merken
PLUS Bautzen

In Kuppritz gibt es jetzt ein Kino

Eigentümer Sebastian Flämig hat den grünen Salon des Kuppritzer Schlosses für Filmvorführungen hergerichtet - und dabei ein vergessenes Kunstwerk entdeckt.

Im Kuppritzer Schloss gibt es jetzt ein kleines Kino. Als ersten Film zeigte Schlossbesitzer Sebastian Flämig "Zurück in die Zukunft".
Im Kuppritzer Schloss gibt es jetzt ein kleines Kino. Als ersten Film zeigte Schlossbesitzer Sebastian Flämig "Zurück in die Zukunft". © SZ/Uwe Soeder

Hochkirch. "Zurück in die Zukunft", findet Sebastian Flämig, sei genau der richtige Film gewesen, um den neuen Kinosaal im barocken Schloss Kuppritz einzuweihen. Und irgendwie stimmt das. Schließlich könnte der Filmtitel ebenso gut über der Liebesgeschichte des Schlossretters und seiner historischen Behausung stehen.

Die begann vor zehn Jahren, als Flämig das Anwesen bei einer Versteigerung erwarb. "Ausgeschrieben war es nicht etwa als Schloss oder Villa, sondern als Renditeobjekt", erinnert er sich. In den historischen Räumen, die er eine Woche vor dem Kauf zum ersten Mal sah, seien damals zehn Wohnungen untergebracht gewesen. An die Trockenbauwände und die XXL-Duschkabinen, die in die barocke Kubatur gezwungen worden seien, erinnert er sich heute noch mit Grausen.

TOP Deals
TOP Deals
TOP Deals

Die besten Angebote und Rabatte von Händlern aus unserer Region – ganz egal ob Möbel, Technik oder Sportbedarf – schnell sein und sparen!

Die Geschichte des Schlosses nach der Wiedervereinigung 1990 ist jedoch fast vergessen, seit Flämig dort hantiert. Die "Misshandlung" der historischen Gebäudesubstanz durch einen Investor, wie Flämig es nennt, sieht heute nur noch, wer genau hinschaut - oder ausreichend Zeit mitbringt, um dem Schlossbesitzer bei seinen unzähligen Geschichten über die wechselhafte Vergangenheit des Anwesens zu lauschen. Mit viel Liebe zum Detail hat Flämig die alten Raumzuschnitte wieder hergestellt - und stieß dabei immer wieder auf Überraschungen.

Jeder Raum birgt Geheimnisse

Flämig deutet auf die kunstvoll bemalte Holzbalkendecke im blauen Saal. Die sei abgehangen gewesen, erklärt er. Das Kunstwerk darunter sei nur durch Zufall zum Vorschein gekommen. Heute lauschen unter der floralen Ornamentik zuweilen Gäste Kammerkonzerten - oder geben sich das Ja-Wort.

Die kupferne Kaminplatte, die bei der Renovierung zum Vorschein kam, zeigt in Wort und Bild die biblische Hochzeit von Kana.
Die kupferne Kaminplatte, die bei der Renovierung zum Vorschein kam, zeigt in Wort und Bild die biblische Hochzeit von Kana. © SZ/Uwe Soeder

Ein weiteres verstecktes Geheimnis verbarg das Nebenzimmer. Im sogenannten grünen Salon gibt es einen Kamin aus der Zeit um 1930. Der war zugemauert. Von Maria-Beate von Loeben, der noch lebenden Tochter des letzten Gutsbesitzers, erfuhr Flämig von der verborgenen Feuerstelle - und von einer ominösen Kaminplatte, die diesen geziert haben sollte. "Ich konnte mir darunter nichts vorstellen und bin ohnehin davon ausgegangen, dass sie gestohlen worden sei", erinnert sich der Schlossbesitzer. Er irrte sich, suchte trotz seiner eigenen Vorbehalte nach der geheimnisumwitterten Tafel und wurde fündig: Die prächtige Darstellung der Hochzeit von Kana in Wort und Schrift ziert inzwischen den kleinen Kinosaal, der im grünen Salon entstanden ist.

Etwa 30 bis 40 Plätze, schätzt Flämig, kann er in dem rund 40 Quadratmeter großen Raum im ersten Obergeschoss unterbringen. Der Ort gehörte früher zu den herrschaftlichen Räumen der Schlossbesitzer. Leinwand und Beamer bringen dort jetzt die Zukunft in den Barock. Finanziert wurde die Technik über Mittel des Sächsischen Mitmachfonds. In den Genuss einer Filmvorführung kamen bislang nur Freunde und Familienmitglieder des Schloss-Eigentümers. Das soll nicht so bleiben - auch, wenn das Wxie und Wann derzeit noch in Frage stehen.

Kinoraum sorgt für Behörden-Wirrwarrr

Flämig erklärt: "Die großen Filmverleihe verlangen bei öffentlichen Vorführungen absurde Gebühren." Auf Blockbuster im Schlossambiente brauche deshalb niemand hoffen, aber: "Der Salon kann für die Vorführung von Urlaubsbildern oder -filmen genau wie für das Zeigen kleinerer Produktionen genutzt werden, wenn die Rechteinhaber damit einverstanden sind." Reichlich grotesk wirkt vor diesem gänzlich unkommerziellen Nutzungskonzept Flämigs Anekdote von der Bewilligung des Vorführraums. Darin geht es um einen verwirrenden Gang durch die Institutionen, denn: "Die Bewilligungsbehörden hatten Angst, ich könnte den hiesigen Kinos den Rang ablaufen", sagt Sebastian Flämig schmunzelnd und zeigt ins gänzlich kinolose Kuppritzer Rund.

Neu ist aber nicht nur das Mini-Kino. Auch die Schlossküche hat der Hausherr auf Vordermann gebracht. Eine moderne Kochinsel bildet dort jetzt das Herzstück in einem Spiel aus Alt und Neu. Bis zu 50 Personen können bei Veranstaltungen beköstigt werden, hat Sebastian Flämig ausgerechnet. Darüber hinaus will er Kochkurse für bis zu zehn Personen anbieten.

Auch Übernachtungen im Schloss sind möglich

Weiterführende Artikel

Der zurückgekehrte Spiegel

Der zurückgekehrte Spiegel

Im Schloss Kuppritz kann Geschichte jetzt noch besser vermittelt werden. Dank originalen Details.

Das Angebot komplettieren die Übernachtungsmöglichkeiten im Obergeschoss des Schlösschens. Drei fertige Zimmer gibt es hier inzwischen neben den Wohnräumen des Eigentümers. Jedes der Zimmer bietet Platz für zwei bis drei Leute. Mehr Übernachtungsmöglichkeiten sind im Bau. Und dann gibt es da noch das nicht ausgebaute Obergeschoss, wo mit Schlafsack und Isomatte auch jetzt schon genächtigt werden kann.

Das alles bietet sich perfekt für Familienfeiern an. Zu den Preisen macht der Schlossherr keine Angabe. Das - so sagt er - ist Verhandlungssache.

Mehr zum Thema Bautzen