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Braucht Malschwitz einen Supermarkt?

Die Edeka-Gruppe möchte an der Guttauer Landstraße einen Diska-Markt errichten lassen. Doch der Gemeinderat lehnt ab. Das sind die Gründe dafür.

Mit dem Einkaufswagen durch den Discounter: In Malschwitz wird daraus nichts. Der Gemeinderat hat den Bau eines Diska-Marktes abgelehnt.
Mit dem Einkaufswagen durch den Discounter: In Malschwitz wird daraus nichts. Der Gemeinderat hat den Bau eines Diska-Marktes abgelehnt. © Fabian Sommer/dpa (Symbolbild)

Malschwitz. Daran, dass André Kunath kann, wenn er darf, besteht kein Zweifel. Jüngst hat der Projektentwickler aus Bischofswerda gemeinsam mit seinen Auftragnehmern den Rohbau eines Edeka-Supermarktes am Ortsausgang in Weißenberg fertiggestellt. Schnittchen stehen dort am vergangenen Donnerstag auf den Tischen im Eingangsbereich. Der Bau wirkt einzugsbereit. Im September soll der Markt eröffnen. Die Regalbauer kommen in dieser Woche, berichtet Kunath. Mit seinem Büro hat er den Standort in Weißenberg entwickelt, eine Änderung des Bebauungsplans erwirkt und das Areal schließlich verkauft. Die Edeka-Gruppe erhielt den Zuschlag.

Projektentwickler André Kunath lässt in Weißenberg einen neuen Edeka-Markt bauen. Darüber hinaus soll er im Auftrag der Edeka-Gruppe einen Diska-Markt in Malschwitz entwickeln - doch das lehnt der Gemeinderat ab.
Projektentwickler André Kunath lässt in Weißenberg einen neuen Edeka-Markt bauen. Darüber hinaus soll er im Auftrag der Edeka-Gruppe einen Diska-Markt in Malschwitz entwickeln - doch das lehnt der Gemeinderat ab. © Steffen Unger

Und sie involvierte André Kunath in weitere Pläne. Die sehen einen Diska-Markt - einen Nahversorger, wie Edeka ihn nach eigener Aussage vornehmlich in ländlich geprägten Regionen errichtet - in Malschwitz vor, und zwar am Ortsausgang zwischen Guttauer Land- und Gleinaer Straße. Weil Malschwitz der zentrale Ort der Flächengemeinde ist, sei die Edeka-Gruppe an diesem Standort interessiert, sagt André Kunath. Neben dem Einkaufsmarkt sieht eine erste, vorsichtige Projektskizze die Schaffung eines Standortes für mehrere Einfamilienhäuser vor. Ähnlich ist Kunath in Weißenberg verfahren - und mit der Strategie erfolgreich gewesen.

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Auf der Fläche zwischen Gleinaer und Guttauer Landstraße würde André Kunath gern einen Diska-Markt samt großem Parkplatz und eine Reihe von Eigenheimgrundstücken entwickeln.
Auf der Fläche zwischen Gleinaer und Guttauer Landstraße würde André Kunath gern einen Diska-Markt samt großem Parkplatz und eine Reihe von Eigenheimgrundstücken entwickeln. © André Kunath Projektentwicklung

Nicht so in Malschwitz. Ende Juni standen Kunaths Pläne dort im nichtöffentlichen Teil der Sitzung des Gemeinderates auf der Tagesordnung. Sie wurden mehrheitlich abgelehnt, sagt André Kunath und äußert Unverständnis. Sein Eindruck: Den Bürgern wurde die Idee gar nicht erst zur Diskussion vorgetragen.

Über die Diska-Pläne wurde öffentlich nicht diskutiert

Das bestätigt sich im Gespräch mit Vertretern des Gemeinderates. "Bevor Herr Kunath in dieser Sitzung von seinem Stuhl aufgestanden und uns berichtet hat, haben wir alle noch nie von diesen Plänen gehört", sagt ein Gemeinderat am Telefon. Seinen Namen will er in diesem Zusammenhang nicht in der Zeitung lesen. Die Entscheidung sei schließlich nichtöffentlich gefallen, sagt er. Dass aber weder Bürger noch Gewerbetreibende zu der Sache befragt wurden, fährt er fort, finde er falsch: "Natürlich müssen wir die kleinen Läden in Malschwitz erhalten. Aber es könnte sein, dass wir uns vorzeitig eine Chance verbauen, ohne mit den Bürgern und Gewerbetreibenden gesprochen zu haben."

Einige von ihnen äußern sich nun auf Anfrage von Sächsische.de zu den Plänen. So stellt der Malschwitzer Bürgermeister Matthias Seidel (CDU) klar: "Malschwitz hat eine gute Laden-Infrastruktur. Die könnte durch einen großen Markt zerstört werden." Ähnlich sehen das einige der ortsansässigen Gewerbetreibenden. So fragt Iris Gerber, die einen Lebensmittel- und Textilwarenladen am Malschwitzer Dorfplatz betreibt, am Telefon rhetorisch zurück: "Was glauben Sie denn, was ich für eine Meinung dazu habe?" Sie hätte es begrüßt, wenn André Kunath persönlich auf sie zugekommen und mit ihr über die Pläne gesprochen hätte, sagt sie.

Gewerbetreibende fürchten die Konkurrenz

Auch Ute Trittmacher von der gleichnamigen Landbäckerei kann der Idee eines Discounters wenige Gehminuten von ihrer Ladentür entfernt nur wenig abgewinnen: "Wir betreiben drei Filialen, unter anderem eine im Penny-Markt in Kleinwelka. Aber unser Stammsitz in Malschwitz läuft am besten", sagt sie. Natürlich habe sie kein Interesse daran, dass eine weitere Bäckerei nur 400 Meter entfernt eine Filiale eröffnet: "Das würde uns ganz sicher Kunden kosten", sagt sie. Mit ihrem Bäckereiverkauf umzuziehen, sei zwar ebenfalls sinnfrei, aber: "Wahrscheinlich müsste ich aber aus der Not heraus umziehen, wenn der Markt käme", sagt sie.

Zwei Bedenken sind es, die in Gesprächen mit Ortsansässigen immer wieder zur Sprache kommen: Diska, findet neben Ute Trittmacher auch Niedergurigs Ortsvorsteher Bruno Schumpp, sei nicht unbedingt der Supermarkt, den man sich in der Gemeinde Malschwitz wünsche.

Anderer Standort wäre wünschenswert

Und auch der Standort sei unglücklich gewählt, findet Gemeinderatsmitglied Tino Gregor: "Die Ortschaft Malschwitz hat wenigstens noch einen Konsum, einen Bäcker, einen Fleischer und einen Getränkehandel. In Niedergurig haben wir nur noch einen Anglerbedarfs-Laden und ein riesiges Gewerbegebiet." Auch der bei Touristen beliebte Olbasee mit den Ortschaften Wartha und Kleinsaubernitz sei deutlich unterversorgt, findet etwa Baruths Ortsvorsteherin Silvia Michel.

Der Vorschlag, mit dem Projekt in einen anderen Ortsteil der Großgemeinde Malschwitz zu ziehen, wurde André Kunath bereits unterbreitet. Aber er hat kaum Aussichten auf Umsetzung - eher im Gegenteil: "Die Supermärkte, in diesem Fall die Edeka-Gruppe, suchen sich ihre Standorte selbst aus", erklärt Kunath. Wenn die Gemeinde sich jetzt nicht dafür entscheide, sei nicht garantiert, dass die Wachstumspläne der Edeka-Gruppe auch in Zukunft Malschwitz als geeigneten Standort ansehen werden. "Es kann sein, dass die Expansion in fünf Jahren nach ganz anderen Kriterien abläuft. Und dann steht Malschwitz dauerhaft ohne Supermarkt da", so Kunath.

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