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Bautzens OB verkauft den "Alten Fritz" in Hochkirch

Alexander Ahrens hatte den früheren Gasthof vor ein paar Jahren erworben. Der Zustand ist seitdem nicht besser geworden. Ist die Immobilie noch zu retten?

Seit seiner Schließung 2011 sieht es trübe für den historischen Gasthof "Alter Fritz" in Hochkirch aus. Der derzeitige Eigentümer, Bautzens Oberbürgermeister Alexander Ahrens, will es jetzt verkaufen.
Seit seiner Schließung 2011 sieht es trübe für den historischen Gasthof "Alter Fritz" in Hochkirch aus. Der derzeitige Eigentümer, Bautzens Oberbürgermeister Alexander Ahrens, will es jetzt verkaufen. © Steffen Unger

Bautzen. Das klingt irgendwie alles nicht nach einem dankbaren Investitionsobjekt: Bröckelnde Fassaden, teils undichte Dächer, aufsteigende Feuchtigkeit, insgesamt teilweise erheblicher Sanierungsbedarf - so steht es um das Traditionswirtshaus "Alter Fritz" an der Bundesstraße 6 in Hochkirch. Das ist den Verkaufsunterlagen der Sächsische Grundstücksauktionen AG zu entnehmen. Gleichzeitig, auch das belegt das Dokument, ist der denkmalgeschützte Gasthof "baugeschichtlich, ortsgeschichtlich und straßenbildprägend von Bedeutung".

Und er ist Teil der Identität der Hochkircher, wie eine Einwohnerin im Vorbeigehen klarmacht. Für einen Schwatz bleibt sie kurz stehen: "Das ist doch der Mittelpunkt des Ortes", sagt sie und deutet auf die exponierte Lage des ehemaligen Wirtshauses neben dem Gemeindeamt mit seinem Ballsaal, der Kirche und der geschichtsträchtigen Blutgasse. "Eine Schande, dass das Gebäude so verfällt", sagt sie und geht weiter.

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Arndt Matthes ist der zweite Vorsitzende des Kulturhistorischen Vereins "Alter Fritz" aus Hochkirch. Die colorierte Zeichnung in seinen Händen zeigt Hochkirchs Ortskern in einer Zeit, als die B 6 vermutlich gerade im Entstehen war.
Arndt Matthes ist der zweite Vorsitzende des Kulturhistorischen Vereins "Alter Fritz" aus Hochkirch. Die colorierte Zeichnung in seinen Händen zeigt Hochkirchs Ortskern in einer Zeit, als die B 6 vermutlich gerade im Entstehen war. © Steffen Unger

Weshalb die Hochkircher so an ihrem "Alten Fritz" hängen, kann Arnd Matthes erklären. Der zweite Vorsitzende des Kulturhistorischen Vereins "Alter Fritz" Hochkirch/Bukecy kennt das Wirtshaus noch aus der Zeit vor seiner Schließung im Jahr 2011. Bereits 200 Jahre zuvor, nach seiner Erbauung im Jahr 1814, sei das Haus ein wichtiger gesellschaftlicher Anlaufpunkt gewesen: "Damals war es normal, dass man sonntags nach der Kirche ins Gasthaus ging." Zudem sei die Verlängerung der Blutgasse nach Cunewalde einst eine wichtige Achse gewesen, um Reisigfuhren aus dem Heide- und Teichland ins Oberland zu bringen.

Dorfmittelpunkt verkommt zum Schandfleck

Umso betroffener macht die Hochkircher, wie die Geschichte des "Alten Fritz" 200 Jahre nach seiner Eröffnung weiterging. Zu einem "Schandfleck" habe sich die Immobilie entwickelt, sagt Hochkirchs Bürgermeister Norbert Wolf (parteilos). Er bestätigt, dass das Gebäude Bautzens Oberbürgermeister Alexander Ahrens (SPD) gehört. Verkommen lassen hätten die Immobilie allerdings vornehmlich die Vorbesitzer. "Das war großer Murks", sagt Norbert Wolf.

Etwa 560 Quadratmeter groß ist das Grundstück, das derzeit zum Verkauf steht. Zum historischen Gebäude von etwa 1814 gehören Anbauten vom Beginn des 21. Jahrhunderts.
Etwa 560 Quadratmeter groß ist das Grundstück, das derzeit zum Verkauf steht. Zum historischen Gebäude von etwa 1814 gehören Anbauten vom Beginn des 21. Jahrhunderts. © Steffen Unger

Man sei daher frohen Mutes gewesen, als man vor einigen Jahren erfahren habe, dass Alexander Ahrens die Immobilie gekauft hat; habe auf eine neue Zukunft für den "Alten Fritz" gehofft. "Wir versuchen natürlich nach unseren Möglichkeiten, den Ortskern schön zu halten. Aber in diesem Fall kann die Gemeinde allenfalls Sicherungsmaßnahmen unternehmen, wenn Gefahr droht", erklärt Wolf.

Weil auch Alexander Ahrens offensichtlich nicht viel unternahm, verkam die Bausubstanz weiter. "Die Enttäuschung darüber war riesengroß", sagt Wolf heute. Er habe sich deshalb mit einem privaten Schreiben an Bautzens Oberbürgermeister gewandt; er wollte erfahren, was dieser mit der Immobilie plant. "Er teilte mir mit, dass er kein passendes Konzept für das Gebäude finde", so Wolf weiter. Er äußert dafür insofern Verständnis, als dass er sagt: "Ich hätte auch keine zündende Idee, was man damit machen sollte."

"Alter Fritz" wird am 1. Juni versteigert

Ahrens entschied sich nun für den Verkauf. Für ein Mindestgebot von 15.000 Euro wird der Altbau mit seinen zwei Anbauten am 1. Juni versteigert. Der Oberbürgermeister, der derzeit auch ein Haus auf dem Bautzener Lauenareal verkauft, will sich dazu öffentlich nicht äußern. Es handele sich hierbei um eine reine Privatangelegenheit, zu der die Stadt Bautzen keine Angaben mache, teilt Bautzens kommissarischer Pressesprecher Markus Gießler mit.

Ein Schild aus besseren Tagen hängt noch heute an der Rückseite des Gasthauses "Alter Fritz". Daneben sind Kanonenkugeln in die Fassade eingemauert. Sie stammen aus der Schlacht bei Hochkirch im Jahr 1758.
Ein Schild aus besseren Tagen hängt noch heute an der Rückseite des Gasthauses "Alter Fritz". Daneben sind Kanonenkugeln in die Fassade eingemauert. Sie stammen aus der Schlacht bei Hochkirch im Jahr 1758. © Steffen Unger

Geht mit dem neuerlichen Verkauf nun die Rettung des "Alten Fritz" einher? Norbert Wolf hat Zweifel: "Die Dinge, die da kommen können, sind ziemlich eingeschränkt", sagt er und erklärt: Der Umbau zum Wohnhaus sei durch die Lage direkt an der starkbefahrenen B 6 nicht zu empfehlen, eine Gaststätte würde sich vermutlich nicht tragen.

Arnd Matthes hat noch Hoffnung. "Ein Liebhaber mit einem durchdachten Konzept und ausreichend finanziellen Mitteln könnte das Gebäude retten", glaubt er und hält die Gelegenheit sogar für günstig. "Heimische Geschäfte und Gastronomie werden nach der Pandemie wieder bedeutender", ist er sicher. Darüber hinaus bestehe mit der Aussicht auf Fertigstellung der B 178 von Nostitz nach Weißenberg die Chance, dass der Verkehr durch Hochkirch in Zukunft abnehme.

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