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Bautzen setzt auf mehr Ampeln

Weil es an einer Kreuzung in Bautzen immer wieder kracht, zieht die Stadt jetzt Konsequenzen – aber nicht alle sind einverstanden.

Hier soll sich etwas tun: Die Stadt Bautzen will die Kreuzung auf der Löbauer Straße vor der Gaststätte Lusatia umbauen.
Hier soll sich etwas tun: Die Stadt Bautzen will die Kreuzung auf der Löbauer Straße vor der Gaststätte Lusatia umbauen. © SZ/Uwe Soeder

Bautzen. Wenn dieser Tage von Ampeln die Rede ist, fällt es manchem vielleicht schwer, nicht an mögliche Koalitionen der neuen Bundesregierung zu denken. Doch die Ampel, die im Bautzener Stadtrat jüngst für durchaus hitzige Debatten sorgte, hat reichlich wenig mit Berlin zu tun. Stattdessen ging es um die Kreuzung auf der Löbauer Straße direkt an der Gaststätte Lusatia. Die soll umgebaut werden – eine umstrittene Idee.

Wie ist der Verkehr dort jetzt geregelt?

An der Kreuzung der Löbauer mit Pauli- und Fichtestraße gibt es auch jetzt schon eine Ampel. Dabei handelt es sich um eine Bedarfsampel für Fußgänger und Radfahrer, die die Löbauer Straße überqueren wollen. Die Ampel deckt also nicht alle Straßenäste ab. Auf den anderen Straßen regeln Schilder den Verkehr. Im Kreuzungsbereich teilen sich Radfahrer den Gehweg mit den Fußgängern.

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Warum will die Stadt die Kreuzung umbauen?

Bereits seit geraumer Zeit gilt die Kreuzung als Unfallschwerpunkt. So berichtet die Stadt von 15 Unfällen in den Jahren 2014 bis 2018. Und 2020, das teilt die Polizei mit, gab es acht Unfälle. Drei Personen wurden dabei leicht verletzt. Auch schwer Verletzte habe es an der Kreuzung bereits gegeben. „An der Kreuzung sind sowohl Vorfahrtsunfälle als auch Unfälle mit Linksabbiegern und Auffahrunfälle typisch“, teilt Polizeisprecher Sebastian Ulbrich mit. „Immer wieder sind Radfahrer beteiligt.“ Vor einiger Zeit seien bereits Maßnahmen ergriffen worden, um den Unfällen entgegenzuwirken. So sei zum Beispiel die Ampeleinstellung verändert worden. Geholfen habe das aber nicht.

Die vielen Unfälle sind für die Stadt nun der Hauptgrund, die Kreuzung umzubauen. Vor allem für Radfahrer sei es dort gefährlich. Spätestens mit dem Ausbau der Paulistraße müsse die Kreuzung aber ohnehin angefasst werden, erklärt die Verwaltung. Und jetzt sei ein günstiger Zeitpunkt, um für das 345.000 Euro teure Projekt Fördermittel abzugreifen.

Wie soll die Kreuzung nach dem Umbau aussehen?

Künftig soll an jedem Straßenast der Kreuzung eine Ampel stehen. Die Ampeln sollen 24 Stunden am Tag laufen. Auf der Hauptachse, also der Löbauer Straße, soll permanent Grün angezeigt werden – wenn aus den anderen Richtungen gerade keiner kommt.

Die Ampel soll nicht mehr nur per Knopfdruck funktionieren, sondern einen Sensor haben. Dieser soll auch linksabbiegende Radfahrer erkennen.

Anders als bisher sollen die Radler nicht mehr auf dem Gehweg fahren, sondern auf der Straße. Das sei sicherer, erklärt Baubürgermeisterin Juliane Naumann. Der Gedanke dahinter ist, dass die Radler dann Blickkontakt zu den Autofahrern haben können. Auf den beiden Nebenstraßen soll es vor den Auto-Haltelinien Aufstellstreifen für Radfahrer geben. Hinter der Kreuzung sollen die Radfahrer dann wieder auf den Gehweg geführt werden.

Für die Baupläne müssen drei Bäume weichen. Die Stadt will an einem anderen Ort neue pflanzen.

Wie viele Autos passieren die Kreuzung täglich?

Etwa 15.000 Autos, berichtet die Stadt, fahren jeden Tag auf der Löbauer Straße und passieren die Kreuzung. Auf den Nebenstraßen seien es etwa 3.000 Fahrzeuge.

Was kritisieren die Stadträte?

Es war schon spät am Abend, als das Thema in der Stadtratssitzung aufkam – doch die Stadträte ließen sich trotzdem zu 45 Minuten hitziger Debatte hinreißen. So fragten zum Beispiel einige, ob nicht auch ein Kreisverkehr eine Lösung sei. Baubürgermeisterin Juliane Naumann verneinte: Die Straße müsse auch für Schwerlastverkehr passierbar sein, das wäre mit einem Kreisverkehr nicht möglich.

Mike Hauschild von der FDP fand, dass das Ganze eine Luxusvariante sei: Ihm reiche es, wenn an den beiden Nebenstraßen etwas getan werde. Bodo Thiemann von der CDU sorgte sich, dass Parkflächen für die Lusatia oder die benachbarte Bäckerei draufgehen könnten, wenn die Pläne umgesetzt werden. Sieghard Albert, Fraktionschef der AfD, erklärte, er glaube nicht, dass die Radfahrer auf der Straße besser aufgehoben seien. Wieder andere Stadträte befürchteten, dass die Straße an dieser Stelle zu eng sei, damit Radfahrer und Autos nebeneinander fahren könnten. Dem widersprach die Baubürgermeisterin.

Trotz des vielen Widerspruchs haben die Stadträte dem Umbau der Kreuzung am Ende grünes Licht gegeben – wenn auch nur knapp. Zwölf Räte stimmten für den Umbau, zehn dagegen. Zwei enthielten sich. Starten werden die Bauarbeiten voraussichtlich im Juni 2022.

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