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Kreis Bautzen: Köche und Kellner dringend gesucht

Viele Arbeitskräfte haben in der Pandemie die Gastronomie verlassen. Für einige Restaurants im Landkreis Bautzen hat das bereits Konsequenzen.

Karl-Heinz John ist Inhaber des Berggasthofes Butterberg in Bischofswerda. Um seine Mitarbeiter auch während des Lockdowns zu halten, ließ er sich ein außergewöhnliches Modell einfallen.
Karl-Heinz John ist Inhaber des Berggasthofes Butterberg in Bischofswerda. Um seine Mitarbeiter auch während des Lockdowns zu halten, ließ er sich ein außergewöhnliches Modell einfallen. © SZ/Uwe Soeder

Bautzen. Seit Juni dürfen Cafés und Restaurants im Landkreis Bautzen wieder öffnen. Doch auch Monate nach dem letzten coronabedingten Lockdown bleibt die Lage angespannt. Denn der Gastronomie fehlt Personal. So haben die ersten Gaststätten angefangen, ihre Öffnungszeiten zu verkürzen.

Das Culinarium in der Bautzener Altstadt zum Beispiel hat nun nur noch von Mittwoch bis Freitag ab 17 Uhr geöffnet. Auf Nachfrage wollte sich Inhaber Roman Wagner zu den Gründen nicht äußern. Über seine Facebook-Seite sucht das Culinarium jedoch schon seit Juni einen neuen Koch.

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Das Bierbrauhaus in Obergurig hatte seit Längerem ohnehin nur am Mittwoch, Freitag und Sonntag geöffnet. Um öfter zu öffnen, würde mehr Personal benötigt. „Die Gastronomie hatte schon vor Corona Probleme, Personal zu finden“, erklärt Verwalterin Grit Michalk. „Das liegt vor allem an den meist unattraktiven Arbeitszeiten.“

Die Pandemie habe das Personalproblem weiter verschärft. „Der Markt ist leer. Es ist schwer, neues Personal zu finden“, sagt sie. Das hat nun dazu geführt, dass das Bierbrauhaus in der vergangenen Woche vorerst zum letzten Mal geöffnet hatte.

Gastro steht in Konkurrenz zu anderen Branchen

Beim Berggasthof auf dem Butterberg in Bischofswerda freut man sich, wieder Gäste bewirten zu dürfen. „Wir haben derzeit viele Veranstaltungen“, sagt Eigentümer Karl-Heinz John. Personal fehle ihm derzeit nicht. Dass es soweit kommt, hatte er noch im März befürchtet. „Die Gefahr, dass sich Personal, das jetzt in Kurzarbeit ist, anderweitig orientiert, wäre ein weiterer schwerer Verlust für die Gastronomie“, erklärte er damals.

Dass diese Befürchtung nicht unbegründet war, zeigt eine Umfrage des Dehoga-Bundesverbands aus dem Juni: Unzählige Beschäftigte haben demnach wegen des monatelangen Lockdowns die Gastronomie verlassen. Fast in jedem zweiten Betrieb ist Personal in andere Berufszweige gewechselt.

Tobias Frenzel ist der Junior-Chef in der Spree-Pension in Bautzen. Er musste die Öffnungszeiten bisher nicht verkürzen, aber achtet nun strenger auf deren Einhaltung.
Tobias Frenzel ist der Junior-Chef in der Spree-Pension in Bautzen. Er musste die Öffnungszeiten bisher nicht verkürzen, aber achtet nun strenger auf deren Einhaltung. © SZ/Uwe Soeder

Der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga) in Sachsen kennt das Problem. „Viele Gaststätten und Restaurants schauen mittlerweile, ob sich ein Mittagsangebot noch rechnet, oder verkürzen direkt die Öffnungszeiten“, sagt Axel Klein.

Deswegen sei es sinnvoll, neue Modelle zu finden. Sachsens Dehoga-Chef nennt als Beispiele eine Vier-Tage-Woche oder flexiblere Arbeitszeitmodelle. „Wir stehen mittlerweile in Konkurrenz zu anderen Branchen. In Dresden zum Beispiel arbeiten viele geringfügig Beschäftigte mittlerweile in der Halbleiterindustrie. Diese müssen wir wieder zurückgewinnen“, sagt er.

Personalmangel ist schon länger ein Problem

Um das Personal zu halten, ließen sich Karl-Heinz John und seine Ehefrau Heidi ein besonderes Konzept einfallen. „Wir haben das Stammpersonal an andere Firmen in Bischofswerda vermittelt. Während des Lockdowns war das eine sehr gute und erfolgreiche Lösung. Unser Personal konnte arbeiten und ist danach wiedergekommen“, sagt der Gastronom und führt das auch auf das gute Klima unter den Kollegen zurück.

Engpässe beim Personal kennen die Inhaber des Erbgerichts Tautewalde sehr gut. Bereits vor zwei Jahren schlossen Nadine und Enrico Schulz ihr Restaurant für auswärtige Gäste und führten sonntags einen Ruhetag ein. Das ist bis heute so geblieben. „Aufgrund des Fachkräftemangels werden wir uns vorerst auf unser Hotel sowie unsere Veranstaltungen konzentrieren“, sagte Enrico Schulz schon damals.

Dieses Zitat könnte man eins zu eins auf die jetzige Situation übertragen. Auch jetzt fehlen wieder oder immer noch die Fachkräfte in der Gastronomie. Für Nadine Schulz hat das vor allem einen Grund. „Auch vor Corona gab es nur wenige Fachkräfte. Die Gastronomie hat einen schlechten Ruf“, sagt sie. Die coronabedingte Schließung habe da nur wie ein Katalysator gewirkt.

Wie die Dehoga um Fachkräfte wirbt

Axel Klein und die Dehoga wollen deshalb schon frühzeitig um Fachkräfte werben. „Wir gehen zum Beispiel in die Schulen, bieten dort ein Ganztagsangebot an, kochen gemeinsam mit den Schülern und zeigen, welche Berufe es in der Gastronomie noch gibt.“

Für 15- und 16-Jährige werden außerdem Jobtouren organisiert, bei denen sie den Kellnern und Köchen bei der Arbeit zusehen dürfen. „Und natürlich müssen wir auch ins Ausland schauen und dort um Fachkräfte werben“, sagt Klein. Vor allem der tschechische und polnische Arbeitsmarkt seien interessant.

Dass es auch anders gehen kann, zeigt das Restaurant „Zweite Heimat“ in Ullersdorf bei Radeberg. Keiner seiner Mitarbeiter wechselte in andere Branchen, sagt Betreiber Kali Schneider. Auch an den Öffnungszeiten änderte sich nichts. Ein Grund: Seine Mitarbeiter genießen bei ihm flexible Arbeitszeiten. Zudem werde auch das Trinkgeld geteilt, somit erhält vom Kellner bis zum Geschirrspüler jeder einen kleinen Bonus. Hinzu kommt, dass der Wirt auf etliche Aushilfskräfte wie Schüler und Studenten zurückgreifen kann.

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Auch die Spree-Pension in Bautzen musste bisher die Öffnungszeiten nicht verkürzen. „Aber wir sind etwas strenger in der Einhaltung. Unsere Gäste dürfen abends also nicht mehr ewig zusammensitzen“, sagt Tobias Frenzel. Die Personalsituation sei nicht so angespannt wie in anderen Restaurants. Vor wenigen Monaten habe er neues Personal gesucht und über Ebay-Kleinanzeigen auch gefunden. Doch der Junior-Chef meint: „Wir hatten Glück.“ (mit nr)

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