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Bautzen: Sorbisches Ensemble sagt über 150 Auftritte ab

Seit einem Jahr muss das SNE Produktionen und Tourneen immer wieder verschieben. Bei der Suche nach neuen Terminen schwingt eine große Sorge mit.

Diana Wagner ist Geschäftsführerin des Sorbischen Nationalensemble mit Sitz in Bautzen. Sie hat die Sorge, dass in Folge der Pandemie Kulturetats gekürzt werden und es damit auch weniger Auftrittsmöglichkeiten gibt.
Diana Wagner ist Geschäftsführerin des Sorbischen Nationalensemble mit Sitz in Bautzen. Sie hat die Sorge, dass in Folge der Pandemie Kulturetats gekürzt werden und es damit auch weniger Auftrittsmöglichkeiten gibt. © SZ/Uwe Soeder

Bautzen. Warten auf den Normalbetrieb: Seit einem Jahr arbeitet das Sorbische National-Ensemble SNE auf Sparflamme. Neben den Produktionen im Haus mussten seit dem Beginn der Corona-Pandemie Tourneen der Künstler verschoben werden, darunter Gastspielreisen nach China, Russland, Spanien oder in die Hamburgische Staatsoper. „Von unseren Auftritten sind vergangenes Jahr 95 ausgefallen, auch in diesem Jahr mussten wir bereits zahlreiche Veranstaltungen absagen. Wir haben einen Vorstellungsstau von über 150 Veranstaltungen“, sagt Diana Wagner, Geschäftsführerin des Dreispartenhauses.

Statt Lampenfieber ist weiterhin Geduld beim sorbischen Kulturbotschafter angesagt. Diana Wagner kennt die Zahlen aus dem Effeff. Seit 1997 ist die Sorbin am Haus, zuerst in der Position der Chefdisponentin, jetzt als Geschäftsführerin. „Zu etwa 500 Veranstaltern halten wir im gesamten deutschsprachigen Raum regelmäßigen Kontakt, gut 5.000 weitere Interessierte werden über unseren Veranstalter-Newsletter zu Produktionen informiert“, sagt sie. Doch diese Partner drücken derzeit selbst noch auf die Bremse. Häufig haben sich in den vergangenen Monaten geplante Termine, zum Teil ganze Spielpläne von einem Jahr aufs nächste verschoben.

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Veranstalter müssen hunderte Termine nachholen

Ein gutes Beispiel für gleich mehrere Anläufe ist ein Gastspiel mit der Konzertgala „An den Mond“ in Karlsfeld bei München. Das Programm wird dort im Rahmen des Musiktheater-Abonnements angeboten. Im Frühjahr 2020 saßen die Künstler schon auf ihren gepackten Koffern, als die Absage mit dem ersten Corona-Lockdown kam. Für den Nachholtermin brauchte es zum Beispiel vier Anläufe, denn die Kulturveranstalter planen bis zu drei Jahren im Voraus und müssen nun teilweise hunderte Veranstaltungen nachholen und in ihren Spielplänen unterbringen.

Die Gewinner dieser Vergaben sind häufig die Klassiker unter den Tourneetheatern, die Angebote, die ohne große Erklärungen auskommen, wie russisches Ballett oder Kabarett. „Unser Programm ist dagegen kein Mainstream. Wir sind oft etwas Besonderes in den Augen der Veranstalter. Ein weiteres Problem bei den verschobenen Auftritten ist zudem die wirtschaftliche Verhältnismäßigkeit mit begrenzter Auslastung und einer veränderten Publikumsnachfrage. Beides wird uns noch länger begleiten. Irgendwie sitzen wir alle im selben Boot“, sagt die Kulturmanagerin.

Künstler in Kurzarbeit geschickt

Die Kulturgemeinde Weinheim hat indes seinem langjährigen Partner in Bautzen mitgeteilt, dass sich der Verein aufgrund knapper Kassen auflösen wird. „Das ist meine große Sorge für die Zukunft, dass Kulturetats gekürzt werden“, sagt Diana Wagner. Kommerz auf der Bühne statt „versteckter Perle“, wie das Dreispartenhaus aus der Lausitz häufig in Veranstalterkreisen genannt wird, könnte eine Folge sein. Trotzdem behält die kaufmännische SNE-Chefin die Zuversicht.

Die Finanzierung des Hauses ist mit einem Etat von 5,2 Millionen Euro durch die Stiftung für das sorbische Volk gesichert. „Den deutlichen Umsatzrückgang konnten wir hauptsächlich durch Kurzarbeit und eingesparte Ausgaben der abgesagten Vorstellungen kompensieren“, sagt Diana Wagner und schaut nach vorn. Die Tournee-Pläne füllen sich langsam für die Spielzeiten bis 2022/23. In Karlsfeld wird sich der Vorhang voraussichtlich am 21. Oktober 2021 für die Konzertgala „An den Mond“ heben. Auch nach neuen Terminen für die internationalen Tourneen wird gesucht.

Erster Auftritt beim Kammermusikfest

Und was passiert in der sorbischen Heimat? Da probt das SNE ganz aktuell mit dem Ensemble des Bautzener Theaters für die Produktion „Der Sommernachtstraum“. Auch eine kleine Version der Spreewälder Sagennacht zu Pfingsten 2021 in Burg ist in Planung wie statt der Schmochtitzer Nächte eine kleinere Open-Air-Veranstaltung auf dem Gelände des Bildungsguts. Auch der Ballettabend „EinRAUMwohnung“ soll nun endlich mit Publikum gezeigt werden. Bei diesem Tanztheater haben die Künstler ihre Erfahrungen aus dem ersten Lockdown für die Bühne verarbeitet. Premiere war am Abend vor dem zweiten Lockdown. Kleine Kammermusik-Formationen des SNE-Orchesters und -Chores werden dagegen schon bei zahlreichen Auftritten an den Osterfeiertagen in Lausitzer Kirchen zu erleben sein.

Das ist ein Vorgeschmack auf eine besondere Zusammenarbeit in diesem Jahr. Zum ersten Mal ist das Sorbische National-Ensemble beim Kammermusikfest Oberlausitz im September dabei. Das SNE-Kammermusikensemble spielt mit Mitgliedern der Weimarer Staatskapelle im Schloss Milkel Kompositionen der sorbischen Musikliteratur. „Über diese Premiere freue ich mich jetzt schon“, sagt Diana Wagner – und wagt einen fast optimistischen Blick in das Jubiläumsjahr 2022. Dann feiert das Dreispartenhaus nach 14.000 Gastspielen in über 40 Ländern seinen 70. Geburtstag – hoffentlich wieder im Normalbetrieb.

www.ansambl.de

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