merken
PLUS Bautzen

Schmochtitz: Von Single-Kurs bis Klimaschutz

Das Bildungsgut Schmochtitz erweitert sein Angebot. Es will damit auch Leute ansprechen, die bisher noch nie dort waren.

"Unser Haus will Menschen zusammenbringen", nennt Rektor Sebastian Kieslich den Anspruch des Bildungsgutes Schmochtitz Sankt Benno.
"Unser Haus will Menschen zusammenbringen", nennt Rektor Sebastian Kieslich den Anspruch des Bildungsgutes Schmochtitz Sankt Benno. © SZ/Uwe Soeder

Bautzen. Das Bischof-Benno-Haus heißt jetzt Bildungsgut Schmochtitz Sankt Benno. Rektor Sebastian Kieslich sieht es als einen Ort des Austauschs in ganz unterschiedlichen Bereichen zwischen Religion und Lebensorientierung. Warum Kirche in einer Region mit immer weniger Mitgliedern jedoch auch gesellschaftspolitische Veränderungsprozesse thematisieren und begleiten muss, sagt er im Gespräch mit Sächsische.de.

Anzeige
Spaß und Nervenkitzel pur
Spaß und Nervenkitzel pur

Im Laserland Dresden können auch Erwachsene mal wieder Kind sein: Ein einzigartiges Erlebnis für Kollegen, Freunde und Familie und ideales Geschenk!

Herr Kieslich, das Bischof-Benno-Haus heißt jetzt Bildungsgut Schmochtitz Sankt Benno. Warum?

Der Umbenennung ist ein langer Prozess vorausgegangen. Seit der Gründung des Bildungshauses für das Bistum Dresden-Meißen hat sich im und am Haus viel verändert. Die Angebote haben dafür gesorgt, dass viele Menschen hergekommen sind, Christen und Nicht-Christen. Viele Veranstaltungen haben Menschen aus nah und fern angezogen. Es ist ein Haus in und für die Region geworden, jedoch hat sich auch die Welt um uns herum weitergedreht.

Was meinen Sie damit?

Wir sehen, dass die Kirche immer weniger Mitglieder hat, auch wenn es hier in der Region noch einige Dörfer und Ortschaften gibt, die katholisch geprägt sind und in denen die Traditionen und Brauchtum gelebt werden. Aber wir brauchen gar nicht so weit fahren – da ist den Menschen von Kirche und Glaube wenig bekannt. Wir sind Missionsland. Das heißt, ein Großteil der Menschen hat mit Kirche und Glaube bisher keine großen Berührungspunkte.

Aber das Benno-Haus wollte ja schon immer auch jenen Menschen Angebote machen.

Ja, das stimmt. Wer einmal im Bischof-Benno-Haus war, der weiß, was das Haus ist und was es bietet. Mit dem neuen Namen wollen wir besonders die Menschen ansprechen, die noch nie hier waren – dazu gehören auch jene, die bisher mit Kirche und Glauben wenig anfangen können. Uns wurde nicht selten widergespiegelt, dass Menschen danach fragen: Ist das Haus nur für Priester und Bischöfe da?

Welche Veränderungen gibt bei den Angeboten?

Mir ist wichtig, dass das Haus seinen Charakter bewahrt: Das heißt, den Menschen, der bei uns Gast ist, und auch den, der bei uns arbeitet, mit seiner ganzen Geschichte zu sehen. Wir wollen die Welt, so wie sie ist, in allen Facetten betrachten – mit ihren Freuden, Hoffnungen, Ängsten und Sorgen. Der erste Schritt war jetzt für uns dieses Update, dass der Name das widerspiegelt, was wir heute sind: Bildung und Begegnung. Mit dem neuen Programm wird es auch neue Kurse geben im Spannungsfeld von Kirche, Religion, Lebensberatung und Lebensorientierung. Es bleiben auch erfolgreiche Angebote wie die Großeltern-Enkel-Tage, der Single-Kurs oder die kreativen Kursangebote.

Wo wollen Sie verstärkt Angebote machen?

Beim Thema Gesellschaftspolitik und einem zusätzlichem Kapitel mit dem Titel „Achtung Schöpfung“. Wir haben seit März eine Umweltbildnerin bei uns, die diese Veranstaltungsreihe aufgelegt hat - mit Nachtexkursionen, Seminaren, Workshops bis hin zu Vorträgen zu Klimaschutz oder fairem Handel. Uns als Kirche ist dieses Thema wichtig, weil wir den nächsten Generationen eine Welt hinterlassen wollen, mit der sie gut leben können. Christ-Sein bedeutet auch, sorgsam mit den uns anvertrauten Ressourcen umzugehen. Unsere Verantwortung ist es, den nächsten Generationen eine Welt zu hinterlassen, in der sie leben und die sie weitergestalten können.

Herr Kieslich, Sie sprachen auch von weiteren gesellschaftspolitische Angeboten...

Ja, wir sehen uns als Ort des Austauschs, wo Streitgespräche stattfinden können. Wir wollen hier eine Atmosphäre bieten, in der jeder Mensch in seiner Meinung und seiner Person respektiert wird. Es geht darum wahrzunehmen, dass die eigene Meinung nicht die einzige und wahre ist. Die Radikalisierungen und das Auseinander-Klaffen der Gesellschaft macht deutlich, dass den Menschen der Glaube abhanden geht. Da muss Kirche einwirken und gesellschaftspolitische Veränderungsprozesse thematisieren und begleiten. Hier in der Oberlausitz sind die Transformationen durch den Braunkohleausstieg nahe. Das Leben wird sich weiter verändern. Darüber müssen wir uns doch unterhalten, wenn wir die Welt und unser Land gestalten wollen.

Welche neue Formate wird es geben?

Darüber denken wir gerade nach, zum Beispiel über konkrete Angebote für Senioren oder für Menschen der mittleren Generationen, die Familie haben und mitten im Berufsleben stehen. Ihre Lebenswelten wollen wir ansprechen. Sie sollen bei uns auf ein Umfeld treffen - sei es durch die Beschaffenheit des Hauses, durch die inhaltlichen Angebote, durch unser Personal, durch die Begegnung mit anderen Menschen - wo sie näher zu sich kommen und – das ist und bleibt unser Auftrag - Gott entdecken, aufspüren und wahrnehmen können. Darüber hinaus sehe ich es als unsere Aufgabe, gesellschaftspolitische Themen stärker zu besetzen – und unsere Räume genau für solche Diskurse zu öffnen. Solche Veranstaltungen wollen wir live über unseren Youtube-Kanal übertragen.

Neue Formate bedeuten auch neue Zielgruppen?

Wir bleiben zuerst einmal das Bildungs- und Begegnungshaus des Bistums Dresden-Meißen. Unsere Angebote sind aber auch für Menschen, die bisher mit Kirche und Glaube wenig in Berührung gekommen sind. Sie haben auch ihre Fragen und suchen nach Sinn und Orientierung. Es geht auch um das Gespräch und das Voneinander-Lernen zwischen den Generationen, was durch die Vereinzelung in der Gesellschaft verloren zu gehen scheint. Für unser Haus ist es eine wesentliche Aufgabe, Menschen zusammenzubringen und ihnen Raum zu geben für ihre Fragen und ihre Anliegen. So begreife ich Kirche. Jeder Gast ist hier herzlich willkommen, unabhängig von seiner Weltanschauung und seiner Herkunft. Unsere Türen sind offen.

Programm: www.bildungsgut-schmochtitz.de

Mit dem kostenlosen Newsletter „Bautzen kompakt“ starten Sie immer gut informiert in den Tag. Hier können Sie sich anmelden.

Zur Anmeldung für den kostenlosen Newsletter „Kamenz kompakt“ geht es hier.

Mehr Nachrichten aus Bautzen lesen Sie hier.

Mehr Nachrichten aus Bischofswerda lesen Sie hier.

Mehr Nachrichten aus Kamenz lesen Sie hier.

Mehr zum Thema Bautzen