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Bautzen: Wer bekommt das freie Grundstück?

Ein Unternehmen aus Dresden will sich im Industriegebiet Nord ansiedeln. Doch auch die Firma Hentschke Bau ist scharf auf die Fläche.

Die Firma Hentschke Bau möchte ihr Firmenareal im Industriegebiet Nord in Bautzen erweitern - aber auch ein anderes Unternehmen hat Interesse an dem freien Grundstück.
Die Firma Hentschke Bau möchte ihr Firmenareal im Industriegebiet Nord in Bautzen erweitern - aber auch ein anderes Unternehmen hat Interesse an dem freien Grundstück. © SZ/Uwe Soeder

Bautzen. Gleich vorweg: Eine Entscheidung ist noch nicht gefallen. Dabei ist sie schon einmal vertagt worden, das Thema stand bereits vor vier Wochen auf der Tagesordnung des Finanzausschusses des Bautzener Stadtrates. Worum geht es? Ein Gewerbegrundstück im Bautzener Industriegebiet Nord steht zum Verkauf. 7.000 Quadratmeter ist die Fläche groß, etwa 57.000 Euro soll sie kosten. Das Problem: Der Finanzausschuss tut sich schwer mit der Entscheidung, weil es zwei Interessenten gibt. Deshalb sollte die Stadtverwaltung eigentlich Alternativen prüfen – hatte in der Sitzung aber keine Lösung parat.

Zum einen will die Firma Hentschke Bau das Grundstück haben, um das eigene Firmenareal zu vergrößern und dort Parkplätze zu errichten. Zum anderen möchte die Firma ABG Anlagen-, Bau- und Betriebsgesellschaft Dresden die Fläche kaufen, um sich in Bautzen anzusiedeln. Die Stadtverwaltung hatte Vertreter beider Firmen zur Sitzung des Finanzausschusses eingeladen, damit die Stadträte Fragen zu den Plänen stellen können. Gekommen war nur Henry Kleinstück von der Firma ABG.

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Dresdner Firma will zehn bis 15 neue Stellen schaffen

Die Firma Hentschke Bau meldete sich mit einem schriftlichen Statement. Die Parkplätze seien bei Weitem nicht ausreichend, erklärte das Bautzener Unternehmen. „Die Mitarbeiter parken am Straßenrand“, las Bärbel Grajcarek von der Stadtverwaltung vor.

Das Unternehmen habe einst mit 40 Mitarbeitern am Standort gerechnet und entsprechend viele Parkplätze errichtet. Elf Jahre später gebe es nun aber über 100 Beschäftigte; dazu Besucher, Kunden und Geschäftspartner. Und mit der geplanten Unternehmenserweiterung steige der Bedarf an Parkplätzen weiter an. Zwischen 100 und 120 Parkplätzen würden dem Unternehmen fehlen. Die Busanbindung sei nicht ausreichend.

Und wer ist die Firma, die sich neu ansiedeln will? Henry Kleinstück, der in Bautzen wohnt, hat die Firma ABG 2015 gegründet. Das Unternehmen „macht grob gesagt alles, was mit Umwelt und Wasser zu tun hat“, sagt Kleinstück. Also: Es bereitet Wasser auf, filtert beispielsweise Eisen heraus. Einsatzgebiete sind unter anderem ehemalige Braunkohletagebaue. Die Firma kümmert sich um Blaualgenprobleme, zum Beispiel in Quitzdorf. Und sie arbeitet auch am Berliner Flughafen BER, bereitet dort das Grundwasser auf.

Auf ihre speziellen Schwimmbagger hat die Firma ABG aus Dresden ein Patent angemeldet. Ihren Sitz würde die Firma gern nach Bautzen verlagern. Dafür sucht sie schon lange nach einem Grundstück.
Auf ihre speziellen Schwimmbagger hat die Firma ABG aus Dresden ein Patent angemeldet. Ihren Sitz würde die Firma gern nach Bautzen verlagern. Dafür sucht sie schon lange nach einem Grundstück. © ABG

Derzeit hat das Unternehmen seinen Standort in Dresden, beschäftigt 35 Mitarbeiter. „Etwa ein Drittel unserer Angestellten stammt aus Bautzen und dem Umland“, berichtet Kleinstück. Einer der Gründe, weshalb er den Hauptsitz des Unternehmens nach Bautzen verlagern will. Auch zehn bis 15 neue Mitarbeiter will das Unternehmen hier einstellen. „Wir suchen schon länger nach einem Grundstück in Bautzen, bislang sind wir aber nicht fündig geworden“, erklärt Kleinstück.

Warum sich die Stadträte mit der Entscheidung so schwer tun? „Verstehen Sie uns nicht falsch, Herr Kleinstück“, erklärte Bürgerbündnis-Stadtrat Steffen Tech in der Finanzausschusssitzung, „wir wollen Sie gerne, bitte fühlen Sie sich nicht abgelehnt.“ Aber es sei eben schwierig. In Techs Fraktion im Stadtrat sitzt auch Jörg Drews, Geschäftsführer der Firma Hentschke Bau. Deren Parkplätze könnten nur in der Nähe des Firmengeländes entstehen. „Gibt es denn keine Alternativen für ABG, sind keine anderen Gewerbegrundstücke frei?“, fragte Tech – wie bereits vor einem Monat – in Richtung Stadtverwaltung.

Stadtverwaltung soll Alternativen prüfen

Die Antwort: Nicht in der Größe, wie es die Firma ABG braucht. Weil die Firma großes Gerät wie Kräne und Bagger benötigt, ist die Wunschgröße der Firma eine Fläche von 10.000 Quadratmeter.

Aber – und das ist neu – es könnten zwei Grundstücke frei werden. Die befinden sich in einem anderen Industriegebiet, nämlich in Salzenforst. Das berichtet Bärbel Grajcarek von der Stadtverwaltung. Dort möchte eine Firma ihr Grundstück der Stadt zurück verkaufen, eine andere vom Kaufvertrag zurücktreten. Das sei der Stadt aber erst jetzt gerade bekannt geworden. Ob die Grundstücke sich für die Firma ABG eignen, ließ sich so spontan im Finanzausschuss aber nicht klären.

„Und wie steht es um Alternativen für die Parkplätze der Firma Hentschke Bau?“, wollen mehrere Stadträte wissen. Schließlich bräuchten die keine 7.000 Quadratmeter, mutmaßt Roland Fleischer von der SPD-Fraktion. Steffen Tech erinnert an das Areal des ehemaligen Enso-Heizkraftwerkes in Teichnitz. Vielleicht eine Option für Hentschke? „Das haben wir nicht geprüft“, teilt Bärbel Grajcarek mit.

Und so einigen sich die Mitglieder des Finanzausschusses noch einmal darauf, die Entscheidung zu vertagen – erneut mit Hausaufgaben für die Stadtverwaltung.

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