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Bollerwagen wird zum Theaterkarren

Anfang des Jahres stand das Bautzener Thespis-Zentrum vor dem Aus. Jetzt ist die Finanzierung bis Dezember gesichert - und viel Neues geplant.

Thespis on Tour: Christian Schröter ist einer von fünf Thespis-Mitarbeitern, die in den kommenden Monaten in der gesamten Oberlausitz Geschichten einsammeln und auf die Bühnen bringen wollen.
Thespis on Tour: Christian Schröter ist einer von fünf Thespis-Mitarbeitern, die in den kommenden Monaten in der gesamten Oberlausitz Geschichten einsammeln und auf die Bühnen bringen wollen. © Steffen Unger

Bautzen. Thespis macht sich auf den Weg: Leichtfüßig zieht Christian Schröter den faltbaren Bollerwagen hinter sich her. Mit der bunte Fahnen im leichten Gefährt fällt er in Bautzen auf. „Wir kehren zurück zu unserer ursprünglichen Idee und werden künftig mit unserem Team in der Oberlausitz unterwegs sein. Im Gepäck haben wir Lust, Laune, Spielfreude und Neugier“, sagt der Projektkoordinator vom Bautzener Thespis-Zentrum. Bis Ende des Jahres ist dessen Zukunft mit neuem Konzept und durch die Förderung des Sächsischen Sozialministeriums gesichert.

Christian Schröter wandert zurück ins Büro auf der Goschwitzstraße. Wie vielerorts sind auch seine Kolleginnen und Kollegen im Homeoffice. Mit der Aktion „Thespis muss bleiben“ haben sie Ende des Jahres in den sozialen Netzwerken um den Erhalt ihrer Einrichtung gekämpft. Drei Jahre hat sich Bautzens soziotheatralisches Zentrum aus dem sächsischen Programm Integrative Maßnahmen finanziert. Das 2017 gegründete Thespis-Zentrum gilt in der Stadt und der Region als ein Ort für Begegnungen unter dem Motto „Theater für alle - Mitspielen, Mitmachen, Mitreden“.

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Theater für alle geht auf Tour

Die Idee hinter dem Projekt des Deutsch-Sorbischen Volkstheaters ist es, mit Hilfe des Theaters interkulturelle Gräben zu überwinden. „Uns ging es darum, zu beweisen, dass Theaterspielen eine gute Methode ist, sich selbst und andere kennenzulernen, Sympathien zu entwickeln, sich spielerisch zu begegnen und Vorurteile abzubauen", sagt Theaterintendant Lutz Hillmann. Nach dem Förder-Aus im Januar haben die Thespis-Macher nicht den Kopf in den Sand gesteckt, sondern nach neuen Unterstützern gesucht. Um das Projekt am Laufen zu halten, ist die Bundeszentrale für politische Bildung eingesprungen.

Im November vergangenen Jahres wurde das Thespis-Zentrum mit dem Sächsischen Integrationspreis ausgezeichnet. Die neue Förderung bis Ende 2021 gibt dem Team jetzt die Möglichkeit, mit ihrem modernen, klappbaren Theaterkarren und „Thespis on Tour“ in der Oberlausitz unterwegs zu sein – und gleichzeitig ein Konzept für die Zukunft aufzustellen. „Wir wollen Theater zu den Menschen bringen, so wie der griechischen Tragödiendichter Thespis, der mit seinen Stücken laut Überlieferung auf einem Theaterwagen von zu Ort gezogen ist“, sagt Christian Schröter.

Im Erzählcafé soll es um Biografien gehen

Neben dem Theater Bautzen hat sich das Thespis-Zentrum neue Kooperationspartner gesucht. So werden die Theaterpädagogen unter anderem mit dem Lessing-Museum in Kamenz, der Energiefabrik in Knappenrode und der Gedenkstätte Bautzen II zusammenarbeiten. Weitere Vereine sollen dazu kommen. Doch wie sieht das Projekt nun konkret aus? „Wir wollen, sobald es wieder möglich ist, an unterschiedlichen Orten zuerst zum Erzählcafé einladen. Wir wissen, die schönsten Geschichten gibt es in gemütlicher Atmosphäre bei einem Kaffeekränzchen“, sagt der Kulturmanager.

Beim Erzählen geht es vor allem um ganz unterschiedliche Biografien – von Menschen mit Oberlausitzer Wurzeln genauso wie von jenen, die in der Region zwischen Neiße und Spree irgendwann ihre neue Heimat gefunden haben.

Auch Christian Schröter ist einer dieser Zugezogenen. Vor zwei Jahren kam der gebürtige Thüringer nach Bautzen als Teil des Thespis-Teams. Zu dessen Arbeiten gehörte zum Beispiel die dreimalige Organisation des Theaterfestivals „Willkommen anderswo“ mit Bühnen aus ganz Deutschland. Dazu kamen Workshops, Theatergruppen, Treffen und Symposien. Theaterpädagogen arbeiteten mit Kindern und Jugendlichen bei Ganztagsangeboten in Schulen. Die Mitglieder der transkulturellen Bürgerbühne feierten erst im September 2020 die Premiere ihres Stückes „Raus?! - Von Lebenslinien und Grenzerfahrungen“. Derzeit treffen sie sich unter der Leitung Christian Schröters im digitalen Proberaum. Dieses Bürgerbühnen-Projekt wird auch fortgesetzt.

Beraterin hilft Menschen mit Migrationshintergrund

Den Schritt auf die Theaterbühne soll „Thespis on tour“ ebenfalls wagen. Denn nach dem Geschichtenerzählen sollen aus dem Gehörten kleine Schauspiel-Collagen werden. „Wir wollen Menschen mit verschiedensten gelebten Erfahrungen zusammenbringen. Wir laden ein und arbeiten mit der Freiwilligkeit der Laien “, sagt Christian Schröter.

Für die Vorbereitung auf das Rampenlicht sind Theatercamps geplant. Gezeigt werden sollen die kleinen Szenen unter anderem bei den Kooperationspartnern. So ist für den Theaterpädagogen gut vorstellbar, dass sich im Bautzener Stasiknast die Themen Freiheit, Verrat, Treue mit Schicksalen von einst und Erzähltem von heute miteinander verweben können.

Der leichte Bollerwagen wartet auf seinen Einsatz. Sobald es die Pandemie-Entwicklung möglich macht, wollen die fünf Thespis-Mitarbeiter in die Oberlausitz ausschwärmen. Das Zentrum auf der Goschwitzstraße bleibt weiter Anlaufpunkt für Interessierte. Neben den Theaterpädagogen gibt es eine Stelle für politische Bildung und eine Beraterin für Menschen mit Migrationshintergrund.

Christian Schröter und seine Kollegen werden die kommenden Tage nutzen, um das Netzwerk für „Thespis on tour“ zu erweitern. Das Gepäck mit Lust, Laune, Spielfreude und Neugier liegt griffbereit. Es wird Zeit, dass sich Thespis mit seinem Theaterkarren wieder auf den Weg macht.

Kontakt: [email protected]

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