellt wird. Die hatte immerhin ihre Ursprünge als Pferdebahn, die der Muskauer Standesherr Graf Hermann von Arnim 1895 zur Erschließung der Wälder und Rohstoffvorkommen im Umfeld von Muskau und Weißwasser mit einer Spurweite von 600 mm anlegen ließ, bevor Dampf- und später Dieselloks bis 1978 die Güterzüge auf einem 50 Kilometer langem Streckennetz zogen. Zur Touristenattraktion entwickelte sich die WEM erst ab den 1990 Jahren dank einiger Bahnenthusiasten, die letztlich einen Verein gründeten, einstige Strecken, Loks und Wagen erhielten, sanierten und neu belebten.

Von all dem erzählen die Parade, eine Ausstellung von Gleisbautechnik im Außengelände des Museumsbahnhofs Weißwasser, das Museum selbst und eine große Modellbahn-Ausstellung.

Modellanlagen anhand von Fotos nachgebaut

„Die Präsentation von Vereinen und Privatpersonen aus der Region ist ein Höhepunkt, da die acht ausgestellten Modellanlagen einstige Strecken, Einsatzorte wie Tongruben, Haltestellen, Übergänge und Technik wie Ladebühnen widerspiegeln, historische Autos, Fahrräder, Häuser, Unternehmen und Berufe zeigen. Alles anhand alter Fotos nachgebaut“, weiß Olaf Urban, Vorsitzender des WEM-Fördervereins. Zu den Ausstellungsstücken gehören seiner Aussage nach eine 11x3,50 Meter große Anlage von Modellbauern aus Neu-Petershain, die 4x1 Meter große Nachbildung des Muskauer Bahnhofs von Franz Klenner und eine Anlage vom Weißwasseraner Modellbau-Club. „Ich kann die Ausstellung nur empfehlen“, appelliert Urban, der auch auf das im Museum befindliche Waldbahn-Café verweist, in dem Frauen vom Förderverein nicht nur selbst gebackenen Kuchen verkaufen.

Apropos Förderverein. Ohne ihn wären der reguläre Fahrbetrieb der WEM und das Festwochenende – allein hier sind rund 70 Mitglieder aus ganz Deutschland von Gästebetreuung über Gastronomie bis Fahrpersonal im Einsatz – nicht möglich. Und so verwundert es nicht, dass Vereinsmitglieder auch Lokführer, Schaffner, Bremser und Heizer in historischen Dampfloks und Wagen sind, die beim Jubiläum zeitgleich auf drei Strecken verkehren. Unter den betagten Dampfrössern sind drei WEM-Loks sowie die mit 95 Jahren jüngste Lok „Merapi“ – sie fuhr einst in Zuckerrohplantagen auf Java – von der Parkeisenbahn Berlin. Eigentlich sollte noch eine fünfte Dampflok in Weißwasser fahren. Die 1918 gebaute Heeresfeldbahn „99 0001“, die danach bei der Waldeisenbahn Muskau im Einsatz war, bevor sie als erste Lok bei der 1954 eröffneten Parkeisenbahn Cottbus blieb.

Das Fahrkartenhaus am Bahnhof Teichstraße brannte am letzten Wochenende. Fahrkarten und Souvenirverkauf erfolgen daher in einem Pavillon-Zelt nebenan.
Das Fahrkartenhaus am Bahnhof Teichstraße brannte am letzten Wochenende. Fahrkarten und Souvenirverkauf erfolgen daher in einem Pavillon-Zelt nebenan. © Jochim Rehle

Lokausfall und Brand ohne Folgen

„Die Lok hatte leider einen technischen Defekt, kann nicht nach Weißwasser kommen“, bedauert Heiko Lichnok. Der Fahrplan mit fünf Loks auf drei Strecken sei jedoch nicht gefährdet. „Alle Züge fahren planmäßig im Stundentakt, weil wir eine unserer Dieselloks einsetzen.“ Und als ob all die Hindernisse im Jubiläumsjahr nicht genug wären, ereignete sich vergangenes Wochenende noch ein Brand am Kassenhaus Bahnhof Teichstraße. „Fahrkartenverkauf und ein brandbedingter Souvenir-Ausverkauf erfolgen nun in einem Pavillon-Zelt neben dem Fahrkartenhaus“, sagt WEM-Chef Lichnok, der – wie das gesamte Team – trotz allem zuversichtlich ist. „Wir sind dankbar, dass nichts Schlimmeres passierte, keine Menschen zu Schaden kamen und machen einfach aus allem das Beste!“

Programm:

Freitag (11. September): 15 Uhr Eröffnung Festwochenende; 16-18 Uhr große Fahrzeugparade am Museumsvorplatz; 18.30 Uhr Dampflokfahrt nach Kromlau und zurück

Samstag/Sonntag (12./13. September): je ab 10 Uhr Modellbahnausstellung, musikalische Umrahmung, Waldpilzberatung, Geopark-Stand und mehr; je ab 13 Uhr Café im Museum

Fahrplan 12./13. September: je 10.15 bis 18.15 Uhr Fahrten von Weißwasser nach Kromlau und 10 bis 18 Uhr nach Bad Muskau (Züge im Stundentakt); Tonbahn-Fahrt: Restkarten

Nähere Infos hier.  

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