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Hier sollen sich Manager entspannen

Fünf Jahre stand das Erbgericht Wehrsdorf leer. Was der neue Eigentümer Victor Philippi plant - und wie er auf Kritik an seiner "Heilmethode" reagiert.

Wo einst im Wehrsdorfer Erbgericht die Bowlingbahn war, will Viktor Philippi bald seine "Kristalltherapie" anbieten.
Wo einst im Wehrsdorfer Erbgericht die Bowlingbahn war, will Viktor Philippi bald seine "Kristalltherapie" anbieten. © SZ/Uwe Soeder

Sohland. Während die Augen des Betrachters immer größer werden, führt Viktor Philippi fast abgeklärt durch die zwölf prunkvollen Gästezimmer im ehemaligen Wehrsdorfer Erbgericht. Das Himmelbett da, das sei ungefähr 200 Jahre alt, erzählt er. Den passenden Kleiderschrank aus Holz hätten die Wehrsdorfer Werkstätten mit einer speziellen Methode gefertigt. Die Fliesen in den Bädern und der prachtvollen Sauna - sie alle haben unterschiedliche Farben und tragen dieselbe Handschrift eines bekannten Designers. Alles das erzählt Viktor Philippi, als seien es zwar schöne, in Summe aber weiter nicht zu erwähnende Nebensächlichkeiten.

Während er durch den langen Gewölbegang führt, der jenem im Moskauer Kreml nachempfunden sein soll, ändert sich sein Ausdruck. Er bleibt vor der mannshohen Statue eines Paares stehen: "Mars steht für die Zerstörung, Venus für die Schöpfung", erklärt er und fordert den Betrachter auf, die Augen zu schließen.

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Das Umgebinde, das heute den Gang zu den einzelnen Therapieräumen schmückt, hat Viktor Philippi beim Abriss eines Hauses in Kirschau gerettet.
Das Umgebinde, das heute den Gang zu den einzelnen Therapieräumen schmückt, hat Viktor Philippi beim Abriss eines Hauses in Kirschau gerettet. © SZ/Uwe Soeder

Beim Wieder-Öffnen, blickt man auf strahlend blauen Himmel, die Weite der Oberlausitz samt ihrer Umgebindehäuser und in die leuchtenden Augen von Viktor Philippi. Hier im Keller, wo einst die Bowlingbahn untergebracht war, hat der Unternehmer, der 1999 im Sohlander Ortsteil Taubenheim mit dem Aufbau seines Gesundheitszentrums begann, zwei seiner vielen Leidenschaften an einem Ort unter der Erde vereint.

Da wäre zum einen die Liebe zu seiner Wahlheimat mit ihrem typischen Baustil. Beidem hat er ein großes Wandgemälde gewidmet und sogar das hölzerne Umgebinde von einem der ältesten Häuser Kirschaus gerettet. "Diese Gegend liegt wie im Märchen", findet Philippi. Viele seiner Gäste - derzeit seien es jährlich etwa 6.000 - kämen aus dem gesamten deutschsprachigen Raum. Er wolle ihnen hier auf seine Weise die Schönheit der Region nahebringen.

Aufnahmen aus dem Schlosspark zieren Therapieräume

Ein wenig versteckt um die Ecke schließlich liegt das neue Herzstück von Viktor Philippis Kristall-Hotel - die namensgebenden Therapieräume. Sieben sind es an der Zahl, einer für jedes Chakra, wie der Inhaber erklärt. Herzstück eines jeden Raumes ist ein großer, leuchtender Kristall. Er wird ergänzt durch Bildaufnahmen aus dem Taubenheimer Schlosspark. Nach oben blickt man in die Wipfel von 14 Bäumen. Während der musikalisch begleiteten Therapie solle man sich fühlen, als läge man im Freien, erläutert der 68-Jährige.

In den Kammern sollen - sobald wieder möglich - vor allem Führungskräfte und Manager behandelt werden, die auf diese Weise ihre Anspannung loswerden und zu neuem Wohlbefinden finden sollen. Zwischen drei und sieben Tagen im Kristall-Hotel sollen sie dafür brauchen.

Wie im Freien sollen sich Gäste im Wehrsdorfer Kristall-Hotel während ihrer Therapie fühlen.
Wie im Freien sollen sich Gäste im Wehrsdorfer Kristall-Hotel während ihrer Therapie fühlen. © SZ/Uwe Soeder

Skepsis ob der Wirksamkeit der Behandlung, für die es keine wissenschaftlichen Beweise gibt, ist Viktor Philippi gewohnt: "Schulmediziner und Professoren greifen mich immer wieder an. Manche bezeichnen mich als Wunderheiler. Dabei halte ich gar nichts vom Heilen. Der Körper heilt sich selbst, wenn man die richtigen Knöpfe drückt. Danach braucht er nur noch Zeit", erläutert er seine Sichtweise.

Im edlen, lichtdurchfluteten Schulungsraum soll die auch bald an künftige Kursleiter vermittelt werden. Interesse hieran hätten vor allem Hotels aus Österreich und Südtirol angemeldet - also solche, die ihr Geschäft klassischerweise im Winter machen und nach sommertauglichen Angeboten suchen.

Restaurant soll öffentlich zugänglich sein

Und auch die Wiedereröffnung des Restaurants im Erdgeschoss plant Philippi. Das soll öffentlich zugänglich sein - und mit leichter Küche locken, die die Entgiftung und Entschlackung fördern soll. Ob das den Einheimischen schmeckt, da ist Viktor Philippi sich nicht sicher. Dennoch hofft er, dass viele Bewohner aus Wehrsdorf und Umgebung die Gelegenheit nutzen und sich während des Tages der offenen Tür, den der Unternehmer zur Eröffnung plant, ein eigenes Bild von seinem Angebot machen.

Wann es so weit sein wird, da will sich der Hotelinhaber noch nicht festlegen - schließlich müsse dazu nicht nur die Pandemie vorbeigehen. Auch die Menschen müssten sich wieder trauen, in Gemeinschaft zusammenzukommen. Dennoch rechnet er damit, noch in diesem Jahr mit dem Betrieb starten zu können. Sorgen um die verlorene Zeit macht er sich nicht: "Corona hat mich gerettet. So konnte ich ohne Stress alles vorbereiten", sagt er.

Fünf Jahre lang lag das Wehrsdorfer Erbgericht im Dornröschenschlaf. Viktor Philippi kaufte das ehemalige Residenzhotel Trüggelmann und entwickelte ein neues Konzept für dessen Betrieb.
Fünf Jahre lang lag das Wehrsdorfer Erbgericht im Dornröschenschlaf. Viktor Philippi kaufte das ehemalige Residenzhotel Trüggelmann und entwickelte ein neues Konzept für dessen Betrieb. © SZ/Uwe Soeder

Dass sein Konzept sich trägt, dessen ist sich Viktor Philippi, der unlängst auch das Oppacher Schloss gekauft hat, sicher. Horst Trüggelmann, der einst die Wehrsdorfer Werkstätten leitete und das Hotel aufwendig sanieren ließ, sei sein Freund gewesen. Aber er habe ihm immer gesagt, dass allein wegen des Wellnessbereiches niemand nach Wehrsdorf kommen würde, erinnert Viktor Philippi sich heute.

Wenngleich der umtriebige Senior mit der Inbetriebnahme des Hotels, der Sanierung des Oppacher Schlosses, die er bis Sommer nächsten Jahres weitestgehend beendet haben will, und dem bestehenden Angebot in Taubenheim genug um die Ohren haben dürfte, denkt er nicht daran, mit dem Planen aufzuhören. "Ich habe noch viele verrückte Ideen und viele Träume", sagt er. Worum genau es sich handelt, das will er noch nicht verraten. Und auch ein ziemlich klares Ziel hat er vor Augen: "Mit 80 will ich mich zur Ruhe setzen. Dann will ich hobbymäßig meine Memoiren schreiben", verrät er mit einem Schmunzeln.

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