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Schöne Spionin lockt Napoleon nach Schmochtitz

Das Sorbische Ensemble bringt das Stück „Napoleon & die Agentin“ im Bildungsgut auf die Freilichtbühne – unterstützt von einer bekannten Schauspielerin.

Bildungsgut-Rektor Sebastian Kieslich (r.), Diana Wagner, Geschäftsführerin des Sorbischen National-Ensembles, und Librettist Tomas Kreibich-Nawka freuen sich auf das szenische Open-Air-Hörspiel „Napoleon & die Agentin“ mit Kammermusik und Ballett.
Bildungsgut-Rektor Sebastian Kieslich (r.), Diana Wagner, Geschäftsführerin des Sorbischen National-Ensembles, und Librettist Tomas Kreibich-Nawka freuen sich auf das szenische Open-Air-Hörspiel „Napoleon & die Agentin“ mit Kammermusik und Ballett. © SZ/Uwe Soeder

Schmochtitz. Graue Wolken verhängen den Himmel, der Wind treibt immer wieder Regen über das Land am Bildungsgut in Schmochtitz. Vielleicht war das Wetter im Mai 1813 ganz ähnlich. Von einer Anhöhe bei Schmochtitz sowie von zwei weiteren Aussichtspunkten in Kleinwelka und Salzenforst soll Napoleon am Vorabend der Schlacht von Bautzen die Lage der Heere betrachtet haben. Die verlustreichen Kämpfe bei Wurschen gewinnt der Feldherr zwar noch, doch sie läuten das Ende der Napoleonischen Befreiungskriege ein – zur Trauer der damaligen Gutsbesitzerin. Ihr Name ist Auguste Charlotte von Kielmannsegge.

Jene glühende Napoleon-Verehrerin steht im Mittelpunkt des diesjährigen Schmochtitzer Mini-Open-Air. Mit dem kammermusikalische Hörspiel „Napoleon & die Agentin“ erinnert das Sorbische National-Ensemble (SNE) in Kooperation mit dem Bildungsgut an jene Tage, als in der Lausitz und vor allem im kleinen Dorf Schmochtitz Weltgeschichte geschrieben wurde. Premiere ist am 2. Juli. Das Textbuch stammt aus der Feder von Tomas Kreibich-Nawka. Auf der Bühne im Park ist auch das Ballett dabei. Den Part der Auguste Charlotte von Kielmannsegge übernimmt die bekannte Schauspielerin Anna Thalbach.

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Ehemann mit vergiftetem Kuchen getötet

Für die Recherchen hat Tomas Kreibich-Nawka unter anderem die Memoiren der Napoleon-Verehrerin als Grundlage genommen. Die Geschichte der Dame aus gutem Adels-Hause könnte einen Mehrteiler ergeben. Hier kommt die Kurzfassung: Auguste Charlotte von Kielmannsegge wird am 18. Mai 1777 als Tochter des sächsischen Hofmarschalls Peter August von Schönberg geboren. Er war nicht nur der kurfürstliche Verwalter der Schlösser und Gärten in Sachsen, sondern auch der Besitzer der Barockanlage in Schmochtitz.

Seine Auguste heiratet mit 19 Jahren den Graf Rochus August von Lynar samt Standesherrschaft Lübbenau. Allerdings soll sie seiner bald überdrüssig gewesen sein und der Ehe und ihrem Gemahl mit einem vergifteten Kirschkuchen eine Ende gesetzt haben. „Von diesem Kuchen wird in dem Stück auf jeden Fall die Rede sein“, sagt Tomas Kreibich-Nawka.

Brief Napoleons im roten Täschchen transportiert

Die Trauer fällt eher kurz aus, stattdessen ehelicht die ebenso kluge wie schöne Frau Graf Ferdinand Hans Ludolph von Kielmannsegge. „Er kämpfte gegen die Franzosen und wurde von ihnen inhaftiert. Um für das Leben ihres Mannes zu bitten, reiste Auguste nach Paris“, weiß Bildungsgut-Rektor Sebastian Kieslich. Es ist das Jahr 1809. Ihr Mann erhält freies Geleit, doch die sächsische Adlige bleibt lieber am kaiserliche Hof. „Auguste begeisterte die französische Kultur und Gesellschaft, von der Aufklärung angetan. Sie war zudem eine große Briefeschreiberin und hervorragend in ganz Europa vernetzt“, sagt der Librettist.

Es wird gemunkelt, dass sie direkte Kontakte zu Napoleon pflegte. Er schickte sie auch 1812 in ihre Heimat zurück – als Agentin seiner Majestät. Unter anderem arbeitete sie als geheimer Kurier, weiß Tomas Kreibich-Nawka. In einem roten Täschchen soll sie einen Brief Napoleons an den russischen Zaren aufbewahrt und dafür gesorgt haben, dass das Schriftstück seinen Empfänger erreicht. „Was in dem Brief steht, wird im Stück verraten“, sagt Kreibich-Nawka. Denn den Inhalt hat Auguste Charlotte von Kielmannsegge in ihren Memoiren festgehalten.

Episode vom Techtelmechtel ist historisch vage

Für die SNE-Inszenierung lässt der derzeitige Interims-Intendant Napoleon auch in Schmochtitz vorstellig werden. Historisch ist diese Episode vom Techtelmechtel vage, für das Gefühl auf und vor der Bühne aber ein guter Treiber. Übrigens soll die schöne Schmochtitzerin dem Verehrten bis auf seine Verbannungsinsel Elba nachgereist sein, verstorben ist sie letztlich 1863 inmitten von Napoleon-Devotionalien in Dresden.

Ihre Spionage-Geschichte hat Tomas Kreibich-Nawka in corona-konforme 90 Minuten zum Ersatz für die Schmochtitzer Nächte verpackt. „Mit dem Open-Air wollen wir gemeinsam die Leute wieder zu uns einladen, Kultur zu erleben. Das Stück passt zum Ort und zur Region“, sagt Sebastian Kieslich. Daneben jährt sich in diesem Jahr noch der 200. Todestag Napoleons.

Zum szenischen Hörspiel gibt es sorbische Kompositionen von Jan Paul Nagel, Bjarnat Krawc, Detlef Kobjela, Heinz Roy, Korla Awgust Kocor und Jan Cyž sowie Ballett mit sechs Tänzern. Neben Anna Thalbach konnte der Dresdener Schauspieler Matthias Wagner als Napoleon-Stimme verpflichtet werden. Für Illustrationen auf der Bühne sorgt Stefan Hanusch.

Corona-Test kann vor Ort erledigt werden

Der Kartenvorverkauf beginnt am 1. Juni. Für die zwei Freiluft-Inszenierungen sind bis jetzt jeweils 100 Karten geplant. „Wir überlegen, ob wie das Stück in die neue Spielzeit mitnehmen, dann ohne Anna Thalbach“, sagt Tomas Kreibich-Nawka. Der Einlass beginnt bereits 18 Uhr. Wenn ein negativer Corona-Test für die Veranstaltung noch notwendig ist, kann das Testzentrum vor Ort genutzt werden.

„Napoleon & die Agentin“: 2. und 3. Juli, 20.30 Uhr, open air in Schmochtitz; Kartenvorverkauf ab 1. Juni an der SNE-Kasse (Mühltorgasse 3 in Bautzen), unter www.ansambl.de, Telefon 03591 358111, [email protected]

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