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Zwei wie Holmes und Watson

Beim Bautzener Theatersommer sind Richard Koppermann und Mirko Brankatschk ein Team. In der Realität trennen sich ihre Wege bald.

Beim Bautzener Theatersommer sind Richard Koppermann (l.) und Mirko Brankatschk als Sherlock Holmes und Dr. Watson zu erleben.
Beim Bautzener Theatersommer sind Richard Koppermann (l.) und Mirko Brankatschk als Sherlock Holmes und Dr. Watson zu erleben. © SZ/Uwe Soeder

Bautzen. Hinter seinen Apparaturen und Reagenzgläsern stehend, bringt Sherlock Holmes gerade die Baker Street 221b ordentlich zum Qualmen. Danach feuert der Detektiv dem Neuankömmling Dr. Watson erstmals eine Analyse um die Ohren: „Sie kommen gerade aus Ägypten, es lief nicht optimal für sie am Suezkanal. Beobachtung und Schlussfolgerung ist eine Art Reflex bei mir“, fällt der Exzentriker mit Geist gleich mit der Tür ins Haus.

„Das seltsame Gefühl für meinen Zimmergenossen sollte sich noch verstärken“, kommentiert der stillere Mediziner den wortgewaltigen Holmes-Auftritt.

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Beim Bautzener Theatersommer und der Inszenierung „Sherlock Holmes - Die Beatles-Bänder“ geben Richard Koppermann und Mirko Brankatschk das ungleiche Paar. Beide Schauspieler fühlen sich wohl mit ihrem zweiten Ego. „Sherlock Holmes ist ein Sonderling, der in seiner eigenen Welt lebt“, charakterisiert Richard Koppermann seinen derzeit ständigen Begleiter.

Mirko Brankatschk sieht sich als derjenige, der die Menschlichkeit verkörpert und mit dessen Hilfe die Coups Holmes auch der Nachwelt erhalten bleiben. Schließlich hat er immer ein Tonband dabei.

Richard Koppermann nimmt mit der Rolle des Sherlock Holmes Abschied vom Bautzener Theater.
Richard Koppermann nimmt mit der Rolle des Sherlock Holmes Abschied vom Bautzener Theater. © SZ/Uwe Soeder

Schon der britische Schriftsteller Arthur Conan Doyle bedient sich dieses Kunstgriffs des Chronisten, um die Fälle des Dr. Watson festzuhalten. Während das Original die Schauspieler als Lesestoff früher nicht so gereizt hat, sind sie begeistert von der BBC-Serie. Die Produktion mit Benedict Cumberbatch in der Hauptrolle hat dem alten Stoff nochmals zu neuer Popularität verholfen.

Selbstverständlich fehlt in dieser Fernsehreihe auch nicht Professor Moriarty als Erzfeind des Detektives. Jener Bösewicht ist auch auf der Bautzener Theatersommerbühne zu erleben.

Für die Inszenierung ließ sich Regisseur und Autor Lutz Hillmann selbst sowohl vom Doyle-Original als auch von der Serie inspirieren. Die Handlung verlegte er in die 1960er-Jahre. Die Bautzener Ermittlungen führen den Meisterdetektiv und seinen Partner zu den Pilzköpfen und ihrem legendären letzten Live-Auftritt, dem sogenannten Rooftop-Concert am 30. Januar 1969.

Fürs Sommerstück das Geige-Spielen erlernt

Bei gut 20 Liedern der wohl ersten Boyband der Popgeschichte darf das Publikum mitsummen - und selbstverständlich kennen auch Richard Koppermann und Mirko Brankatschk die Musik der Beatles. „Das sind doch Klassiker“, sagt der Bautzener Holmes. Er musste für das Stück sogar Geige lernen.

Auf der Bühne nimmt inzwischen ihr Fall Kontur an. Ihre Ermittlungen führen sie erstmals zum Klub der Rothaarigen. „Holmes sieht viel, deduziert in einem Affenzahn. Ich wäre da viel zu langsam und folglich auch kein guter Ermittler“, sagt Richard Koppermann. Für den gebürtigen Sauerländer ist es an der Spree der zweite wie auch letzte Theatersommer. Sein Debüt feierte er im Frühjahr 2018 am Bautzener Haus in der Inszenierung „Der Fall der Götter“.

Einem besonders großen Publikum ist er seit seiner Rolle als Micha in der Freiluftproduktion „Am kürzeren Ende der Sonnenallee“ 2019 bekannt. Nach seinem Sherlock in diesem Jahr verlässt der Absolvent der Theaterakademie Vorpommern das Ensemble für ein Engagement am Chemnitzer Theater.

Mirko Brankatschk hat schon in 18 Theatersommern mitgewirkt. Diesmal spielt er Dr. Watson und sein Aufnahmegerät immer dabei.
Mirko Brankatschk hat schon in 18 Theatersommern mitgewirkt. Diesmal spielt er Dr. Watson und sein Aufnahmegerät immer dabei. © SZ/Uwe Soeder

Mirko Brankatschk gehört dagegen schon seit 2003 zum Schauspiel-Ensemble. So war der gebürtige Bautzener schon 2004 bei der Rückkehr des Theatersommers auf die Ortenburg dabei. Damals gab es im Schlosshof sogar den Wolfgangsee inklusive „Weißem Rössel“. Im Repertoire des 52-Jährigen stehen 18 Theatersommer.

Neben dem Leopold im „Rössl“ ist sicher vielen noch sein Passepartout aus „In 80 Tagen um die Welt“ im Gedächtnis. „Theatersommer ist wie eine eigene Jahreszeit, die zum Schauspieldasein dazu gehört. Der Spaß steht im Mittelpunkt – und in diesem Jahr sind wir einfach froh, dass wir wieder spielen dürfen“, sagt Mirko Brankatschk.

Durch die Corona-Pandemie hatten die Schauspieler in dieser Theatersaison auch mehr Vorsprung als in den anderen Jahren beim Probieren. Inzwischen kann das Ensemble fast schon Bergfest feiern. Bis einschließlich 8. August jagen nämlich Sherlock Holmes und Dr. Watson noch die Bösewichte auf der Ortenburg und werden langsam zu Freunden. In der Gegenwart des Arztes kann der Detektiv sogar Gefühle zeigen: „Watson, Sie sind der Wetzstein für meinen Geist. In ihrer Gegenwart fühle ich mich wohl“, sagt er zu seinem Gegenüber.

Detektivgeschichte wird 2022 fortgesetzt

Für Richard Koppermann indes ist sein Sherlock Holmes ein fröhlicher Abschied vom Bautzener Publikum, das sich aber schon auf das kommende Jahr freuen darf. Dann gibt es beim 26. Theatersommer eine Fortsetzung der Detektivgeschichte. Schließlich muss irgendeiner Moriarty das Handwerk legen.

Aufgrund der niedrigen Inzidenzwerte im Landkreis Bautzen (unter 10) stehen für jede Veranstaltung mehr Plätze für den Theatersommer zur Verfügung. Die Zusatzplätze werden wochenweise freigegeben.

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Am Sonntag, dem 18. Juli, um 15 Uhr ist aufgrund der großen Nachfrage eine Zusatzvorstellung angesetzt.

Es gibt keine Maskenpflicht, keine Abstandsregeln und keine Pflicht zum Nachweis über eine Corona-Genesung beziehungsweise-Impfung mehr.

Karten gibt es im DDV-Lokal am Lauengraben 18 in Bautzen oder unter www.theater-bautzen.de.

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