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Bautzen: Das entsteht an der Töpferstraße

Fast zwei Jahre ist es her, dass die ehemaligen Zentrum-Garagen einstürzten. Nun wird auf dem Areal etwas Neues gebaut.

Wo an Bautzens Töpferstraße einst Zentrum-Garagen und Lausitzer Druckhaus standen, soll schon bald ein Wohnquartier für betreutes Wohnen entstehen.
Wo an Bautzens Töpferstraße einst Zentrum-Garagen und Lausitzer Druckhaus standen, soll schon bald ein Wohnquartier für betreutes Wohnen entstehen. © Wohnquartier LISA GmbH & CO KG

Bautzen. Bautzens Bevölkerung wird älter. Das zeigt die Statistik ganz deutlich. Obwohl es insgesamt immer weniger Einwohner in der Stadt gibt, ist die Zahl der über 65-Jährigen gestiegen. 1990 lebten knapp 7.000 Menschen dieser Altersgruppe in Bautzen, zehn Jahre später waren es schon über 8.000. Im Jahr 2010 waren mehr als 10.200 Bautzener älter als 65, 2019 lag die Zahl bei über 11.200.

Naheliegend ist deshalb die Idee, ein Wohnprojekt in der Bautzener Innenstadt ebenjener Altersgruppe zu widmen. Und genau das hat Ronny Zetsch vor. Auf dem Gelände der ehemaligen Zentrum-Garagen und dem Areal des ehemaligen Lausitzer Druckhauses will er mit seinem Unternehmen Wohnquartier LISA GmbH & Co KG ein Quartier für betreutes Wohnen errichten.

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„Das Gelände liegt zentral in der Stadt“, begründet er die Idee. Es gibt Bushaltestellen in der Nähe, Supermärkte und andere Geschäfte, Ärzte, das Krankenhaus und auch der Grüne Ring ist nah gelegen. „Die Lage ist optimal für ältere Menschen“, ist Zetsch überzeugt.

Bewohner sollen selbstbestimmt leben können

Insgesamt 88 Wohneinheiten soll es geben. Allesamt barrierefrei: keine Schwellen, breite Gänge, Aufzüge. Mit Platz für Läden und andere gewerbliche Nutzer in den unteren Etagen. „Unsere Idee ist es, eine Tagespflege zu integrieren“, erklärt Ronny Zetsch. Erste Gespräche mit Pflegediensten habe es bereits gegeben. Auch andere pflegenahe Dienstleistungen, wie beispielsweise ein Brötchenservice für die Bewohner, schweben ihm bevor. Und es soll einen Hausnotruf geben. Damit es gesellig ist, sind regelmäßige Veranstaltungen geplant.

„Wir wollen aber, dass die Bewohner möglichst selbstbestimmt leben“, sagt Ronny Zetsch. Das bedeutet: Es gibt keinen vorgegebenen Tagesablauf, keine vorab eingerichtete Wohnung.

Die Wohnungen werden zwischen 30 und 75 Quadratmeter groß sein. Die meisten ausgestattet mit Balkonen. Einziehen darf nicht nur, wer pflegebedürftig ist – auch andere sind willkommen. Ronny Zetsch hat da ein älteres Ehepaar vor Augen, das noch keine Hilfe im Alltag braucht – aber die Sicherheit haben möchte, dass es in ein paar Jahren Hilfe bekommen könnte. „An die junge Party-WG richtet sich das Angebot eher nicht“, sagt Ronny Zetsch. „Unsere Idee ist, dass die älteren Menschen keine Angst haben sollen, irgendwann wieder ausziehen zu müssen.“

Ende 2022 soll das Projekt fertiggestellt sein

Zwei Gebäude sollen entstehen; eins im vorderen Bereich und eine sogenannte Wohnvilla im hinteren Bereich. Weil ein Wohnquartier aber mehr ausmacht als bloß der Wohnraum, soll dazwischen ein Park mit Springbrunnen angelegt werden, und auch ein Café ist vorgesehen, damit sich die Anwohner treffen können.

Das denkmalgeschützte Teehaus am Rand des Grundstücks soll nicht nur erhalten bleiben. Das Ziel von Ronny Zetsch ist es, das Gebäude bewirtschaften zu lassen – erst einmal liegt die Baustelle aber woanders.

Denn bis die ersten Mieter einziehen können, soll es gar nicht mehr so lange dauern: „Unser Ziel ist es, Ende 2022 fertig zu sein“, sagt Ronny Zetsch. „Mittlerweile ist auch die Finanzierung sichergestellt.“ Die Bauarbeiten für die Wohnvilla haben bereits begonnen, für das vordere Gebäude sollen sie im Frühjahr 2021 starten. Im Sommer 2021 will die Wohnquartier LISA GmbH dann auch erste Mietgespräche führen.

Die Bauarbeiten auf der Fläche an der Töpferstraße haben bereits begonnen.
Die Bauarbeiten auf der Fläche an der Töpferstraße haben bereits begonnen. © Steffen Unger
So soll die sogenannte Wohnvilla im hinteren Bereich aussehen.
So soll die sogenannte Wohnvilla im hinteren Bereich aussehen. © Wohnquartier LISA GmbH & CO KG
Zwischen den Gebäuden entsteht eine Parkanlage.
Zwischen den Gebäuden entsteht eine Parkanlage. © Wohnquartier LISA GmbH & CO KG
Die meisten Wohnungen sollen mit Balkonen ausgestattet werden.
Die meisten Wohnungen sollen mit Balkonen ausgestattet werden. © Wohnquartier LISA GmbH & CO KG

Im Januar 2019 waren die ehemaligen Zentrum-Garagen in der Töpferstraße plötzlich eingestürzt. Die Firma Baucom von Roland Zetsch, dem Vater von Ronny Zetsch, kaufte das Areal – und das des Lausitzer Druckhauses. Die Firma ließ den Teil der Zentrum-Garagen, der noch stand, abreißen – und kurz darauf auch das Lausitzer Druckhaus.

All das forderte Genehmigungen des Denkmalamtes: Denn im Druckhaus befand sich bis 1938 ein jüdischer Gebetsraum. Das Denkmalamt kam jedoch zu dem Schluss, dass das Objekt die Denkmalkriterien nicht erfüllt. Zu sehr sei das Objekt ohnehin schon umgebaut worden, und im Gebäude selbst gebe es keine Belege mehr, wo genau der Gebetsraum eingerichtet war.

Roland Zetsch hatte auf Kritik einiger Bürger damals verständnisvoll reagiert: „Wir haben uns die Entscheidung nicht leicht gemacht“, sagte er. Und er erklärte, dass eine Gedenktafel auch an das neue Gebäude angebracht werde. Er wolle den Stolperstein auf dem Fußweg, der an die frühere jüdische Bewohnerin erinnert, während der Bauarbeiten nicht nur schützen – er habe sogar finanziell dazu beigetragen, dass dieser dort verlegt werden konnte.

Interessierte können sich schon jetzt mit Fragen bei der Wohnquartier LISA GmbH melden; per E-Mail unter [email protected] und telefonisch unter 03591 / 270 6420.

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