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Rettung für Deutschlands größte Dorfkirche

Dach und Stuckdecke müssen dringend saniert werden. Doch der Cunewalder Kirchgemeinde fehlt Geld. Ein Kreis von Unterstützern will das jetzt ändern.

Von der obersten Empore der Cunewalder Dorfkirche ist die sanierungsbedürftige Stuckdecke zu erkennen. Pfarrer Friedemann Wenzel bemühte sich bisher vergeblich um Fördermittel zur Instandsetzung des Kirchendaches. Nun soll ein Förderverein helfen.
Von der obersten Empore der Cunewalder Dorfkirche ist die sanierungsbedürftige Stuckdecke zu erkennen. Pfarrer Friedemann Wenzel bemühte sich bisher vergeblich um Fördermittel zur Instandsetzung des Kirchendaches. Nun soll ein Förderverein helfen. © SZ/Uwe Soeder

Cunewalde. Trotz aller Unwägbarkeiten bleibt man in Cunewalde optimistisch: Das Dach der evangelischen Dorfkirche - die mit 2.632 Sitzplätzen deutschlandweit als  größte gilt - soll in naher Zukunft saniert werden. Genau wie die stuckverzierte Decke, die sich in 13 Metern Höhe über das Kirchenschiff spannt. Dringend nötig ist das, seit im Dezember vergangenen Jahres ein faustgroßes Stück Stuck von der Decke in den Altarraum stürzte. Seither sichert ein großes, engmaschiges Netz den Kirchenraum vor weiteren herabfallenden Teilen. 

Dass das kein Dauerzustand ist, finden neben Cunewaldes Pfarrer Friedemann Wenzel, Landrat Michael Harig und Bürgermeister Thomas Martolock (beide CDU) auch zahlreiche Cunewalder - vornehmlich aktuelle oder ehemalige Unternehmer aus der Region. Elf heimatverbundene Liebhaber sakraler Baukunst taten sich deshalb am Mittwochabend im Ratssaal des Cunewalder Gemeindeamtes zusammen, um in Anwesenheit von Ehrengast Thomas de Maizière, dem ehemaligen Bundesinnenminister, einen Förderverein zur Erhaltung der Dorfkirche zu gründen.

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Seit Dezember vergangenen Jahres schützt ein Netz den Kirchenraum vor herabfallendem Stuck.
Seit Dezember vergangenen Jahres schützt ein Netz den Kirchenraum vor herabfallendem Stuck. © SZ/Uwe Soeder

Dessen Aufgabe wird allerdings nicht zuerst das Eintreiben der notwendigen Mittel für die Deckensanierung sein. Denn dringender ist zunächst die Erneuerung des Kirchendaches. Kostenschätzungen gehen von einer benötigten Summe von etwa 340.000 Euro aus. Dass es hierfür einen Förderverein braucht, war so nicht geplant.

Zu Jahresbeginn hatte sich Pfarrer Friedemann Wenzel intensiv um Mittel aus dem Denkmalschutz-Sonderprogramm des Bundes bemüht. Doch das ist dramatisch überzeichnet. Nur rund 2,5 Millionen Euro flossen in den vergangenen Jahren in sächsische Denkmalschutz-Projekte - zumeist gesplittet in einzelne Beträge zwischen 100.000 und 250.000 Euro. Das entspräche nur etwa der Hälfte der avisierten Kosten für die Dachrettung. Und auch dieser Betrag kam in diesem Jahr nicht in Cunewalde an.

Positives Signal nach Berlin

Zwar will sich die Gemeinde auch im kommenden Jahr um Mittel aus dem Denkmalschutz-Sonderprogramm bemühen, aber selbst bei einer Zusage wird weitere finanzielle Unterstützung nötig sein, um die beiden großen Bauvorhaben an der Cunewalder Dorfkirche zu realisieren.

Der Förderverein, zu dessen Vorsitzendem Landrat Harig gewählt wurde, will es sich deshalb zur Aufgabe machen, Spenden einzutreiben, Vermächtnisse entgegenzunehmen und Benefizveranstaltungen zu organisieren, wodurch zugleich das Dorfleben in Cunewalde attraktiver werden soll. Zudem soll das Engagement des Vereins ein positives Signal nach Berlin senden: "Es ist nicht möglich, den Großteil der Summe per Fördermittel bereitzustellen", machte Harig deutlich. Insofern sei es Standard, dass bei der Bearbeitung von Fördermittelanträgen auch darauf geachtet werde, inwieweit Bürger und Kirchgemeinde bereit seien, ebenfalls einen Beitrag zu leisten.

Risse ziehen sich durch die Stuckelemente der 240 Jahre alten Cunewalder Dorfkirche, einige Teile sind bereits herausgebrochen. Doch saniert werden kann hier erst, wenn das Dach neu gedeckt ist.
Risse ziehen sich durch die Stuckelemente der 240 Jahre alten Cunewalder Dorfkirche, einige Teile sind bereits herausgebrochen. Doch saniert werden kann hier erst, wenn das Dach neu gedeckt ist. © SZ/Uwe Soeder

Eine leichte Aufgabe haben die ehrenamtlichen Mitglieder des Fördervereins sich nicht gestellt. Denn nachdem während eines Frühjahrssturms in diesem Jahr bereits Ziegel vom Dach geweht wurden, hat sich zwischenzeitlich eine weitere Herausforderung ergeben. Pfarrer Wenzel erzählt: "Im Gebälk leben seltene Fledermausarten. Natürlich bin ich ein großer Anhänger der Schöpfungsbewahrung. Aber Naturschutz und bauliche Sachen kollidieren hier gerade gnadenlos."

Voraussichtlich bis nächsten Herbst wird es dauern, bis die zuständige Naturschutzbehörde das Vorkommen der Tiere hinreichend untersucht hat. Erst dann könnte das Dach aufgemacht werden, was zur nächsten Schwierigkeit führt: "Im Herbst fängt man natürlich nicht an, ein Dach neu zu decken. Wenn wir aber im kommenden Jahr die Fördermittelzusage bekommen, dann müssen wir die Baumaßnahme zwingend im selben Jahr beginnen."

Wünschenswert wäre das auch vor dem Hintergrund der Bundestagswahlen im Herbst 2021. Bis das neue Kabinett einen Haushalt verabschiedet hat, kann es lange dauern. Und ob in diesem noch Denkmalpflegemittel enthalten sein werden, ist derzeit nicht absehbar.

Kosten für Deckensanierung nur geschätzt

Erst wenn dieses große Vorhaben gestemmt ist, können sich die Fördervereinsmitglieder mit dem Gedanken an die Sanierung der Kirchendecke tragen und auch hier lauern Überraschungen: Bislang ist nicht bekannt, wie stark beschädigt die Verzierungen unter dem Kirchendach tatsächlich sind. Ein Gerüst aufzustellen, um diese Frage zu beantworten, wäre zu teuer. Schätzungen gehen von Kosten zwischen einer halben und einer Million Euro aus.

Auf die Mitglieder des Fördervereins warten also große Herausforderungen. Voraussichtlich Anfang Januar wollen sie sich zu ihrer ersten Vorstandssitzung zusammenfinden. Themen sollen dann unter anderem die Höhe der Mitgliedsbeiträge und die Abstimmung über bereits bestehende Logo-Entwürfe sein. Auch ein Vereinskonto soll bis dahin eingerichtet sein. 

Friedemann Wenzel zeigte sich am Ende der Gründungsveranstaltung erleichtert über den Enthusiasmus der neuen Vereinsmitglieder und sagte: "Wir als Kirchengemeinde sind natürlich stolz auf dieses Gebäude. Aber in der Vergangenheit waren wir eben tendenziell auch zunehmend überfordert."

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