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Gigabit-Internet für Reinhardtsdorf-Schöna

In der Gemeinde wird jetzt Glasfaser bis ins Haus verlegt. Los geht's im Ortsteil Kleingießhübel. Dort gibt es bisher so gut wie gar kein Internet.

Von Dirk Schulze
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Glasfaser für alle: Kai Gärtner von der Telekom, Bürgermeister Andreas Heine, Daniel Grützner im Bagger, Andrea Wötzel und Thomas Irrgang (v.l.n.r.).
Glasfaser für alle: Kai Gärtner von der Telekom, Bürgermeister Andreas Heine, Daniel Grützner im Bagger, Andrea Wötzel und Thomas Irrgang (v.l.n.r.). © Daniel Schäfer

Immer wieder musste sich Bürgermeister Andreas Heine (Wählervereinigung 94) in den vergangenen Monaten fragen lassen, wann es denn endlich losgeht mit dem schnellen Internet. Zwar hatte die Telekom Ende 2020 in Reinhardtsdorf-Schöna einen ersten Abschnitt auf eigene Initiative ausgebaut, davon konnte jedoch nicht alle Einwohner profitieren.

Wer nicht nah genug an der Hauptstraße und damit an der Kabeltrasse wohnt, hatte das Nachsehen. Im Ingenieurbüro von Heines Familie beispielsweise, wo täglich mit großen Datenmengen hantiert wird, liegt bis heute nur eine Bandbreite im einstelligen Megabit-Bereich an.

Umso größer ist die Freude in Reinhardtsdorf-Schöna, dass nun der nächste Ausbauabschnitt folgt. Die gesamte Gemeinde wird jetzt mit schnellem Gigabit-Internet ausgestattet. Das heißt: Glasfaser bis ins Haus und Downloadraten von bis zu 1.000 Megabit pro Sekunde, wenn alles fertig ist. "Für die Gemeinde ist das schon ein Segen", sagt Bürgermeister Heine.

Langes Warten auf schnelles Internet

Im Ortsteil Kleingießhübel haben die Bauarbeiten bereits begonnen. In dem Dorf am Fuße des Kleinen Zschirnsteins ist die Internetverbindung besonders schlecht, in vielen Häusern liegt gemessen an heutigen Standards so gut wie gar kein Internet an. Hier sowie nebenan in Reinhardtsdorf und Schöna werden in den kommenden Monaten insgesamt 40 Kilometer Glasfaserkabel verlegt und sieben Verteilerkästen errichtet, rund 150 Haushalte werden laut der Telekom davon profitieren.

Für die Hauseigentümer ist der Anschluss kostenlos. Alle wurden angeschrieben, mehr als 90 Prozent machen mit. Gerade im Tourismusbereich warten viele Vermieter von Ferienwohnungen seit langem darauf. Bald können sie ihren Gästen auch W-Lan bieten.

In Kleingießhübel haben die Bauleute gut zehn Kilometer Tiefbaustrecke zu bewältigen, nicht selten stoßen sie dabei auf den für das Elbsandsteingebirge typischen felsigen Untergrund, wie Thomas Irrgang, Projektleiter von der Telekom, erklärt. Besonders im Krippengrund sind mehrere Felsbohrungen nötig. Die Trasse führt von Krippen hinauf bis nach Kleingießhübel, wobei entlang dieser Strecke größtenteils bereits Leerrohre in der Straße liegen. Die Bauarbeiten übernimmt mit der Sebnitzer WEA ein lokales Unternehmen.

Modernste Glasfasertechnik

Telekom-Regionalmanager Kai Gärtner spricht vom besten Netz, das man derzeit bekommen kann. Das Warten habe sich gelohnt, und der Tiefbau sei danach für lange Zeit erledigt. Tatsächlich werden die Einwohner von Kleingießhübel, Reinhardtsdorf und Schöna nach Abschluss der Arbeiten deutlich mehr Bandbreite zur Verfügung haben als die Bad Schandauer unten im Elbtal. Dort liegen maximal 250 Megabit pro Sekunde an, in den meisten Bereichen mindestens 30 Megabit.

In Reinhardtsdorf-Schöna sollen maximal 1.000 Megabit möglich sein, verspricht die Telekom. Natürlich kann jeder Haushalt auch geringere und damit günstigere Bandbreiten buchen. Dadurch, dass die Glasfaserkabel bis ins Haus gezogen werden, wird unter Umständen ein neuer Router nötig. Kai Gärtner von der Telekom empfiehlt, sich in einem Fachgeschäft des Unternehmens, beispielsweise in Pirna kundig zu machen, am einfachsten mit einem Handyfoto seines vorhandenen Geräts.

Da der aktuelle Breitbandausbau zu 100 Prozent von Bund und Freistaat gefördert wird, stehen die verlegten Leitungen auch anderen Telekommunikationsunternehmen zur Verfügung. Die Einwohner können ihren Anbieter also frei wählen, je nachdem, welcher vor Ort aktiv wird.

Fertigstellung bis Herbst 2022

Als Termin für die Fertigstellung wird der 30. September 2022 angepeilt, einige nachgemeldete Adressen können später folgen. Das Netz wird allerdings abschnittsweise nach Baufortschritt freigeschaltet. Das heißt, dort wo die Leitungen liegen und die Verteilerkästen angeschlossen sind, kann es auch eher losgehen. Die ersten Haushalte könnten ab Frühjahr 2022 in den Genuss des schnellen Netzes kommen, schätzt die Telekom. Voraussichtlich wird es vorab noch eine Informationsveranstaltung für die Einwohner in der Gemeinde geben.

Dem jetzt endlich startenden Ausbau ist eine wahre bürokratische Odyssee vorausgegangen. Schon 2014 gab es den ersten Anlauf, berichtet Andrea Wötzel, Verwaltungskoordinatorin im Bad Schandau Rathaus. Damals hätte die Gemeinde noch einen Eigenanteil von 25 Prozent zahlen müssen. Dann gab es das neue Förderprogramm mit der kompletten Kostenübernahme, entsprechend mussten auch die Anträge neu gestellt werden.