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Bautzen: So trotzt ein Reisebüro der Corona-Krise

Reise- und Konzertveranstalter Andreas Thomas verdient gerade mit beiden Standbeinen nichts. Trotzdem hat er jetzt kräftig investiert - und noch weitere Pläne.

Wegen Corona kann Reise- und Konzertveranstalter Andreas Thomas derzeit weder Gäste unterhalten noch auf Reisen schicken. Zu tun hat er trotzdem, unter anderem gerade seine Bautzener Filiale renoviert.
Wegen Corona kann Reise- und Konzertveranstalter Andreas Thomas derzeit weder Gäste unterhalten noch auf Reisen schicken. Zu tun hat er trotzdem, unter anderem gerade seine Bautzener Filiale renoviert. © SZ/Uwe Soeder

Bautzen. Seit etwa zwei Wochen verdecken milchige Planen den Blick in die Fenster des Reisebüros ATeams an der Ecke Lauengraben/Seminarstraße in Bautzen. Hinter den Planen blieb seitdem nichts, wie es vorher war, seit Inhaber und Namensgeber Andreas Thomas das ehemalige Domizil von Kretzschmar-Reisen Ende 2017 übernommen hatte. Gern würde der Chef aller Welt sofort zeigen, was sich jetzt in seiner Bautzener Filiale verändert hat. Doch darauf muss er noch warten, so wie die Betreiber vieler Geschäfte, Reisebüros und andere Dienstleister.

Aber so viel sei schon mal verraten: Die über 20 Jahre alten Möbel sind einer komplett neuen Einrichtung gewichen. Bequeme Sessel in Orange, der Firmenfarbe von ATeams, laden die Besucher zum Sitzen ein. Dann finden die Augen schnell große Blickfänge an den frisch gemalerten und neu dekorierten Wänden: einladende Bilder von der Seiser Alm in Südtirol und von einem Bootssteg in der Südsee, dazu große Bildschirme für Videos. "Viele Hotels und Kreuzfahrschiffe haben heute eigene Videos, die können wir den Kunden dann gleich hier zeigen", sagt der 40-Jährige.

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Das Foto von der Seiser Alm bedeckt übrigens eine Tür, hinter der sich ein kleines Call-Center verbirgt. Während im vorderen Raum Kundengespräche laufen, erledigt das Call-Center alles Organisatorische - also zum Beispiel Abstimmungen mit Hotels oder den Einkauf von Reisen. Hier landen auch jetzt zwischen 10 und 16 Uhr die Anrufe, wenn etwa jemand eine Reise umbuchen möchte.

Etwa 40.000 Euro in die Bautzener Filiale investiert

Von all dem bekommen künftig die Kunden in den orangenen Sesseln nichts mit. In den nächsten Jahren will Andreas Thomas auch seinen beiden anderen Filialen in Schirgiswalde und Wilthen den gleichen Stil verpassen. Aber erst einmal soll und muss wieder Geld verdient werden. "Wir haben in den vergangenen Jahren gut gewirtschaftet, dadurch können wir uns das hier leisten", sagt der Unternehmer.

Etwa 40.000 Euro hat er in die Neugestaltung des Bautzener Reisebüros investiert, davon ein Drittel Fördermittel von der Sächsischen Aufbaubank. Um auch während der Corona-Schließung die weiterlaufenden Kosten zu stemmen, nahm er außerdem Hilfsgelder vom Staat in Anspruch. "Dafür bin ich wirklich sehr dankbar, sonst könnten wir das nicht überleben. Aber lieber möchten wir sofort wieder losfahren."

Kreuzfahrt mit 1.500 Gästen verschoben

Wie für alle Reiseveranstalter war 2020 auch für ATeams ein schweres Jahr. Einen neuen Reisebus, den Thomas im März in Ulm holte, musste er gleich nach wenigen Tagen wieder vorübergehend abmelden. Von Juni bis Oktober rollte das Fahrzeug dann zu einigen Reisezielen, aber vieles war eben anders als gewohnt. "Wir waren der einzige, einsame Bus auf dem Brenner nach Südtirol", berichtet Andreas Thomas. "Sonst fuhr dort Stoßstange an Stoßstange."

Dann kam im Herbst die zweite Zwangspause. Die gesamte Reisebranche in Deutschland büßt durch das ausgefallene Wintergeschäft etwa 90 Prozent ihrer üblichen Umsätze ein, errechnete das Analysehaus Travel Data + Analytics (TDA). Eine Zahl, die Andreas Thomas auch für ATeams bestätigt. Seine elf Mitarbeiter musste er in Kurzarbeit schicken.

"Unser zehntes Firmenjahr hatten wir uns ganz anders vorgestellt", sagt er. Unter anderem musste er eine bereits fertig organisierte Kreuzfahrt mit 1.500 Gästen und der Leipziger Rock'n-Roll-Band The Firebirds ebenso verschieben wie die Silvesterreise, die mit vier Bussen in die polnische Ostseemetropole Danzig führen sollte.

Managt jetzt Stars der Volksmusik-Szene

Und auch das zweite Standbein des tatendurstigen Schirgiswalders brach 2020 fast vollständig weg. Denn Andreas Thomas hat auch einen Namen als Konzertveranstalter. Unter anderem hatte er ein Konzert mit dem Schlagerduo Fantasy unter Dach und Fach. Der geplante Veranstaltungsort, die Löbauer Messehalle, dient jetzt als Impfzentrum gegen Corona.

Fantasy soll nun im August dieses Jahres in die Oberlausitz kommen, blickt Thomas voraus. Und auch andere Künstler, bei deren Namen Kenner der Volksmusik-Szene sofort mit der Zunge schnalzen, möchte er möglichst bald in seiner Heimat begrüßen: die Ladiner und Graziano. Für das Duo und den Sänger aus Südtirol hat der Schirgiswalder Anfang dieses Jahres das Management übernommen.

Über Youtube Kontakt zu Stammgästen gehalten

Die Stimme von Graziano wird auch in einem neuen Lied zu hören sein, das Andreas Thomas zusammen mit dem Crostauer Entertainer Heiko Harig für den Neustart von ATeams vorbereitet hat. "Wir singen da alle zusammen, und es geht um den Spaß am Leben", verrät er schon mal. Denn den wollen sie sich auch von Corona nicht nehmen lassen.

Das Lied soll es auch auf Youtube geben, wie Thomas und Harig in den vergangenen Monaten überhaupt mit Hilfe dieses Internetportals Kontakt zu ihren Reise-Stammgästen hielten. Denn Heiko Harig unterhielt auf Reisen schon viele Gäste von ATeams - und das soll auch in Zukunft so sein. "Möglichst bald", sagt Andreas Thomas ungeduldig.

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