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Baustopp für Straßenbahn spaltet Strehlen

Eine Klage bringt ein Dresdner Bauprojekt ins Wanken. Jetzt treffen sich Experten zum Krisengespräch und loten Lösungen aus. Die Angst vor steigenden Kosten ist groß.

© René Meinig

Von Christoph Springer

Dresden. Etwa ein Dutzend Fachleute treffen sich an diesem Freitag bei den Dresdner Verkehrsbetrieben (DVB). Sie sitzen am Nachmittag zusammen und beraten über die Oskarstraße. Thema ist der Baustopp, den das Oberverwaltungsgericht (OVG) Bautzen am Dienstag verhängt hat. Dabei geht es vor allem um die Frage, welche Folgen das für die Arbeiten hat und mit welchem finanziellen Schaden sie rechnen müssen. Denn für den Bauausfall werden die beteiligten Firmen Schadenersatz verlangen. Das könnte die veranschlagten Kosten für das Straßenbahnprojekt, rund 20 Millionen Euro, deutlich steigen lassen.

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Kritisch ist der Baustopp vor allem für die Drewag, denn das Versorgungsunternehmen will auf der Oskarstraße zwischen dem Gustav-Adolf-Platz und der Tiergartenstraße eine neue Fernwärmeleitung bauen. Die laufenden Arbeiten dürfen noch beendet werden, sind die Verantwortlichen des Unternehmens überzeugt. Doch ob die Fernwärmeleitung wirklich gebaut werden darf, ist noch nicht sicher. Sprecherin Gerlind Ostmann ist deshalb zurückhaltend. „Wir müssen das machen, was die DVB sagen“, ist sie überzeugt, „wir können da nicht alleine agieren“.

Noch wird auf der Tiergartenstraße und der Oskarstraße gebaut. Das bekamen am Donnerstag indirekt alle Dresdner Autofahrer zu spüren. Denn dabei wurde auf der Tiergartenstraße ein Kabel beschädigt, durch das die Technische Universität und die Verkehrszentrale der Stadt an der Lohrmannstraße Daten austauschen. Daraufhin fiel ein System aus, das die Verkehrslage auf den Elbbrücken und den wichtigsten Hauptstraßen überwacht und die Autofahrer auf Anzeigetafeln mit Infos versorgt. Das Straßen- und Tiefbauamt rechnete damit, dass das Kabel binnen eines Tages repariert werden kann.

„Wir sind gegen die Trasse“

Bei den Anliegern löst der Gerichtsbeschluss vom Dienstag geteilte Reaktionen aus. Anastasia Siebert hofft, dass diese Entscheidung das Aus für die Straßenbahn auf der Oskarstraße bedeutet. Sie hat dort ein Maklerbüro und vermietet zwei Ferienwohnungen. „Die sollen dort fahren, wo sie bisher gefahren sind“, schimpft sie. Jetzt dürfe auch nicht weitergebaut werden, ist die Maklerin überzeugt.

Andreas Boedecker wohnt und arbeitet in einer Villa am Gustav-Adolf-Platz. „Das ist jetzt wie ein Tagebau“, beschreibt er den einstigen Kreisverkehr vor seinem Grundstück. „Wir sind gegen die Trasse“, sagt der Chef eines Ingenieurbüros und einer Immobilienfirma. Der Bau sei „ein Wahnsinn“, findet Boedecker. „Man hätte nur die Gleise auf der Wasastraße sanieren müssen. Aber dafür gibt’s keine Fördermittel, nur für einen Neubau bekommt man Geld.“ Jetzt, so meint er, müsse die Oskarstraße samt dem Kreisverkehr „so schnell wie möglich in Ordnung gebracht werden“. Aber er weiß, dass es Widerstand gegen diese Forderung geben wird. „Wer da Geld investiert hat, wird hundertprozentig dagegen sein, jetzt nicht weiterzubauen.“

Mehrere Parteien, darunter auch die FDP, teilen die Ansicht der Trassengegner. Stadtrat Jens Genschmar sieht die Position seiner Fraktion beim Straßenbahnprojekt auf der Oskarstraße vom OVG bestätigt. „Der fragwürdige Umgang der DVB mit betroffenen Anwohnern ... muss ein Ende haben“, stellt er fest. Doch nicht alle Baustellennachbarn sind der Meinung, dass der OVG-Beschluss die Quittung für eine Fehlentscheidung ist. Dazu gehört auch Friedrich Geise, der Geschäftsführer der Beraterfirma ABG neben dem Haltepunkt Strehlen. „Es ist ungewöhnlich, dass man das in dieser Phase macht“, kommentiert er den Baustopp. „Normal denkt man, dass da alles geklärt ist.“ Er glaubt, dass die Arbeiten nur aufgeschoben sind und dass es bald „wie gewohnt weitergeht.“ Geise setzt auf die Stadtbahntrasse. Schließlich hat sein Unternehmen den ehemaligen Haltepunkt-Bahnhof in Strehlen gekauft und will daraus unter anderem eine kleine Markthalle mit Gemüsestand und Imbiss machen.

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„Mir ist einigermaßen Wurst, ob nun tausend Busse am Tag vorbeifahren, oder Straßenbahnen“, sagt ein anderer Baustellennachbar. Er hofft, dass die Anlieger bald wieder leichter zu ihren Grundstücken kommen. Aus der Schlammwüste vor seinem Haus wird bei Trockenheit eine Staubwüste, fürchtet der Strehlener, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen möchte.