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Bildungsgut Schmochtitz jetzt mit eigenem Saft

Für ein Projekt zur ökologischen Bildung werden noch Baumpaten gesucht. Dabei geht es um mehr als den Erhalt alter Sorten.

Von Miriam Schönbach
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Reiche Ernte: 500 Kilogramm Äpfel und Birnen kamen von der Streuobstwiese im Bildungsgut Schmochtitz für den hauseigenen Most. Leiter Sebastian Kießlich, Umweltpädagogin Christine Weber und Küchenleiter Martin Riedel (v.l.) schmeckt er sehr gut.
Reiche Ernte: 500 Kilogramm Äpfel und Birnen kamen von der Streuobstwiese im Bildungsgut Schmochtitz für den hauseigenen Most. Leiter Sebastian Kießlich, Umweltpädagogin Christine Weber und Küchenleiter Martin Riedel (v.l.) schmeckt er sehr gut. © SZ/Uwe Soeder

Bautzen. Der Apfel-Birnen-Saft ist goldgelber, flüssiger Herbst. Rektor Sebastian Kieslich gießt ein paar Gläser für seine Kollegen im Bildungsgut Schmochtitz ein. „Schön, nicht zu süß und 100 Prozent Bio“, lautet das Urteil der Umweltpädagogin Christine Weber.

Unter ihrer Obhut wächst die Streuobstwiese der katholischen Bildungs- und Tagungseinrichtung. 500 Kilogramm kamen in diesem Erntejahr auf die Waage – und anschließend in die Kelterei Kekila in Lawalde-Lauba. Für den Saft gibt es nun erstmals auf der Flasche ein eigens kreiertes Etikett – mit einer Draufsicht auf das alte Rittergut.

444 Flaschen stehen so für Gäste bereit. „Aber der Saft ist ja nur ein Teil unseres Projekts zur ökologischen Bildung mit unserer Streuobstwiese als Ausgangspunkt. Denn Streuobstwiesen gehören europaweit mit bis zu 3.000 Arten zu den wertvollsten Biotopen“, sagt Christine Weber.

Der eine Hektar Land mit 49 Apfel-, Birnen- und Pflaumenbäumen liegt nur wenige Schritte vom Haupteingang des Bildungsguts entfernt. Platz ist auf der Wiese für mindestens noch einmal so viele Bäume. Deshalb sucht das Bildungsgut St. Benno Paten für die alten Sorten.

46 Apfelsorten gelten als verschollen

Vor allem alte Lausitzer Obstsorten sollen ihre neue Heimat auf der Streuobstwiese bekommen. Im 19. Jahrhundert standen so klangvolle Apfelsorten wie der Bischofshut, der Lausitzer Nelkenapfel, die Oberlausitzer Muskatrenette, der Schöne aus Herrnhut oder der Sohlander Streifling noch in den meisten Gärten der Region.

Von den ursprünglich rund 160 in der Oberlausitz wachsenden Apfelsorten sind heute nach aktuellen Forschungen der Oberlausitz-Stiftung in Ostritz 114 Sorten vorhanden, 66 davon unter einem anderen Namen. 46 Sorten gelten als verschollen.

Die Oberlausitz-Stiftung rettet seit knapp 15 Jahren historische Obstsorten. Nach eigenen Angaben hat die Initiative inzwischen schon über 400 ursprüngliche Sorten, darunter allein knapp 230 Apfelsorten, auf ihren Streuobstwiesen und einer Obstbaumallee gepflanzt. Mit ihrer Expertise unterstützen sie auch das Schmochtitzer Projekt, dass durch Leader-Mittel gefördert wird.

Trotzdem braucht es noch Baumpaten. Interessenten können sich bei der Umweltpädagogin melden. Ihr Wunsch ist es, dass zumindest ein Teil der Bäume noch in diesem Jahr in die Erde kommen soll. Auch Kenner alter Obstsorten können gern mit Christine Weber Kontakt aufnehmen.

Apfelfest ist für den Frühherbst 2022 geplant

Zur Bestimmung der Sorten ist es dieses Jahr zu spät, die Früchte sind ja schon Most. Trotzdem denken die Mitarbeiter im Bildungsgut schon an die nächste Obstsaison. Denn die Baumpflanzaktion ist erst der erste Schritt für das Bildungsprojekt. Geplant sind Umweltprojekte und jeweils im Frühherbst ein Apfelfest mit Gottesdienst, Ernte und mobiler Saftpresse.

Einen Abstecher auf die Streuobstwiese machen vielleicht schon eher die „nervigen Mütter und ihre Besserwisser-Töchter“. Mit diesem Titel ist ein neues Schmochtitzer Angebot mit der Caritas überschrieben. Vom 12. bis 14. November gibt es für Mütter und ihre Töchter zwischen zehn und zwölf Jahren eine Pubertäts-Auszeit im Bildungsgut. Ein zweiter Durchgang ist für Anfang April geplant.

Insgesamt sind im Bildungsgut St. Benno bis März kommenden Jahres 70 unterschiedliche Veranstaltungen geplant, darunter zahlreiche Angebote zur politischen Bildung und zu aktuellen Themen. So heißt es am 15. November innerhalb des Schmochtitzer Forums „Landwirtschaft – quo vadis“.

Zu Gast ist Herrmann Kroll-Schlüter, Landwirt und langjähriges CDU-Bundestagsmitglied. Der Präsident des Internationalen Ländlichen Entwicklungsdienstes fordert zum Beispiel neue politische Rahmenbedingungen für die Sicherung einer bäuerlichen Landwirtschaft.

Kulturbegeisterte dürfen sich wieder auf die Schmochtitzer Bühne freuen: Ein gute Tradition ist der Besuch des Amaryllis-Streichquartetts in der Oberlausitz. Während ihres Proben-Wochenendes im Bildungsgut geben die Musiker am 6. November ihr Konzert. Das Adventskonzert ist dann am 11. Dezember mit Chortissimo geplant. Der Chor aus Dresden hat ein Weihnachtsprogramm mit klassischen Stücken, stimmungsvollen traditionelle Werken und modernen Jazz-Arrangements im Gepäck.

Informationen zum Programm im Bildungsgut Sankt Benno finden Sie hier.